Es gibt Alternativen zur Sparwut

Es gibt Alternativen zur Sparwut

23. Januar 2004 -
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/02

Sparen steht derzeit hoch im Kurs: Neue Bundesräte erklären Ausgabenstopps und Kürzungen zur Hauptmaxime und lassen in der Folge die zukunftsgerichteten Projekte buchstäblich links liegen. Firmen entlassen trotz Rekordgewinn frisch und munter, statt ungebremst in die Human Resources zu investieren, die ja laut den Hochglanzprodukten ihrer PR-Abteilungen das wichtigste Kapital darstellen - und Kapital will gepflegt sein, das weiss sogar Erzkapitalist Dagobert Duck.



Nachdem Analysten für die nächsten Monate allenthalben den ersehnten Aufschwung in Aussicht stellen, muss nun perverserweise mancherorts schon wieder eingestellt werden. Die gleichen Arbeitskräfte, die kürzlich als überflüssig deklariert wurden, sind bald wieder bitter nötig. Es wäre insgesamt sicher günstiger gekommen, sich vom betroffenen Personal gar nicht erst zu trennen.



Ausserdem gilt immer noch, was schon Henry Ford verkündet hat. "Autos kaufen keine Autos", will sagen: Jede wirtschaftliche Tätigkeit und demzufolge auch jedes IT-Business trägt überhaupt nur deshalb Früchte, weil zum Schluss ein Konsument etwas kauft. Das kann er aber nur, wenn er Arbeit und demzufolge Geld hat. Dabei machts die Masse - die paar Topmanager mit Millionenbezügen, die wenigen erfolgreichen Börsenspekulanten und das ebenfalls recht kleine Grüppchen der Multimillionäre machen den Braten für die Gesamtwirtschaft nicht fett.



Soweit meine Schimpftirade zum Jahresbeginn, nun zu Erfreulicherem. Inmitten der allgemeinen Sparwut finden sich nämlich immer wieder höchst erfrischende Erlebnisse. Genau so eines durfte ich vor kurzem geniessen: Eine nicht nur für Journalisten kostenlose Veranstaltung der Zürcher Hochschule Winterthur, die auf beispielhafte Weise die Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft demonstrierte.



Das zweite "IT Security Forum" bot vier angenehm kurze, deshalb aber nicht minder gehaltvolle Referate. Zwei der hochkarätigen Referenten stammten aus der Privatwirtschaft; dem Thema gemäss handelte es sich um Security-Berater, die über konzeptuelle Aspekte der IT-Sicherheit und über Vorgehensweisen bei und Nutzen von sogenannten Penetration Tests informierten.



Für die anwesenden ZHW-Studenten, die vielleicht ein Viertel aller Teilnehmer ausmachten, dürfte indes der Vortrag ihres Professors Andreas Steffen das Pièce-de-Résistance gewesen sein. Einige verliessen nach der praxisnahen Halbstunde den Saal, die das Thema VPN mit vielen konkreten Hinweisen auf Tools und weiterführende Informationen beleuchtete. Schade, denn sie haben unter anderem das nicht weniger attraktive Schlussreferat verpasst: Dr. Hannes P. Lubich, sowohl ETH-Privatdozent als auch Strategieverantwortlicher für IT-Security bei Computer Associates Schweiz und Mitglied diverser Fachgremien, transportierte die an sich trockene Materie "Identitätsmanagement" unterhaltsam zum Publikum.



Was will ich dem Leser damit sagen? Erstens: Attraktive, nicht mit horrenden Teilnahmegebühren verbundene und trotzdem weitestgehend werbefreie Informationsveranstaltungen sind auch im Sparzeitalter möglich. Zweitens: Staatlich finanzierte Bildungsinstitutionen und privatwirtschaftlich organisierte Firmen können fruchtbar zusammenarbeiten. Und drittens: Erkennen und nutzen Sie die Möglichkeiten - und suchen Sie auch dort, wo sie vielleicht gar nichts vermuteten. Gerade die Fachhochschulen haben auch Nicht- oder Nicht-Mehr-Studenten einiges zu bieten.

(ubi)

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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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