«Der Standort des Servers ist zentral»

«Der Standort des Servers ist zentral»

6. Juli 2014 - Im Zusammenhang mit RZ in der Schweiz taucht die hohe Datensicherheit immer wieder als Vorteil auf. «Swiss IT Magazine» hat nachgefragt, was es damit auf sich hat.
Artikel erschienen in IT Magazine 2014/07
Der Dübendorfer Telekommunikations- anbieter Netstream hostet im eigenen Rechenzentrum auf Schweizer Boden Dienste für mehr als 25’000 Kunden. Entsprechend intensiv beschäftigt sich Gründer und CEO Alexis Caceda mit den Themen Hosted Services, Cloud und Datensicherheit sowie den Konsequenzen für Unternehmen und Privatpersonen. (Quelle: Netstream)
Swiss IT Magazine: Herr Caceda, wie sicher sind Daten in Schweizer Rechenzentren im internationalen Vergleich tatsächlich? Man hört immer wieder das Argument, dass der Standort eigentlich gar nicht so wichtig ist.
Alexis Caceda:
Meiner Meinung nach verfügt die Schweiz über einige Standortvorteile. Die Infrastruktur und die Dienstleistungen befinden sich auf einem sehr hohen Qualitätsniveau. Dies auch, weil wir uns trotz Fachkräftemangel nach wie vor auf sehr gut ausgebildete Mitarbeitende verlassen können. Mit der politisch stabilen Lage, der verlässlichen Rechtsprechung und einem zuverlässigen Stromnetz bietet die Schweiz Rahmenbedingungen, die anderswo nicht auf diesem Niveau vorhanden sind.
Rein technisch betrachtet, spielt der Standort eine untergeordnete Rolle. Können die notwendigen Infrastrukturen zur Verfügung gestellt werden, kann man überall ein Rechenzentrum bauen. Für Kunden, denen Sicherheit, Verfügbarkeit und Datenschutz wichtig sind, ist der Standort des Rechenzentrums aber essentiell. Liegen die Daten im Ausland, sind sie vor dem Zugriff ausländischer Behörden nur unzureichend geschützt. Denn der Standort des Servers legt fest, welche Rechtsordnung gilt. Die jeweiligen Bestimmungen und vor allem die Zugriffs- und Auskunftsrechte unterscheiden sich zum Teil gravierend vom Schweizer Recht.
Bleibt das auch in Zukunft noch so, also wenn die Revision des Bundesgesetzes betreffend der Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (BÜPF) erfolgt ist?
Ja und nein. Es gibt in der Schweiz heute schon rechtliche Möglichkeiten, Überwachungen anzuordnen. Das BÜPF erweitert diese Möglichkeiten. Im Vergleich zu anderen Ländern muss aber ein dringender Tatverdacht bestehen und alle anderen Untersuchungshandlungen müssen erfolglos gewesen sein, bevor das BÜPF zur Anwendung kommt. Das BÜPF hat aber eine unschöne Nebenwirkung. Da die Provider die Kosten für die notwendige Infrastruktur und angeforderte Überwachungen selbst tragen müssen, könnten sie gezwungen sein, diese auf die Kunden abzuwälzen. Überspitzt formuliert: Wir zahlen für unsere eigene Überwachung. Mit Blick auf diese rechtliche Entwicklung kann man wohl sagen, dass die Datenintegrität in der Schweiz hoch bleibt. Technische Sicherheitslösungen können aber nicht vor behördlichen Eingriffsermächtigungen schützen.
 
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