Berufslehre oder Gymnasium? Eine unnötige Polarisierung!

Berufslehre oder Gymnasium? Eine unnötige Polarisierung!

4. Dezember 2011 - von Alfred Breu, ICT-Berufsbildung Schweiz

Völlig unnötigerweise polarisiert die Frage «Berufslehre oder Gymnasium» und verunsichert Eltern, wenn es um die Zukunft ihrer Kinder geht. Dank dem genialen Bildungssystem der Schweiz ist sie nämlich schlicht müssig: Es gibt praktisch keinen Abschluss, der nicht gleich einen Anschluss eröffnet.
Artikel erschienen in IT Magazine 2011/12
(Quelle: SwissICT)
In den vergangenen zehn Jahren wurde das Bildungssystem auf einen höchst durchlässigen und guten Stand gebracht. Es erlaubt, auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Dass das Bildungssystem sich bewährt, belegt auch die Tatsache, dass die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz drastisch tiefer ist als in beinahe allen EU-Ländern. Wir haben nämlich ein geniales Bildungssystem mit zwei Wegen, die sich prächtig ergänzen. Sie sind unterschiedlich, aber gleichwertig. Oder am Beispiel von drei Informatikerinnen gesagt: Soll eine junge Frau eine Lehre durchlaufen, eine Informatikmittelschule oder das Gymnasium besuchen? Spielt keine Rolle, ist die Antwort, vor allem nicht, wenn sie die Berufsmaturität anstreben. Diese kann man während der Lehre absolvieren (in Berufen mit zwei Schultagen ohne weiterem Zeitbedarf) oder danach.


Anna hat nach ihrer Lehre in einem Betrieb ein Studium an der Fachhochschule begonnen, Beatrice absolvierte die Informatikmittelschule mit dazugehörendem einjährigem Praktikum und ging dann ebenso an die Fachhochschule. Claudias Weg führte über das Gymnasium zum Studium an der ETH. Und das Gemeinsame? Mit 23 hatten Astrid und Claudia den Bachelor in der Tasche, Beatrice wird das leicht später haben, sie hat das Fachhochschulstudium berufsbegleitend gemacht: Vier Tage arbeitete sie, an zwei Wochentagen ging sie zur Schule. Und alle drei konnten zwischen der technischen und der Wirtschaftsinformatik wählen! Natürlich geht das nicht in allen Berufen so. Arzt kann man ja nur über ein Studium und Schreiner über eine Lehre werden. Aber in sehr vielen Berufen läuft das so.

Höhere Berufsbildung als weitere Möglichkeit

Doch es muss nicht immer Hochschule sein – auch die so genannte «höhere Berufsbildung», die Fortsetzung der dualen Grundbildung, hat einige Juwelen zu vergeben. Was man schon vor 50 Jahren sagte, gilt heute erst recht: Nach der Lehre soll man noch einen Schritt der höheren Berufsbildung folgen lassen und die Vorbereitung zur Berufsprüfung in Angriff nehmen. Diese baut auf der Grundbildung auf und führt die Berufsleute in eine deutlich höhere Qualifikation und erste Spezialisierung. Aus dem Automobil-Mechatroniker beispielsweise wird auf diese Weise der Automobil-Diagnostiker mit eidg. Fachausweis, eine Fachperson, die auch für Führungsaufgaben ausgebildet ist. Danach absolvieren viele die zweite Stufe der Ausbildung und schliessen die höhere Fachprüfung ab. Diese schliesst mit dem eidg. Diplom des jeweiligen Berufsfeldes ab, oder dem bekannten «Meister». Wir kennen sie doch als Malermeister, Treuhänder, Revisor und aus vielen weiteren Berufen. Würden wir diesen «Meister» auf Englisch bezeichnen, wäre das ein «Master». Das wäre also der «Professional Master».
 
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Kommentare

Montag, 5. Dezember 2011 Van Houten
Eine weitere Möglichkeit im Bereich der höheren Berufsbildung ist die Höhere Fachschule für Wirtschaftsinformatik (HFWI). Die Ausbidung dauert 3 Jahre und kann berufsbegleitend neben einer 100% Berufstätigkeit ausgeübt werden. Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung kann der Titel Dipl. Wirtschaftsinformatiker HF getragen werden. Voraussetzung sind eine abgeschlossene Lehre und 2-3 Jahre Berufserfahrung im IT-Bereich. Dank fundierten Kenntnissen in Wirtschaft, Informatik und Management können Führungsaufgaben an den Nahtstellen zwischen Betriebswirtschaft, Management und Informatik übernommen werden.

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