Start-up Myfeld: Gärtnern geht auch via Internet

Start-up Myfeld: Gärtnern geht auch via Internet

(Quelle: Myfeld)
10. Juli 2021 - Myfeld verbindet die digitale mit der analogen Welt und vermietet Teile von Feldern, die man bepflanzen lassen kann. Kunden können ihrem Gemüse so bequem vom Sofa aus beim Wachsen zusehen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/07
Das eigene Gemüse schmeckt am besten, findet Myfeld, ein Aargauer Start-up aus Meisterschwanden. Deshalb vermietet das Jungunternehmen seit Frühling 2021 Teile von Feldern, die man bepflanzen lassen kann. Nutzer können dabei zwischen 30 verschiedenen Gemüse-, Kräuter- und Früchtesorten auswählen und sie auf 16 Quadratmetern via Online-Tool bepflanzen lassen. Die Auswahl wird dann auf dem realen Feld gesät und später geerntet. Das Zielpublikum seien Personen ohne Garten, so CEO und Gründer Raphaell Schär im Interview.

«Myfeld.ch ist der erste Schweizer Online-Garten», erklärt Schär. «Auf der Webseite kann man sich quasi einen Garten kaufen.» Nach dem Kauf gelangt man auf einen Online-Konfigurator. In diesem kann man sich dann seinen Online-Garten bestücken. Nachdem das Feld spielerisch über den Konfigurator bestückt wurde, wird es in Zusammenarbeit mit Bauern umgesetzt und sobald das Gemüse, die Früchte oder die Kräuter reif sind, erhält der Kunde seine Produkte alle zwei Wochen per Post nach Hause gesendet. «In der Zwischenzeit kann er seinem Gemüse per Webcam beim Wachsen zuschauen», so Schär weiter.

Entstehung und Konzeption

Die Idee ist angelehnt an ein ähnliches Konzept in Österreich (Myacker.com). «Auch in der Namensfindung haben uns unsere Nachbarn inspiriert», so der CEO. Von der Idee bis zum fertigen Produkt hat es aber etwas gedauert: «Die Idee habe ich im TV gesehen – eine Reportage über Myacker in Österreich.» Da­raufhin wollte Schär sich seinen eigenen Garten mieten, konnte aber in der Schweiz nichts finden.

«Somit habe ich mich an das Konzept gesetzt. Ich schrieb einen Business Plan und überlegte mir, was ich alles dazu brauche», erklärt der heutige CEO. «Glücklicherweise ist es nicht das erste Start-up, das ich gründe, und ich wusste somit, auf was ich achten muss. Ich habe dann zuerst einen guten Freund kontaktiert.» Der Freund, ein gebürtiger Holländer, kennt sich ein wenig auf dem Feld aus. Gemeinsamen skizzierten die beiden daraufhin die Prozesse detaillierter. «Nun fehlte noch jemand für die administrativen Prozesse», so Schär weiter. «Somit habe ich meine Geschäftspartnerin Sarah mit ins Feld geholt. Mit Sarah zusammen habe ich bereits das Start-up Just a Box gegründet, welches sie seit anderthalb Jahren führt.» Zuletzt fehlte dann noch die technische Umsetzung. Mit der Agentur Olai Interactive arbeitet Schär bereits seit einigen Jahren in Projekten zusammen – so wurde das Team komplett.

«Danach starteten wir mit der Entwicklung aller Prozesse und Technologien. Das war Ende Frühling 2020. Ich machte mich ausserdem auf die Suche nach potenziellen Partnern respektive Bauern», erklärt Raphaell Schär. «Ich führte bestimmt an die 50 Gespräche, bis ich unsere heimische Landwirtschaft einigermassen verstanden haben. Mir wurde schnell klar, dass unsere Bauern leider nicht sehr flexibel sind mit neuen Ideen in der Landwirtschaft. Nicht weil sie es nicht möchten, sondern eher, weil sie von Amtes wegen eingeschränkt sind.»

Das komplizierte Konstrukt mit Direktzahlungen, unter welche das Start-up mit seiner Idee nicht fällt, hinderte einige Bauern an der Zusammenarbeit, wie Schär erklärt. «Obwohl sie es wollen würden, könnten sie auf der Fläche, die sie uns anbieten, nicht auf die Direktzahlungen verzichten. Da stiess ich schon einmal zu Beginn auf grosse Fragezeichen.» Aktuell arbeitet das Start-up mit drei Bauern zusammen. «Unser Hauptbauer ist Marcel Villiger in Fenkrieden im Kanton Aargau. Dies ist auch unser Hauptstandort.»

Das führte auch, so Schär, zu einer gewissen Enttäuschung, dass kantonale Ämter das Unternehmen ablehnten, obwohl man die heimische Landwirtschaft unterstützen möchte. «Myfeld entspricht halt nicht der Norm, wie auch unsere Rüebli nicht», bringt es Schär auf den Punkt. «Unser Konzept wurde als Hobby-­Gärtnerei abgestempelt.» Doch Schär fand doch noch Bauern, die dem Start-up Flächen zur Verfügung stellen konnten. «Wir gehen nun so weit, dass wir die Kompensation der Direktzahlungen übernehmen und den Bauern dafür entschädigen. Zudem bezahlen wir mehr als ein Grossist für einen Anbauauftrag.»

Am 1. November 2020 ging das Unternehmen schliesslich mit der Webseite ­www.myfeld.ch live. «Wir haben ein bisschen Werbung auf Google und den Sozialen Medien geschaltet und eigenhändig über 10‛000 Flyer in grösseren Städten verteilt. Schnell durften wir feststellen, dass unser Angebot auf eine gute Nachfrage stösst. Dies war für uns dann auch der Proof of Concept», erinnert sich Schär an den Beginn seines Unternehmens.
 
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