Netzwerk-Wechsel per Mausklick

Das manuelle Eingeben von Konfigurationsdaten wie IP- und DNS-Adressen beim Wechsel zwischen zwei Netzwerken ist keine optimale Lösung. Software-Tools können das besser.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2002/09

     

Wer sich als Besitzer eines Notebooks in mehreren Netzwerken tummelt, also beispielsweise im Geschäft und im Heimnetz, kennt das Problem: Weil Windows im Unterschied zu Linux nur eine einzige Netzwerkkonfiguration speichern kann, muss er bei jedem Netzwechsel umständlich von Hand die neuen Angaben für IP-Adresse, Domäne, DNS etc. vornehmen - und das selbst dann, wenn in allen Netzen ein DHCP-Server zum Einsatz kommt.




Auf Dauer sind diese manuellen Einstellungsänderungen sicher keine befriedigende Lösung, wie auch verschiedene Shareware-Programmierer festgestellt haben. Schon seit Jahren sind entsprechende Tools auf dem Markt und wurden stetig verbessert und ergänzt. Wir haben die neuesten Versionen von vier bekannten Werkzeugen getestet.


Gemeinsame Grundfunktionen

Die Grundfunktionalität - beispielsweise die Vergabe von verschiedenen IP- und DNS-Adressen auf denselben oder unterschiedliche Netzwerk-Adapter, das Zuordnen von Gateways oder das Ändern von Domänen und Arbeitsgruppen-Namen - beherrschen alle Produkte im Test. Dazu bieten sämtliche Tools auch die Definition des Standarddruckers für jedes Profil, so dass zuhause auf den Tintenstrahler und im Büro auf den Abteilungslaser gedruckt werden kann, ohne dass Änderungen im Druckerdialog nötig wären.



Auch das Anpassen der wichtigsten Browser-Optionen, wozu etwa die Wahl der Verbindung zum Internet oder die Zuordnung von Proxys und Ports gehören, kann in jedem der Netzwerk-Manager problemlos vorgenommen werden.




Eine weitere (und letzte) Gemeinsamkeit liegt in der Funktionsweise der Tools. Sind nämlich erst mal die Einstellungen für die verschiedenen Netzwerke gemacht, bemerkt man vom Netzwerk-Manager nichts mehr - bis man das Netz wechselt und die Konfiguration ändern muss.



Alle Tools bieten in diesem Fall die Möglichkeit, das gewünschte Netzwerk on-the-fly auszuwählen. Die Änderungen werden entweder sofort - im Fall, dass nur die IP-Adresse und ähnliche Angaben geändert werden - oder nach einem Neustart des Systems übernommen. Letzteres wird dann notwendig, wenn neben den üblichen Konfigurationsparametern auch die Domäne gewechselt werden muss.



Dieselbe Funktionalität steht selbstverständlich auch bei jedem Reboot zur Verfügung: Wird das System gestartet, meldet sich der Netzwerk-Manager vor dem Einloggen und stellt die definierten Netzwerk-Konfigurationen zur Auswahl.




XP-Unterstützung nur in zwei Tools

Während alle Werkzeuge im Test sämtliche älteren 32-Bit-Windows-Versionen von Windows 95 bis Windows 2000 unterstützen, haben es bisher nur zwei Hersteller geschafft, diese Unterstützung auch auf das neueste Betriebssystem Windows XP auszuweiten. Dieselben beiden Tools, MultiNetwork Manager 6.2 (MNM) von Globesoft sowie NetSwitcher 3.2.4 Beta von Joe Hance, können auch mit Novells Netware umgehen.



Des weiteren bieten diese beiden Programme auch die Möglichkeit, einige Optionen des in der jeweiligen Konfiguration zu nutzenden E-Mail-Clients anzupassen. Dazu gehören etwa Usernamen und Passworte sowie SMTP- und POP-Adressen.




Die Bedienung der beiden Tools ist dabei auf den ersten Blick grundverschieden: Während NetSwitcher mit einer Oberfläche aus verschiedenen Registern aufwartet, die den Einstellungsfenstern in Windows stark ähnelt, zeigt MNM bloss ein kleines Fenster mit den Grundeinstellungen und versteckt zahlreiche Optionen vor dem Anwender. Dies hat den Vorteil, dass der User nicht durch unnötige oder gar unmögliche Optionsfelder verwirrt wird, macht aber ein bisschen mehr Know-how erforderlich. Ausserdem muss man so die gewünschten Optionen mitunter zuerst suchen.



Bei NetSwitcher dagegen sind nicht relevante Optionen wie in Windows-Programmen üblich zwar sichtbar, aber nicht anwählbar; nur auf Wunsch werden komplette Tabs auch unsichtbar gemacht.




Weniger Optionen, weniger Verwirrung

Ein insgesamt deutlich kleineres Feature-Set bieten die beiden anderen Kandidaten im Testfeld, Select-a-Net 3.2 und SwitchIP Pro 2.1. Hier fehlen nicht nur Einstellmöglichkeiten für Mail-Clients, sondern auch verschiedene andere fortgeschrittene Optionen wie etwa das Mapping von Netzwerk-Pfaden.



In der Bedienung ähnelt Select-a-Net dem Look von NetSwitcher, während SwitchIP eher dem Konzept von MNM folgt. So wird dem Anwender zunächst nur die aktuelle Konfiguration gezeigt, der Überblick über die Einstellungsdetails muss separat aufgerufen werden, und zur Änderung der Optionen steht ein neues Fenster zur Verfügung.





Fazit

Einen klaren Sieger gibt es in diesem Round-up nicht. MNM und NetSwitcher überzeugen durch ein annährend identisches Feature-Set und eine gute Funktionalität, die die beiden anderen Kandidaten nicht annähernd erreichen.



Letztlich spielt es aber wohl keine Rolle, welches Produkt man verwendet. Die Grundfunktionalität ist bei allen vier Kandidaten ähnlich, und jedes Programm erledigt seine Aufgabe gleich gut. Die wesentlichen Unterschiede liegen beim erweiterten Feature-Set und der XP-Unterstützung. Benötigt man diese Optionen nicht, kommt jedes Tool in Frage.




Damit dürfte der Entscheid von subjektiven Vorlieben hinsichtlich der Bedienung und nicht zuletzt vom Preis abhängen. Zu den Preisen ist zu bemerken, dass ausnahmslos alle Hersteller Volumenlizenzen anbieten; die Preise in der Tabelle beziehen sich auf eine Einzellizenz.



Zudem in der Print-Ausgabe: Netzwerk-Wechseltools im Überblick



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