Bruno Blaser, Verlagsdirektor Blick/Sonntagsblick

«Als internationales Medienhaus müssen wir auch den e-Bereich abdecken.»

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2003/11

     

Herr Blaser, wer soll den e-Blick kaufen - ist der Markt mit der Printausgabe und Blick Online nicht schon abgedeckt?

Die Bemerkung ist sicher richtig. Ich sehe aber für den e-Blick dennoch zwei Zielgruppen: Erstens Leser, die ihn zusätzlich zu ihrem Print-Abo lesen möchten. Zweitens Leser im Ausland: Für sie kommen zum Abo-Preis noch die Transportkosten hinzu, und die können ziemlich ins Geld gehen. Mit einem e-Blick-Abonnement spart sich der Auslandsleser diese Zusatzkosten.




Bezahlbarer Internet-Content kommt laut Studien schlecht an. Welchen Zuspruch erwarten Sie für den e-Blick?

Wir gehen nicht davon aus, rasch Zehntausende von e-Blick-Abonnenten zu haben. Ich sehe das neue Angebot wirklich als Zusatzleistung. Die Payment-Frage spielt auch eine Rolle bei der WEMF-Beglaubigung: Wir wollen, dass die e-Blick-Abos ebenfalls beglaubigungswürdig sind, und dazu müssen wir sie zu mindestens 50 Prozent des Preises der Printausgabe verkaufen.



Ist deshalb der e-Blick nicht billiger als der gedruckte?

Es gibt noch einen Grund: Der Abo-Preis gedruckter Zeitungen ist nicht kostendeckend. Nicht der e-Blick ist zu teuer; die gedruckten Zeitungen sind zu günstig.



Ist die Lancierung eines e-Papers auch eine Prestigefrage?

Genau. Als internationales Medienhaus mit der "stärksten Zeitung der Schweiz" müssen wir auch den e-Bereich abdecken und den Blick als Ganzzeitung in elektronischer Form bereitstellen. Wir können nicht als Printmedium führend sein und die Informatik einfach beiseite lassen.



Mit der elektronischen Zusatzauflage steigt auch die Reichweite. Planen Sie, an den Inseratepreisen zu schrauben?

Ich glaube nicht, dass wir damit Zigtausende zusätzlicher Leser erhalten. Wenn es so wäre, würden wir die Inseratepreise erhöhen, aber wegen vielleicht Tausend neuen Abos sicher nicht. Vorerst stellen die e-Abos eher einen Werbe-Mehrwert dar, also ein zusätzliches Incentive, bei uns zu inserieren.



Als technische Plattform nutzt der e-Blick den US-Service Newsstand. Wie sind Sie darauf gekommen?

Wir haben auch andere Produkte evaluiert; Newsstand schien uns der ausgereifteste Dienst zu sein. Die einzige Problematik: Der Reader funktioniert nur auf dem PC, nicht auf dem Mac - angesichts der Marktanteile haben wir uns aber doch dafür entschieden. In weiteren Projekten könnte man auch noch andere Varianten testen; wir stecken ja noch in der Pionierphase.

(ubi)


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