Partitions-Profis im Vergleich

Die drei Partitioning-Tools in unserem Test bieten umfassende Features zur bequemen Verwaltung von Harddisk-Partitionen.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2002/02

     

Sage und schreibe hundertsechzig Gigabyte fassen die neuesten Harddisks - weder das Betriebssystem noch der Benutzer möchten eine derart gigantische Datenkapazität ohne weitere Einteilung verwalten. Eine sinnvolle Aufspaltung des verfügbaren Platzes in mehrere, unter getrennten Laufwerkbuchstaben ansprechbare Partitionen tut je mehr Not, je grösser die Festplatte insgesamt ist.




Windows hält, wie auch andere Betriebssysteme, die Basisfunktionen zur Partitionierung schon in der Grundausstattung bereit: Muss man in älteren Varianten wie Windows 95 und 98 noch mit dem DOS-Befehl fdisk auskommen, bietet zum Beispiel Windows 2000 unter dem Punkt Datenträgerverwaltung in der Systemsteuerung ein grafisch orientiertes Werkzeug, das allerdings nicht mehr Funktionen bietet als das altbekannte fdisk - es wurde bloss mit einer ansprechenden Oberfläche ausgestattet.


Live-Änderung statt Neuinstallation


Fdisk hat einen gravierenden Nachteil: Änderungen an der Festplatteneinteilung sind mit einem vollständigen Datenverlust verbunden. Wo zum Beispiel nach einiger Betriebszeit die Systempartition zu klein wird, wie es dank ständig neu hinzukommender Installations- und Temporärdateien relativ oft vorkommt, muss nach der Umpartitionierung entweder der bisherige Diskinhalt in einer grundsätzlich riskanten Operation aus einem Backup rekonstruiert oder am besten gleich das ganze System neu installiert werden.



Diese Schwäche der Windows-eigenen Werkzeuge ist wohl der Hauptgrund, Geld für eines der marktgängigen Partitionierungstools auszugeben: Produkte wie Partition Magic von Powerquest, Partition Manager von Paragon und Partition Commander von V-Communications ermöglichen die Repartitionierung von Festplatten ohne Löschung der vorhandenen Daten. Zwar empfehlen alle drei Hersteller nicht ohne Grund dringendst, vor der Anwendung ihrer Produkte ein vollständiges Backup der Harddisk anzulegen; die Erfahrung zeigt aber, dass die Tools sehr zuverlässig arbeiten und das Backup erfreulicherweise fast nie benötigt wird.




Kritische Stimmen vermelden gelegentlich, die Investition in ein Partitioning-Tool, die mit immerhin einigen Dutzend bis um die hundertzwanzig Franken zu Buche schlägt, sei Verschwendung - man könne genauso gut eine zweite Harddisk zur temporären Zwischenspeicherung der bestehenden Daten kaufen, mit fdisk arbeiten und nach einigen Formatier- und Kopieroperationen die selben Resultate erzielen. Der dazu benötigte Aufwand an Zeit und Know-how übersteigt jedoch für den Durchschnittsanwender rasch einmal die Kosten des Tools.




Funktional äquivalent


Sämtliche vorgestellten Tools bieten mehr oder weniger identische Funktionen: Partitionen in den verschiedensten Formaten wie FAT16, FAT32, NTFS und Linux Ext2 können erstellt, verschoben, gelöscht und in der Grösse geändert werden; ausserdem lassen sich, sofern mehrere Harddisks vorhanden sind, ganze Platten kopieren. Alle Tools haben im übrigen Schluss gemacht mit geringen Harddisk-Maximalgrössen wie 32 Gigabyte, die in früheren Versionen üblich waren. Partition Manager unterstützt Laufwerke "bis über 80 Gigabyte", Partition Magic spricht von "bis zu 80 Gigabyte", und bei Partition Commander heisst es "alle Harddisks, inklusive solche von 40 Gigabyte und grösser".



Unterschiede zeigen sich in der Arbeitsweise, der Oberfläche und in einigen Details - siehe Tabelle. Alle Produkte bieten neben den Grundfunktionen auch eine umfassende Dokumentation, die mit zahlreichen Tips und Grundsatzwissen rund um Festplatten aufwartet.




Die drei Lösungen beherrschen darüber hinaus auch fortgeschrittene Manipulationen wie die Änderung der Clustergrösse (kleinere Clustergrössen verhindern bei einer grossen Anzahl kleiner Dateien die Verschwendung von Diskplatz durch ungenutzte Teilcluster) und die Umwandlung zwischen verschiedenen Filesystemen und erlauben dabei auch den Wechsel zwischen FAT und NTFS in beiden Richtungen.



Alle drei Produkte fordern bei der Installation zum Erstellen einer oder mehrerer Notfalldisketten mit bootfähigem Minimalsystem und DOS-Version des Partitionierungstools auf, so dass auch ganz jungfräuliche Computer ohne vorinstalliertes Betriebssystem sowie korrumpierte Systeme partitioniert werden können. Die Pakete enthalten zudem neben dem Partitionierungs-Utility auch einen Bootmanager, der die Installation mehrerer Betriebssysteme auf derselben Platte oder einer beliebigen anderen Partition ermöglicht.



