Privatsphäre und Sicherheit im Netz

Eblocker und Security Pi

Privatsphäre und Sicherheit im Netz

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/10
Seite 3

Security Pi: Die Schleuse ins Internet

Einen ähnlichen Ansatz wie der Eblocker verfolgt auch der Security Pi, eine Lösung des gleichnamigen Schweizer Start-ups mit Sitz in Pratteln. Dabei handelt es sich um einen handelsüblichen Kleinstrechner des Typs Raspberry Pi 3, der mit dem Linux-Derivat Lubuntu ausgestattet ist. Wie der Eblocker wird der Security Pi in das zu schützende Netzwerk eingebunden und verspricht, Viren, Trojaner und ähnliche Bedrohungen von den eigenen Rechnern und Daten fernzuhalten. Der Security Pi wird dabei als Sandbox beziehungsweise als Schleuse ins Internet genutzt, ohne die eigenen Rechner den Gefahren auszusetzen, die auf kompromittierten Webseiten lauern und über E-Mail-Anhänge verbreitet werden. Konkret sieht die Lösung vor, den Security Pi ans eigene Netzwerk anzuschliessen und danach per Remote Desktop vom eigenen Windows-PC aus darauf zuzugreifen. Steht die Verbindung, kann der Nutzer vom Security Pi aus über einen der darauf installierten Browser im Internet surfen und mit dem vorinstallierten E-Mail Client elektronische Post empfangen und versenden. Der Gedanke dahinter ist, dass allfällige Viren und Trojaner im schlimmsten Fall nur den Security Pi befallen und nicht auf den eigenen Rechner gelangen, sofern man keine Dateien dahin transferiert. Da es weniger Schadsoftware gibt, die für Linux-Systeme und den ARM-Prozessor des Raspberry Pi konzipiert wurde, ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, relativ gering.

Ein guter Ansatz mit Tücken

Die Idee ist einleuchtend und funktioniert im Grundsatz auch, hat aber dennoch einige Hürden. Zum einen ist der Security Pi keine schlüsselfertige Lösung. Um sich mit dem Gerät zu verbinden, muss man zuerst dessen IP im eigenen Netzwerk eruieren und danach eine Remote-Desktop-Verbindung mit einem externen Programm herstellen. Zwar wird der Vorgang in der Anleitung erklärt, für ungeübte Nutzer dürfte dies jedoch bereits eine erste Hürde sein. Auf dem Security Pi ist ausserdem ein komplettes Linux-Betriebssystem installiert, samt Office-Programmen und weiterer Software sowie Zugang zu allen Systemeinstellungen. Es ist lediglich das Logo von Security Pi als Desktop-Hintergrund eingeblendet, wo sich auch Shortcuts zum E-Mail Client Thunderbird und den Browser Firexfox sowie der Gebrauchsanleitung befinden, was eine einfache Handhabung suggeriert, während man in Wirklichkeit das System selber administrieren muss. In unserem Test mussten wir selbst damit kämpfen, weil Firefox bei jedem Start abstürzte. Ein weiteres Problem: Der Security Pi schützt den eigenen Rechner zwar vor Viren, weil diese auf dem vorgelagerten Gerät ins Leere laufen, jedoch kann ein Keylogger, der sich im Linux-System einnistet, auch die Eingaben auslesen, die man vom eigenen Rechner aus über die Remote-Verbindung macht und so Passwörter und dergleichen abfangen.

Letztlich scheitert das Konzept am Fehlen echter Anwendungsszenarien. Für E-Banking und das Ausführen einfacher Internet-Abfragen sowie das Lesen von E-Mails reicht die Ausstattung des Security Pi vollkommen aus. Will man den Internetzugang aber umfassender nutzen und beispielsweise Youtube-Videos oder gar Netflix schauen, kommt das System aufgrund der schwachen Hardware schnell an seine Grenzen. (luc)
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