CIO-Interview: "On hat von Anfang an auf die Cloud gesetzt"

CIO-Interview: "On hat von Anfang an auf die Cloud gesetzt"

(Quelle: On)
7. Dezember 2019 - Das Schweizer Unternehmen On produziert Sportartikel. Die IT spielt dabei eine zentrale Rolle. Sämtliche Prozesse in der Firma sind digitalisiert, vom Design über die Produktherstellung bis hin zur Logistik.
Artikel erschienen in IT Magazine 2019/12
"Swiss IT Magazine": Herr ter Schüren, Sie sind bei On CTO und damit für die gesamte IT zuständig. Wie kam es dazu?
Wim ter Schüren: Die Marke On ist in der Schweiz schon sehr populär, aber in Deutschland oder auch in anderen Ländern ist sie – speziell im IT-Bereich – noch nicht so bekannt. Nachdem ich die Produkte kennengelernt hatte, habe ich das grosse Potenzial gesehen und fand die Marke sehr spannend, verbunden mit den Anforderungen einer weltweiten Internationalisierungsstrategie. Obwohl ich keine neue Herausforderung suchte, habe ich im August 2018 von Rocket Internet zu On als CTO gewechselt. On ist für mich die erste Firma, die ein physisches Produkt herstellt und keine Technologiefirma per se, in der Software das Produkt ist. Dennoch ist die IT eminent wichtig.

Sie leiten die IT einer Schweizer Firma, sitzen aber in Berlin. Wie ist die IT von On organisiert?
Organisatorisch betrachtet haben wir unseren zentralen IT-Standort in Berlin aufgebaut. Dort bündeln wir unsere Technologiekompetenz, entwickeln IT-Strategien und setzen sie um. Vor rund einem Jahr hat On in Berlin hierfür einen Technology Hub gegründet, speziell für IT und Software-Entwicklung, um von dem Berliner Angebot an Entwicklern und Technologieträgern profitieren zu können. Wir haben festgestellt, dass es in Zürich schwieriger ist, die richtigen Leute zu finden, auch weil der Markt kleiner ist. Historisch gesehen ist der Webshop für die Endkunden in Zürich entstanden und wird auch weiterhin dort betreut, allerdings ist das Team von Berlin aus verstärkt. Auch das Business-Intelligence-Team und der interne Service Desk befinden sich in der Schweiz, wo wir insgesamt rund 30 Leute beschäftigen. In Berlin haben wir einen klaren Fokus auf Back-end Services und beschäftigen mittlerweile rund 25 IT-Mitarbeiter, werden deren Zahl im nächsten Jahr aber auf etwa 35 erhöhen. In Berlin wachsen wir IT-seitig deutlich stärker als in Zürich und bauen praktisch alles Neue auf, was mit IT und Technologie zu tun hat. Wir gründen in Deutschland deshalb neue Teams, die die vorhandenen Systeme integrieren und neue Software entwickeln. Auch in Zürich sind Entwickler stationiert, aber am Standort Berlin rekrutieren wir heute aktiver.
Welche Art von Systemen hat On im Einsatz?
Wir betreiben eine recht komplexe Plattform, denn wir wickeln darüber sowohl B2B- als auch B2C-Geschäftsprozesse ab. Unseren B2C-Webshop haben wir zurzeit in 49 Ländern und acht Sprachen ausgerollt und verkaufen Artikel direkt an die Endkunden. Nach und nach kommen aber immer neue Länder und Märkte hinzu. So sind wir in China sehr aktiv und in anderen Ländern, wo wir unsere Produkte bisher über Partner und Distributoren verkauft haben. Nun sind wir gerade dabei, unseren Webshop auch in China zu eröffnen, angepasst an die dortigen Rahmenbedingungen. Der Webshop basiert auf einer Open Source Software, die wir für unsere Bedürfnisse angepasst haben und ständig weiterentwickeln. Die zweite Säule ist unsere B2B-Plattform. Diese ist sehr wichtig, denn On ist vor allem dank seiner Retail-Partner so stark gewachsen. Auf dem B2B-Portal können sich die Händler einloggen und dort den Katalog einsehen, Produktinformationen abrufen oder Bestellungen platzieren sowie ihre Rechnungen verwalten und schliesslich auch bezahlen. Auch die B2B-Plattform ist eine Eigenentwicklung, die auf Salesforce aufbaut, wobei On ohnehin stark mit Salesforce integriert ist. Wir nutzen Salesforce als Plattform für den Endkunden-Service, als CRM-Lösung sowie für die gesamte Warenwirtschaft.

Sie entwickeln aber auch eigene Lösungen?
Ja. Strategisch sind wir mittlerweile von der reinen Salesforce-Entwicklung abgerückt. Wir entwickeln die gesamte Back-­end-­Infrastruktur mit einem Service-­orientierten Ansatz weiter, indem wir eigene Services aufbauen, die für unser Geschäft spezifisch sind. So haben wir beispielsweise ein Tool entwickelt, in dem wir das gesamte Pricing im Back-end verarbeiten, alle Währungen verwalten und die Preise aller Produkte an einer zentralen Stelle gesammelt haben. Wir haben dieses deshalb selber gebaut, weil es kein Produkt gibt, das diese Funktionalitäten genauso abbildet, wie wir sie benötigen. Unsere Strategie sieht vor, dass wir grundsätzlich versuchen, Produkte zu nutzen, die es bereits am Markt gibt. Nur wenn wir nichts finden oder die Produkte so stark anpassen müssen, dass der Aufwand nicht im Verhältnis zum Nutzen steht, entwickeln wir massgeschneiderte Lösungen von Grund auf selbst.
 
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