Das unsichtbare ERP

Das unsichtbare ERP

Das unsichtbare ERP

(Quelle: Swiss Made Software)
Artikel erschienen in IT Magazine 2018/05
Seite 1
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12. Mai 2018 -  Seit 30 Jahren sind die ERPs die Hoheitsträger der Geschäftsprozesse. Für jeden sichtbar stehen sie im Zentrum der Macht. Doch die digitale Transformation hat einen revolutionären Prozess ausgelöst. Um mächtig zu bleiben, müssen die ERPs verschwinden.
Um Neukunden für ERP-Systeme zu gewinnen, reicht es nicht mehr, den IT-Verantwortlichen zu gewinnen. Heute sitzen beim Einkauf alle Abteilungen mit am Tisch – Marketing, Verkauf, Einkauf, Controlling und die IT. Jede dieser Parteien hat ihre bestimmten Bedürfnisse und muss von Anfang an individuell abgeholt werden. Das geht am besten, wenn die eigene Software ihren mono­lithischen Charakter verloren hat und dem Nutzer, je nach Funktion, ein eigenes Gesicht zeigt. "Schon seit Jahren redet man von den wachsenden Anwenderansprüchen. Real sind diese aber erst seit Kurzem. Die guten Smartphone-Apps haben die breite Masse sensibilisiert. Mit einer alten Bedienoberfläche müssen Sie da gar nicht mehr auftauchen", so Simon Lüdi, CEO des Solothurner ERP-Anbieters Dynasoft.

Auslagerung ins Internet und Mobile

Für ihn ist diese Entwicklung wegweisend für die Zukunft der ERPs, die im besten Fall unsichtbar werden. "Exemplarisch sind für mich hier zwei der zentralen Entwicklungen der letzten Jahre – die Auslagerung von Teilen der Applikationen ins Internet sowie der Trend zum Mobile", meint Lüdi weiter. Der Nutzer sitzt also immer weniger vor derselben Benutzeroberfläche. Je nach Funktion präsentiert sich ihm eine eigene zielgruppenoptimierte Applikation – sei es für einen Webshop, ein Kundeninformations­system (KIS), einen mobilen Ablieferungsrapport oder eine kundenindividuelle E-Procurement-Lösung. Die Tatsache, dass Mobile schon länger ein Thema ist, lässt Lüdi hier nicht gelten. "Die ersten Mobile-Anwendungen waren in der Regel nicht transient. Das waren Stand-Alone-Lösungen, die eng mit dem ERP zusammen arbeiteten". Diese verfügten also über eine eigene Business-Logik und hielten auch Teile der Daten lokal.

Das gilt aber nicht nur für Mobile, sondern auch für Anwendungen wie KIS oder Webshop. Auch dort waren Aspekte wie Preisfindung, Portokostenfindung oder eine Datenbank Teile der App. Für Lüdi ist das Vergangenheit. Heute baut man Leichtgewichte, Präsentationsschichten, die sich Daten und Funktionalität beim ERP holen. "Im Webshop werden heute genauso Daten in Echtzeit angezeigt wie die erforderlichen Multimediainformationen – dies ganz ohne die Daten mit hohem Aufwand zwischen ERP und Shop replizieren zu müssen", so Lüdi.

Die Abschaffung der monolithischen Aspekte althergebrachter ERPs stellt somit den Versuch dar, einen Mittelweg zu finden zwischen dem integrierten Ansatz, der alle Daten, Prozesse usw. in einem Topf vorsieht, und dem verteilten Best-of-Breed-Konzept. "Man könnte sagen, nach aussen wie ein Best-of-Breed wirken, aber im Inneren alles beisammen haben. Wir sind überzeugt, dass die zentrale Datenhaltung in Bezug auf Qualität und Performance ihre Daseinsberechtigung hat. Man muss sie aber anders in Szene setzen", so Lüdi. Die Daten- und Prozesshoheit liegt deswegen beim ERP.
 
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