CIO-Interview: "Wir wollten das Konzert dirigieren"

CIO-Interview: 'Wir wollten das Konzert dirigieren'

CIO-Interview: "Wir wollten das Konzert dirigieren"

(Quelle: Valora)
Artikel erschienen in IT Magazine 2019/06
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8. Juni 2019 -  Valora hat jüngst mit neuen Retail-Konzepten wie der Avec Box für Aufsehen gesorgt. CIO Roberto Fedele erklärt, warum das Konzept innovativ ist und wie Innovation bei Valora grundsätzlich vorangetrieben wird.
"Swiss IT Magazine": Wird es den Job des Kioskverkäufers, der Kioskverkäuferin in fünf Jahren noch geben?
Roberto Fedele: Ja, aber über das Jobprofil wird man sicherlich nachdenken müssen. Erste Veränderungen sind bereits heute sichtbar, die Abwicklung der Transaktion bei der Kundeninteraktion wird weniger im Vordergrund stehen, dafür wird die beratende Komponente wichtiger und könnte mit dem Ausbau unseres Service-Geschäfts weiter an Bedeutung gewinnen. Es ist zudem gut möglich, dass es neue Arbeiten geben wird, die heute noch gar nicht absehbar sind, weil über weitere Kanäle verkauft wird und sich Prozesse ändern. Sicher ist aber, dass sich auch in Zukunft jemand um die Verkaufsfläche, die Regale und um die Logistik kümmern muss.

Ich kann mir allerdings vorstellen, dass Ihr Verkaufspersonal die Digitalisierungsprojekte von Valora mit Argwohn beobachtet.
Sicherlich gibt es Stimmen, die der laufenden Entwicklung kritisch gegenüberstehen und bei denen die Digitalisierung des Verkaufsprozesses Unsicherheit auslöst. Wir hören diese Stimmen und versuchen stets aufzuzeigen, weshalb wir diesen digitalen Weg im Sinne der Kunden gehen müssen und dass die Veränderungen nicht im Verzicht von Personal resultieren, sondern vor allem wie eingangs erwähnt in sich verändernden Job­profilen.
Wie stark treiben Sie als IT-Leiter die laufenden Digitalisierungsprojekte wie die kassenlosen Avec Box oder den Future Store Avec X?
Es steckt sicherlich viel Passion, viel Herzblut und viel Arbeit in diesen Projekten, die doch recht deutlich aufzeigen, was wir in der IT mit unserer Techno­logiekompetenz zum Unternehmen beitragen – nicht zuletzt deshalb, weil ein relativ grosser Anteil an diesen neuen Retail-Formaten selbst entwickelt wurde. Ich persönlich bin allerdings nur ein Puzzlestein von vielen. Hinter der Umsetzung steht ein ganzes Team von Spezialisten. Wir identifizieren uns voll mit diesen Projekten.

Amazon hat mit seinen Go-Läden Anfang 2018 erstmals ein vergleichbares Konzept gezeigt. Inwieweit war Amazon Vorbild für Valora, und wie innovativ im internationalen Vergleich sind die Avec Box und Avec X?
Mit der Avec Box wollen wir in erster Linie ein besonderes Kundenerlebnis kreieren und etablieren. Das Konzept ist für die Schweiz insofern neu, als dass wir eine ganzheitliche Digitalisierung umgesetzt haben, die sich in durchgängigen Prozessen und im Kundenerlebnis entlang der Customer Journey äussert. Das beginnt beim Zugang zum Store, beim Umgang mit der App im Store, in welchem nicht durchgehend Personal anwesend ist, oder bei der Verkaufstransaktion in einem Laden ohne Kassen. Aus technologischer Sicht haben wir die Welt nicht neu erfunden. Für sich allein betrachtet findet man die eingesetzten Technologien schon verschiedentlich. Self Scanning ist nicht neu, genauso wenig wie Apps und digitales Payment neu sind. Die Kombination von bewährten Technologien aber macht den Unterschied und schafft ein auf Flexibilität und Autonomie ausgelegtes Kundenerlebnis. Das angesprochene Amazon-Go-Konzept arbeitet mit ausgereifter Kamera- und Sensortechnologie sowie viel künstlicher Intelligenz. Dies nutzen wir bislang noch nicht, das wird dann der nächste Schritt in der Evolution sein.
 
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