USA kehren zum Walkie-talkie zurück


Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2003/18

     

Mobilfunk ist Kultur, ob sich dies nun in besonders verspielten Handys wie in Asien ausdrückt oder in SMS-Sprachschöpfungen wie in Europa. In den USA konnte sich das bei uns allgegenwärtige Daumengetippe nie wirklich durchsetzen. Jetzt scheinen die Amerikaner aber den zu ihrem Brauchtum passenden Handyumgang gefunden zu haben: "Push-to-Talk" heisst die Übersetzung der guten alten Walkie-talkie-Kommunikation ins Mobilfunkzeitalter, mit der Netzbetreiber Nextel grosse Erfolge feiert.



Wie beim Funken kann bei Push-to-Talk nur auf Knopfdruck gesprochen werden. Die Sprachmeldung wird dann auf einem Server des Anbieters zwischengelagert, bis der Empfänger sie abhört. Nun lässt die heutige Technik natürlich ein wenig mehr zu als der frühere Amateurfunk. So können beispielsweise aufgrund von Buddy-Listen Instant-Messaging-ähnliche Chatrooms eingerichtet werden. Zudem lassen sich auch SMS und IM in die Kommunikation mischen. In der Gruppenunterhaltung liegt auch ein grosser Teil der Attraktivität verborgen. Indem mehrere Personen gleichzeitig kommunizieren können, lassen sich beispielsweise Geschäftsbesprechungen viel effizienter abwickeln als über Eins-zu-Eins-Telefonverbindungen.




Ein weiterer Grund für die Popularität des Dienstes dürften die tiefen Preise sein. Die Sprachmeldungen werden wie SMS über den Datenkanal verschickt und kosten so nur einen Bruchteil einer direkten Telefonverbindung. Zudem ist für den Dienst keine besondere Hardware nötig. Er wird per Software-Update ermöglicht.



Wie gefragt Push-to-Talk in den USA derzeit ist, zeigt eine Studie der Zelos Group. 45 Prozent aller Mobilfunkkunden, die nicht bei Nextel unter Vertrag sind und darum den Dienst bisher nicht benutzen können, wünschen sich das Feature in ihrem nächsten Handy. Damit rangiert das Funken auf Platz zwei in der Wunschliste, gleich hinter einer integrierten Kamera. Bemerkenswerterweise landet der Kurzstreckenfunk-Hype Bluetooth auf diesem Wunschzettel gerade mal an zehnter Stelle.



So sind derzeit alle grösseren amerikanischen Mobilfunkbetreiber dabei, Push-to-Talk-Services einzurichten. Einen Pferdefuss hat die Technik allerdings noch: Die meisten Dienste der verschiedenen Anbieter verstehen sich nicht. Mit der zunehmenden Popularität wird aber auch der Druck zur Interoperabilität steigen, ist die Zelos Group überzeugt.




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