"Sehr swiss!"

Jury-Mitglieder wählen Finalisten. (Quelle: Marcel Gamma)

"Sehr swiss!"

(Quelle: Marcel Gamma)
10. Juli 2016 - Von Marcel Gamma

Wie die unabhängige Jury einen Finalisten für den Swiss ICT Award wählt: ein Blick hinter die Kulissen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2016/07
Wer Papierberge erwartet, wenn die Jury tagt, um Kandidaten für den Swiss ICT Award und den Newcomer Award zu küren, der sah sich getäuscht. Ein paar Spreadsheets liegen auf dem Tisch, ein paar Handnotizen und viel viel Mineralwasser. Es gibt Schokolade zur Stärkung.

Das Papier ist nicht zwingend, denn ein wichtiger Teil der Jurierung fand im Vorfeld statt; die Mitglieder haben – aufgeteilt in Gruppen – die Dossiers für sich studiert und eine schriftliche Benotung abgegeben. Es liegt also bereits ein Ranking als unverbindliche Orientierungshilfe vor und man muss "nur" gute Kandidaten aus Dutzenden Bewerberdossiers diskutieren, um die Finalisten zu küren.

Wie die Qualität der Dossiers 2016 generell einzuschätzen sei, fragt der Jury-Co-Präsident Reto Schmid. "Gestiegen" meint sein Kollege, "extrem gut" ein anderer und alle konstatieren, es gebe 2016 nur ein, zwei "Ausreisser nach unten". Man müsse die "more of the same"-Projekte streichen und solche mit Wow-Effekt favorisieren. "Wenn einer eine neue Website macht, ist sie keinen Innovationspreis wert, aber sie könnte es sein, wenn sie eine wirklich innovative Funktion aufweist".
Die Diskussion der Dossierdetails und die Nomination von maximal fünf Newcomern beginnt.

"Auf den ersten Blick genial"

Der erste Bewerber hat im Vorfeld nur Top-Wertungen erhalten. Einer der im Bereich sachkundigen Juryvertreter erklärt dessen Businessprinzip: "Es klingt auf den ersten Blick genial, aber viele Fragen bleiben offen. Wenn sich unsere Vermutungen bestätigen, dann ist dies sicher ein Finalist, aber er könnte im Kreuzverhör abstürzen".

Andere Jurymitglieder stellen Fragen, diskutieren das Gründungsjahr in Relation zum genannten Umsatz, das Budget für die Weiterentwicklung und die Anzahl Mitarbeitende in der Schweiz, "Vernünftig", meint einer. Ein "Jury-Botschafter" streicht heraus, was im internationalen Kontext speziell sei. "Das Businessmodell ist interessant, technologisch gesehen aber nichts zum Jubilieren." Es gibt Widerspruch: "Es ist technologisch aber auch nicht zu unterschätzen." Er erklärt und man kommt zum Fazit, das Dossier gehöre in die engere Wahl, aber sei nicht per se ein Finalist.

Der nächste Kandidat. "Vom Ansatz her genial, weil das Problem auf uns zukommt, aber ich weiss nicht, ob die nicht zu früh sind". "Zu früh", findet ein anderer, "und fünf Jahre zu früh ist ebenso falsch wie fünf Jahre zu spät".
 
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