CIO-Interview: "Knappe Mittel zwingen uns, schlank zu bleiben"

CIO-Interview: 'Knappe Mittel zwingen uns, schlank zu bleiben'

CIO-Interview: "Knappe Mittel zwingen uns, schlank zu bleiben"

(Quelle: SITM)
Artikel erschienen in IT Magazine 2019/04
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30. März 2019 -  Thomas Sutter stellt als CIO der Universität Zürich IT-Infrastruktur für über 26’000 Studenten und rund 9000 Forschende und Mitarbeiter bereit – und das mit knappsten Mitteln. Trotzdem oder gerade deshalb empfindet er den Job als enorm reizvoll.
"Swiss IT Magazine": Sie sind heute CIO an der Universität, an der Sie selbst studiert haben. Hätten Sie sich diese Position als Student je erträumen lassen, oder wussten Sie gar schon damals, dass Sie diesen Job eines Tages haben möchten?
Thomas Sutter: (lacht...) Weder noch. Ich hatte als Student keine Überlegungen zu meiner Laufbahn angestellt. In dem Moment aber, als ich vom CIO-Job an der Universität Zürich erfahren habe, wusste ich, dass ich diese Stelle will. Sie war und ist genau die Herausforderung in dem Umfeld, die ich gesucht habe.

Wo liegt in Ihren Augen die grundsätzliche Hauptfunktion einer Uni-IT?
Es gibt mehrere Funktionen. Grundsätzlich sind wir ein Dienstleister, machen die Informatik also nicht für uns selbst. Wir bedienen und unterscheiden aber unterschiedliche Nutzerkreise. Ein erster solcher Kreis sind die Studierenden mit ihren Erwartungen an die IT, die sehr hoch sind. Dies zu Recht, wie ich finde, denn sie müssen ihr Studium möglichst gut unterstützt von der IT absolvieren können. Ein zweiter, wichtiger Nutzerkreis, der aber komplett anders funktioniert als derjenige der Studierenden, sind die Forschenden – eine sehr heterogene Gruppe. Wir zählen an der Uni Zürich 150 Institute – von Sozialwissenschaften über Naturwissenschaften und Medizin bis hin zu Informatik. Entsprechend unterschiedlich sind die Anforderungen. Neben diesen beiden Nutzerkreisen gibt es die klassische Informatik, die gängige Aufgaben wie die Unterstützung von Administration, Buchhaltung oder HR übernimmt und sich um die grundlegende Infrastruktur, die Datenzentren oder das Netzwerk kümmert – traditionelle IT-Aufgaben also.
Sind die unterschiedlichen Nutzerkreise, die Sie angesprochen haben, gleichzeitig auch die grosse Herausforderung für die Uni-IT?
Die Herausforderung ergibt sich aus den sehr hohen Ansprüchen der Studierenden und der Forschenden. Die Studierenden sind Digital Natives, die den Anspruch haben, dass alles nahtlos zusammenspielt, überall und jederzeit verfügbar und dabei nutzerfreundlich und integriert ist. Wie bereits gesagt, bin ich der Meinung, diese Ansprüche sind gerechtfertigt, dass darf man von einer Universität erwarten. Die Forschenden wiederum stellen sehr hohe Ansprüche an die Infrastruktur – insbesondere was Datenverarbeitung angeht, deren Bedeutung und Menge in allen Bereichen steigt. Doch auch hier: Es ist richtig, hohe Ansprüche an uns als IT-Dienstleister und an die Infrastruktur zu haben, denn immerhin gehört die Uni Zürich zu den Top-Universitäten weltweit. Eine weitere Herausforderung im Zusammenhang mit den verschiedenen Anspruchsgruppen ist noch, dass eine Uni mit den verschiedenen Fakultäten stark dezentral funktioniert und dass in den Instituten ein hoher Freiheitsdrang herrscht – etwas, das auch im Gesetz verankert ist. Dies hat aber zur Folge, dass es nur relativ wenige durchgehende, einheitliche Prozesse gibt.

Zwischen den einzelnen Unis herrscht eine gewisse Rivalität, und Sie haben es selbst gesagt, die Uni Zürich will zu den Top-Unis gehören. Inwieweit kann sich die Uni über die IT profilieren?
Sich als IT profilieren zu wollen, wäre der falsche Weg. Wir müssen versuchen, die Studierenden und die Forschung bestmöglich zu unterstützen, aber das Ziel darf nicht sein, als IT im Vordergrund zu stehen. Was stimmt ist, dass Informatik und vor allem auch das Datenmanagement zunehmend wesentliche Faktoren bezüglich der Qualität einer Uni sind. Das lässt sich in Benchmarks, in denen die IT-Ausgaben ins Verhältnis mit dem weltweiten Universitäts-Ranking gestellt werden, nachweisen. Wer mehr Mittel für Informatik aufwendet, liegt tendenziell weiter vorne.
 
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