Interview: "Daten sind der Lebenssaft"

Interview: "Daten sind der Lebenssaft"

Artikel erschienen in IT Magazine 2018/12
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Mit dem zunehmenden Bewusstsein von Sicherheitserwägungen und DSGVO, die jetzt greifen, wird sich auch die Datenlandschaft verändern.
Es gibt dazu keine einfache Antwort. Wir sind alle damit beschäftigt, Daten anzureichern und sie effektiver zu nutzen. Datenanreicherung impliziert ständig zunehmende Beziehungen zwischen Menschen, Orten und Dingen. Da gerät man schnell in den Bereich der Datensicherheit. Die DSGVO stellt einige hilfreiche Anforderungen. Aber der Teufel liegt immer im Detail.

In welche Richtung entwickelt sich das Geschäfts- und Technologieumfeld von kleinen bis ganz grossen Unternehmen?
Organisatorische Grenzen werden durchlässiger und es gibt immer mehr Zusammenarbeit zwischen den Organisationen. Wir haben auch den Aufstieg der "Gig Economy" (auftragsabhängige, kurzfristige Beschäftigungsfelder) gesehen – Freiberufler oder Auftragnehmer sind häufiger geworden. In manchen Fällen besteht die gesamte Organisation aus Auftragnehmern.
Ganz allgemein beobachten wir ein zunehmend fliessendes Umfeld. IDC beschreibt die Online-Arbeitsumgebung als den Innovationsgraphen. Unternehmen müssen überlegen, wie sie sich in neuen Rollen in diesem Graphen positionieren können.

Digitale Transformation ist ein bedeutendes Paradigma, das die Debatten in der Geschäftswelt seit Jahren dominiert. Was kommt nach digitaler Transformation?
Dynamische, kontinuierlich wachsende Organisationen mit fliessenden Geschäftsmodellen und flexiblen Arbeitskräften, die sich den ständig verändernden Aufgaben und Herausforderungen anpassen.
Interview: 'Daten sind der Lebenssaft'
Alan Morrison ist Senior Research Fellow bei PwC. Er unterstützt Geschäftsleiter dabei, die Zukunft der Technologien auszuloten und Technologien möglichst effektiv in ihren Transformations­initiativen zu nutzen. Einige seiner jüngsten PwC-Forschungen beschäftigen sich mit künstlicher Intelligenz, Seh­assistenten, Blockchain und geschickter Vertragsautomatisierung, Drohnen, dem Internet der Dinge sowie NoSQL-Datenbanken. (Quelle: PwC)
Sie befassen sich mit semantischen Technologien. Warum sollten Firmen diesem Technologiefeld Beachtung schenken?
Viele Menschen stolpern über den Begriff semantisch. Ich tendiere dazu, Metaphern und Visualisierungen zu verwenden, um das Verständnis zu fördern. Wenn ich in der Lage bin, mir ein Konzept visuell anzueignen, kann ich es mit anderen teilen. Die Visualisierung macht es leichter transferierbar.
Graphen und wie sie die Beziehungen zwischen Menschen, Orten und Dingen abbilden können, ermöglichen das Artikulieren und Skalieren all unseres Wissens über die Welt in einer maschinenlesbaren Form. Denken Sie nur daran, wie machtvoll diese Graphen sein können. Diese artikulierten Beziehungen, die Brücke zwischen menschlichem und Maschinenwissen, kann man als semantische Graphen bezeichnen.
Um zu Agilität in Skalierungs- und Geschäftsmodellen zu gelangen, müssen Unternehmen eine Grundlage semantischer Graphen für KI legen. Ich bin ein grosser Fan von semantischen Graphen als übergeordnete Datenstruktur, die alle untergeordneten Strukturen verwalten kann, weil sie eine volle Kontextdarstellung verschiedener Datentypen und maschinenlesbarer Artikulation der vielfältigen Beziehungen ermöglicht, die in jeder Organisation bestehen. Beziehung ist, was es uns ermöglicht, zu disambiguieren und den Kontext zu beschreiben. Was ist machtvoller als ein Graph, um Kundenbeziehungen und alle Segmente und Subsegmente der Märkte, die diese Kunden bedienen, zu artikulieren und zu beschreiben?
Systeme für maschinelles Lernen müssen die Macht der semantischen Graphen einsetzen. Wir haben das immer und immer wieder gesehen. Maschinen können in n Dimensionen denken und die verschiedenen Kontexte herausarbeiten, die in multi-dimensionalen Graphen beschrieben werden und brauchen diese Ebene der Artikulation, um für jeden Kontext sinnvolle Ausgaben generieren zu können. Wie können Firmen jedem Teil der Organisation dienlich sein, wenn die Daten nicht in einem Kontext stehen? Um mit Daten bestimmter Grös­senordnungen arbeiten zu können, benötigen Organisationen Datenintegration und Interoperabilität, die abteilungsübergreifend vorteilhaft ist. Das lässt sich am besten mit semantischen Graphen verwirklichen.

* Susanne Ardisson ist Kommunikations-Beraterin der KI-Konferenz Semantics, in deren Rahmen Alan Morrison 2018 als Keynote-Speaker zu Gast war.
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