Mini-Beamer mit Potential

Als einer der ersten Hersteller bringt Samsung einen LED-Beamer auf den Markt. Die Technologie ist innovativ, braucht aber noch ein paar Jahre, bis sie erwachsen ist.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2006/05

     

Die LED-Technologie versucht, im Beamer-Markt Fuss zu fassen. Neben Mitsubishi und Toshiba bringt nun auch Samsung sein erstes Gerät dieser neuen Projektorengeneration auf den Markt. Der Pocket Imager P300 ist etwa so gross wie eine Handfläche und gehört somit in die Kategorie der ultraportablen Projektoren.
Der für Daten- und Videoprojektion konzipierte Beamer wird von Samsung für die Bereiche mobile Konferenzen und Home-Entertainment positioniert.


Innovative Technologie

Das Innovativste am Pocket Imager ist die Lichtquelle. Diese basiert auf der DLP-Technologie (Digital Light Processing) und nutzt anstelle einer Halogenlampe LEDs (Light Emitting Diodes). Die Projektion erfolgt über einen DMD-Chip (Digital Mirror Device), der mit einer Vielzahl mikroskopisch kleiner Spiegel ausgestattet ist. Jeder dieser Spiegel stellt dabei einen Bildpunkt dar, aus dem sich das Gesamtbild zusammensetzt. Der Vorteil dieser Technologie ist ein verhältnismässig hohes Kontrastverhältnis. Das bei klassischen DLP-Projektoren übliche Farbrad entfällt. Der LED-Projektor mischt sämtliche Farbtöne aus den drei Farben Rot, Grün und Blau. Dabei kann er aber einen grösseren Farbraum darstellen als herkömmliche Geräte, wodurch die Farben realistischer wirken.






Weitere Vorteile von LEDs sind geringe Abwärme und weniger Energieverbrauch. Dies erlaubt einerseits eine kompakte Bauform, da weniger Lüfter eingesetzt werden müssen, und andererseits reduziert dies natürlich auch die Geräuschemission. Ausserdem ist das Gerät beim Einschalten sofort betriebsbereit, da keine Wartezeit durch das Vorglühen der Lampe entsteht. Dasselbe gilt auch beim Ausschalten des Projektors. Aufgrund des geringeren Stromverbrauchs ist zudem der netzunabhängige Akkubetrieb möglich. Samsung verkauft optional einen Li-Ion-Akku, der rund 2,5 Stunden durchhält.
LEDs haben noch einen weiteren Vorteil: Auf die normalerweise teuren Ersatzleuchtmittel kann verzichtet werden. Die Lebensdauer der Leuchtdiode wird mit mehr als 10‘000 Stunden angegeben. Die vielversprechende Technik hat aber auch einen Nachteil: Die Helligkeit kann sich bei weitem nicht mit der von klassischen Projektoren messen. Während diese mit mindestens 1000 ANSI-Lumen aufwarten, kommt der Pocket Imager gerade mal auf 25 ANSI-Lumen. Für eine anständige Präsentation muss der Raum also stark abgedunkelt werden.


Kein Zoom

Das kompakte Gerät verfügt über einen Multifunktionsanschluss, über den entweder eine PC- oder eine Composite-Videoquelle angeschlossen werden kann. Im Lieferumfang wird ein Kabel mitgeliefert, das beide Anschlussmöglichkeiten bietet. Der Lüfter ist an der Hinterseite des Gehäuses angebracht. Samsung liefert eine spezielle Abdeckhaube mit, die es erlaubt, das Gerät für eine Deckenprojektion aufzustellen, ohne dabei den Lüfterbetrieb zu beeinflussen. Die Scharfstellung erfolgt über einen manuellen Fokusring am Objektiv. Ein Zoom fehlt leider. Also bestimmt die Entfernung zur Leinwand die Grösse des Bildes. Die Projektionsdistanz beträgt 0,4 bis 3 Meter bei einer maximalen Bilddiagonale von 180 Zentimetern. Ab hier wird es bereits schwierig mit der Fokussierung. Wer ein wirklich scharfes Bild will, sollte sich mit einer etwas geringeren Distanz begnügen.


Einfache Bedienung

Bedient wird der Pocket Imager über drei Tasten und ein Steuerkreuz auf der Gehäuseoberseite. Eine Fernbedienung gibt es nicht. Dies fällt aber nicht gross ins Gewicht, da die Einstellungsmöglichkeiten ohnehin beschränkt sind. So lässt sich etwa aus den Bildmodi Standard, Film, dynamisch und benutzerdefiniert auswählen. Das Standardbildformat beträgt 4:3, lässt sich aber auf 16:9 umstellen. Zudem kann man auch die Projektionsart verändern. So ist eine Präsentation auch seitenverkehrt oder von hinten möglich. Mit der vertikalen Trapezkorrektur lässt sich das Bild in beide Richtungen um jeweils 15 Prozent korrigieren. Die Menüführung gibt es leider nicht auf deutsch. Zur Zeit stehen die vier Sprachen Englisch, Spanisch, Französisch und Koreanisch zur Verfügung. Dies dürfte aber unproblematisch sein, da der Menüaufbau intuitiv und selbsterklärend ist und sich das Gerät somit kinderleicht bedienen lässt. Aus diesem Grund hat Samsung auch darauf verzichtet, dem Projektor eine Bedienungsanleitung beizulegen.


Akzeptable Qualität in dunklen Räumen

Die Bildqualität ist für ein Gerät dieser Grössenordnung recht akzeptabel. Die Auflösung beträgt 800x600 Bildpunkte (SVGA) und die Farben wirken brillant und farbecht. Dies allerdings nur dann, wenn der Präsentationsraum vollständig abgedunkelt werden kann und die Bilddiagonale nicht allzu gross sein soll. Die geringe Helligkeit verhindert darüber hinaus, dass der theoretisch mögliche hohe Kontrastwert (1000:1) voll zur Geltung kommt.






Unser Testgerät produzierte beim Videobetrieb über den Cinch-Anschluss ein leichtes Bildflimmern sowie eine sich von oben nach unten über das Bild bewegende helle Linie. Dies kann aber auch daran liegen, dass es sich bei dem uns zur Verfügung gestellten Gerät um ein Vorserienmodell handelte. Eine weitere Ursache könnte sein, dass die beiden Anschlussbuchsen in ein gemeinsames Kabel verlaufen und so störende Interferenzen auslösen. Nach Auskunft des Generalimporteurs werden die Serienmodelle mit zwei voneinander unabhängigen Kabeln ausgeliefert. Dieses Problem dürfte damit behoben werden.


Für Business top, für Video flop

Der Pocket Imager wird zusammen mit den Anschluss- und Netzkabeln in einer robusten Hartschalenbox ausgeliefert, die sich hervorragend für den Transport eignet. Somit ist das Gerät prädestiniert für mobile Präsentationen. Zudem stört die geringe Helligkeit in diesem Einsatzgebiet kaum, denn Konferenzräume können in der Regel abgedunkelt werden. Wer also viel unterwegs ist und einen kompakten Projektor sucht, der schnell betriebsbereit ist, ist mit dem Pocket Imager gut bedient. Für das Heimkinovergnügen hingegen sind 25 ANSI-Lumen schlicht zu wenig. Die LED-Technologie ist allerdings erst am Anfang, und in den nächsten Jahren wird sich in dieser Beziehung sicherlich noch
einiges tun.




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