iSCSI macht SAN für KMU attraktiv


Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2003/14

     

Über drei lange Jahre war iSCSI (Internet SCSI) primär ein Hype. Die Speichernetzwerk-Technologie, die angetreten war, der hochkomplexen und teuren Fibre-Channel-Welt (FC) das Fürchten zu lehren, machte dabei durchaus mit interessanten Ansätzen von sich reden. So sollte das neue System schnell installierbar und einfach skalierbar sein, durch simple Administration glänzen und erst noch um ein Vielfaches günstiger als FC sein - hauptsächlich durch erprobte IP-Grundtechniken, dank deren preiswertere Geräte möglich werden und die spezielle Schulung der Administratoren wegfällt. Unter diesen Voraussetzungen würde die SAN-Technik (Storage Area Network) nicht nur für Grossunternehmen sondern auch für KMU attraktiv. Bloss - es fehlte die Umsetzung in die Praxis.




Ein erstes iSCSI-Speichersystem, das IBM bereits vor zwei Jahren enthüllt hatte, wurde diesen Sommer wieder vom Markt genommen - mangels Interesse bei der Kundschaft, in zwei Jahren wurde kein einziges Gerät verkauft. Das Desinteresse ist der Kundschaft wiederum nicht zu verübeln, schliesslich gab es weder einen fertigen Standard noch vermochte IBM oder gar deren Konkurrenz mit einer breiten Gerätepalette aufzuzeigen, was mit iSCSI überhaupt möglich sein soll.


Hersteller-Interesse geweckt

In diesem Jahr hat sich dies geändert: Nachdem das IETF im Februar den iSCSI-Standard definitiv verabschiedet hat, interessieren sich zahlreiche Hersteller wieder für die Fibre-Channel-Alternative. Eine federführende Rolle nehmen dabei Cisco und IBM ein, die daran arbeiten, iSCSI-fähige Speichergeräte zu entwickeln und bestehende Ethernet-Infrastruktur wie Switches und Router (möglichst durch Upgrade) iSCSI-tauglich zu machen. Aber auch klassische Anbieter von Storagelösungen wie EMC und Network Appliance haben den neuen Markt entdeckt und bereits iSCSI-Speichergeräte auf den Markt gebracht oder zumindest angekündigt. Derzeit werden aber nach wie vor hauptsächlich Switches angeboten, die iSCSI-Datenverkehr auf Fibre Channel oder SCSI übersetzen.



Ein grosser Fortschritt auf der Software-Seite konnte schliesslich Anfang Juli verzeichnet werden, als Microsoft begann, iSCSI-Treiber für Windows 2000, Windows XP und Windows 2003 Server zum Download bereitzustellen. Auch Novells NetWare 6.5 wird iSCSI-Unterstützung beinhalten.





Grosses Marktpotential

Analysten zufolge lässt der ganz grosse Durchbruch von iSCSI aber dennoch weiter auf sich warten: Bevor die grossen Hersteller sich wirklich intensiv um die iSCSI-Integration in ihre Produktlinien kümmern werden, so die verbreitete Meinung, müssten Start-ups wie Nishan Systems, StoneFly Networks und Sanrad erst zeigen, dass hier tatsächlich ein Markt vorhanden ist. Immerhin: IDC rechnet damit, dass das Marktvolumen von iSCSI bereits in vier Jahren auf rund fünf Milliarden US-Dollar anwächst und damit dasjenige von Fibre Channel übertrifft.




Allerdings sind die Analysten überzeugt, dass iSCSI Fibre Channel nicht verdrängen, sondern vielmehr ergänzen wird. So werde Fibre Channel im High-End-Bereich weiter marktführend bleiben, während iSCSI in diesem Segment beispielsweise optimal geeignet sei, um FC-SANs in LANs, WANs und MANs zusammenzufassen. Gleichzeitig werde sich iSCSI im unteren und mittleren Marktsegment rasch etablieren können: Die grossen Vorteile des neuen Standards, die günstigen Kosten und die vergleichsweise einfache Administration, würden SANs nämlich endlich auch für KMU interessant machen.



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