Punkto Funktionalität und Zuverlässigkeit sind demnach alle drei Tools zu empfehlen - die Wahl ist vor allem Geschmacks- und Verfügbarkeitssache. So ist Partition Magic praktisch überall erhältlich, während Partition Manager unter verschiedenen Herkunftsbezeichnungen wie Paragon (der eigentliche Entwickler in Russland) und PTS (ein deutscher Vertrieb) gelegentlich in Buchhandlungen und Software-Shops zu finden ist. Partition Commander dagegen ist schwierig zu bekommen; neben dem auf die Versorgung von Softwareentwicklern spezialisierten Schweizer Distributor von V-Communications will der Sybex-Verlag das Produkt nun ebenfalls ins Programm aufnehmen, was ihm eine höhere Verbreitung bringen dürfte.




Der Kostengünstige: Partition Manager von Paragon


Mit einem Preis von knapp vierzig Euro (Angaben aus dem Paragon-Onlineshop) ist Partition Manager 5.0 Personal Edition, gelegentlich auch Partition Manager 2000 genannt, das günstigste Tool in der Palette. Ausser fehlender Unterstützung für die Grössenänderung von HPFS- und Linux-Swap-Partitionen muss sich das Tool aber nicht vor den Mitbewerbern verstecken. Es stammt aus der Küche des russischen Entwicklers Paragon, der in der PDA-Szene für seine Handschrifterkennung gerühmt wird.



Partition Manager unterstützt alle Windows-Betriebssysteme ab Windows 95 - unter Windows 3.x empfiehlt sich der Einsatz der DOS-Version - bis hin zu Windows XP. Im Gegensatz zu den beiden Konkurrenten läuft er sogar auf den Windows-NT- und Windows-2000-Serverversionen: Bei V-Communications muss dazu die Pro-Edition gekauft werden; bei Powerquest ist für die Konfiguration von Server-Volumes die Enterprise-Lösung Volume Manager zuständig.




Das Paragon-Produkt bietet eine übersichtliche Windows-Oberfläche, in der die installierten Harddisks und ihre Partitionen in Form eines Explorer-Baums zu sehen sind. Die aktuell selektierte Platte erscheint zusätzlich mit mehr Details in einem zweiten Fensterbereich, aus dem die verschiedenen Funktionen durch Rechtsklick auf die gewünschte Partition aktiviert werden. Manche Dialogfenster, die beim Aufrufen einer Funktion erscheinen, enthalten nützliche Zusatzinformationen; das Hilfesystem gibt in verschiedenen "Szenarios" detaillierte Anleitung für häufig benötigte Konfigurationsarbeiten. An anderer Stelle gibt sich Partition Manager wortkarger als die Konkurrenz, so schlägt Partition Commander zum Beispiel beim "Optimieren" die geeignetste Clustergrösse für jeden Partitionstyp vor, während das Paragon-Tool bloss ein wenig aussagekräftiges Aufklappmenü mit möglichen Grössen anbietet.



Partitionierungsvorgänge, die eine Änderung an der Disk-Struktur mit sich bringen, können prinzipiell nicht unter Windows stattfinden, das ja im Gegensatz zum im RAM betreibbaren DOS nicht ohne Zugriff auf die Disk auskommt. Die Ausnahme stellen Mutationen dar, bei denen die Disk-Struktur nicht touchiert wird, zum Beispiel das Erstellen und Formatieren einer neuen Partition in einem bisher freien Bereich.



Wie bei Partition Magic werden auch beim Paragon-Utility die meisten Änderungen in der Windows-Applikation bloss vorgemerkt; die eigentliche Rekonfiguration der Festplatte findet beim nächsten Systemstart statt. Je nach installiertem Betriebssystem können dabei mehrere Reboots nötig werden - Windows 2000 zum Beispiel erkennt neu erstellte Partitionen als "neue Hardware" und fordert nach der Umpartitionierung gleich nochmals zu einem Neustart auf.



Das Paket enthält neben den DOS- und Windows-Versionen des Partitioning-Tools zwei Zugaben: Der Bootmanger Personal Edition gestattet die Installation mehrerer Betriebssysteme auf derselben oder einer anderen Partition. Mit Linux Ext2FS Anywhere lassen sich Linux-Datenpartitionen unter Windows als logische Laufwerke mounten.



Für rund 300 Euro ist optional eine "Technikerlizenz" erhältlich, die zwar nicht die Installation auf mehreren Computern, aber den Einsatz des Produkts via Bootdisk auf beliebig vielen Workstations sowie die Automatisierung komplexer Partitionierungssequenzen per Scripting erlaubt.




Der Bodenständige: Partition Commander von V-Communications


Das Produkt des US-Herstellers V-Communications, bekannt auch für die CD-ROM-Emulation CDAnywhere, macht aus der Not eine Tugend: Anstatt die Partitionierungsoperationen in einer Windows-Oberfläche vorzumerken und beim Neustart durchzuführen, präsentiert das Programm gleich zu Beginn eine Dialogbox mit dem Hinweis, Windows werde nun temporär heruntergefahren. Dies geschieht denn auch sofort nach dem OK-Klick, und das Tool startet in einer exklusiven DOS-Session mit einer Windows nachempfundenen Oberfläche samt "Desktop", "Startmenü" zum Aufruf der Programmteile und grafisch attraktiv aufgemachten Dialogboxen.



Konsequenterweise lässt sich Partition Commander auch nur unter "DOS-fähigen" Betriebssystemen installieren: Wer das Produkt auf Systemen mit Windows NT, Windows 2000 oder Windows XP einsetzen möchte, startet es von der Bootdiskette; die Installation auf der Harddisk und die Ausführung aus Windows heraus ist hingegen nur unter Windows 9x und Me möglich.




Die konsequente DOS-Ausrichtung wirkt auf den ersten Blick antiquiert und klingt unbequem. Das Hilfesystem zum Beispiel ist im simplen Textmodus gehalten und sieht dadurch etwas handgestrickt aus. Näher betrachtet, schmälert sich die Qualität des Produkts dadurch aber keineswegs: Trotz DOS-Basis bietet Partition Commander eine bequeme, anschauliche Oberfläche mit Wizards und grafischer Darstellung der Disk-Belegung im Windows-Stil. Zwei Vorteile des Verfahrens: Erstens verunmöglicht die DOS-Session, dass nebenher noch andere Applikationen laufen und den Systemstatus verändern, während das Tool läuft; zweitens wird die Partitionierung nicht erst nach dem nächsten Systemstart durchgeführt, sondern während das Tool aktiv ist. Beim danach zwingend nötigen Reboot - Windows erkennt die Änderungen erst bei einem Neustart - liegen die neuen Partitionen dann bereits vor, ein zusätzlicher Reboot wegen "neu erkannter Hardware" entfällt.



Interessant ist der "Backstep Wizard", eine Art Undo-Funktion für bereits vorgenommene Partitionierungen. Solange die geänderten Partitionen nicht bereits mit Daten gefüllt sind, die eine Rückkehr zum vorherigen Zustand unmöglich machen, lassen sich die Änderungen mit diesem Assistenten jederzeit wieder rückgängig machen - auch nach dem Neustart.



Die optional erhältliche Pro-Version bietet, ähnlich wie die Technikerlizenz von Paragon, das Nutzungsrecht für beliebig viele Stationen sowie einen Scripting-Mechanismus und läuft im Gegensatz zur einfachen Variante auch unter Windows NT und 2000 Server.




Der Schöne: Partition Magic von Powerquest


Den grössten Glanz im Partitionierung-Dreigestirn strahlt zweifellos Partition Magic aus. Die Oberfläche vereint in einem Fenster eine Baumansicht aller installierten Disks und Partitionen, eine Detailansicht, die ebenfalls alle Disks auf einen Blick zeigt, sowie einen Bereich mit Schaltflächen zum Aufruf der wichtigsten Partitionsjobs, die man mit Hilfe von Assistenten erledigt. Aussergewöhnlich: Beim Löschen einer Partition nimmt Partition Magic auf Wunsch eine "sichere Entsorgung" vor, wobei nicht bloss die Partitionstabelle geändert, sondern alle vorhandenen Daten überschrieben werden. Damit vermeidet man, dass die vermeintlich gelöschten Daten durch Unbefugte rekonstruiert werden können. Der Partitionstyp wird durch Farbcodierung angezeigt, ein Verfahren, das auch bei den anderen Tools gang und gäbe ist.



Eine Besonderheit von Partition Magic ist der Drive Mapper: Nach der Umpartitionierung sind meist neue logische Laufwerke hinzugekommen oder bisherige weggefallen. Die Laufwerkbuchstaben der übrigen Drives können sich dadurch ändern, so dass die Pfadangaben bei zahlreichen Anwendungen nicht mehr stimmen. Die Datenträgerverwaltung der neueren Windows-Versionen bietet zwar die Möglichkeit, Laufwerkbuchstaben gezielt abzuändern; man verheddert sich dabei jedoch rasch im Dschungel des Drive-Alphabets und verschlimmbessert die Situation. Mit dem Drive Mapper, den Partition Magic beim Aufruf als separates Programm startet, lassen sich die Pfade auf den neuen Laufwerkbuchstaben hin korrigieren - man gibt zum Beispiel an, dass alle Bezüge zu Lauferk E:\ nun auf Lauferk L:\ verweisen sollen. Es dauert zwar eine Weile, bis das Programm die Änderungen erledigt hat, dafür werden alle Pfadangaben korrekt mutiert.




In der aktuellen Version 7 unterstützt Partition Magic als Spezialität auch externe Harddisks, die via USB angeschlossen sind. Ausserdem gestattet Version 7 die Zusammenführung von NTFS-Partitionen und konvertiert ohne Datenverlust zwischen verschiedenen Dateisystemen. Serverunterstützung gibt es bei Powerquest jedoch nur im separaten Enterprise-Tool Volume Manager; auch die Pro-Version von Partition Magic läuft nur auf Workstation-Betriebssystemen; der Unterschied zur gewöhnlichen Version liegt im zusätzlichen Scripting.



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