Primarschüler programmieren

Primarschüler programmieren

25. Oktober 2010 - In den Gymnasien des Kantons Graubünden wird zurzeit Informatik als Ergänzungsfach eingeführt. In der Primarschule Domat/Ems lernten zwei 5. Klassen das Programmieren.
Artikel erschienen in IT Magazine 2010/11
Bernhard Matter (Quelle: Vogel.de)

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten mit der Programmiersprache «Logo» und der in Java implementierten Programmierumgebung «xLogo». Diese kann problemlos und unentgeltlich aus dem Internet herunter geladen werden und ist plattformunabhängig. Die Programmierumgebung und die Programmiersprache selbst sind leicht zu handhaben. Die Schülerinnen und Schüler der beiden 5. Klassen in Domat/Ems kamen nach wenigen Minuten damit zurecht. Die Feedbacks der Kinder aus Domat/Ems waren nach der ersten Versuchsphase durchwegs positiv. Auch sonst eher leistungsschwache Kinder konnten Erfolge erleben und viele Knaben und Mädchen hoffen auf eine Fortführung des Programmierunterrichts.


Selbstverständlich muss der Bildungswert des Informatikunterrichts im Allgemeinen und des Programmierunterrichts im Speziellen diskutiert werden. Dieser Diskussionsbeitrag beschränkt sich auf das Programmieren in der Primarschule. Erwerbstätige Menschen müssen sich immer wieder neu orientieren, sich in neue Tätigkeitsbereiche einarbeiten und sich neues Wissen selbständig aneignen. Daher legt die Gesellschaft heute weniger Wert auf umfangreiches Faktenwissen. Im Mittelpunkt stehen Schlüsselqualifikationen wie Denken in komplexen Zusammenhängen, Problemlösefähigkeit, Abstraktionsfähigkeit, Zielstrebigkeit oder Teamfähigkeit. Der Programmierunterricht fördert diese Qualifikationen auf spielerische Art. Wenn die Schülerinnen und Schüler vorgegebene Muster (z. B. Treppe, Blumenmuster) exakt beschreiben und wiederholende Formelemente erkennen und sprachlich erfassen müssen, so lernen sie dabei auch, sich klar und exakt auszudrücken.

Programmieren leistet einen Beitrag zur Hintergrundbildung. Der Normalbürger kann heute kaum mehr erfassen, was alles hinter den modernen Technologien (Auto, Internetshopping, Kreditkarte, CD-Player, DVD, iTunes, etc.) steckt. Daher gehört es zur Aufgabe des Schulunterrichts, an exemplarischen Beispielen die entsprechenden Zusammenhänge wenn möglich interdisziplinär aufzuzeigen und das Verständnis für die Automatisierung und Programmierung von Geräten und Maschinen zu fördern.

Durch das Programmieren schlagen sich mentale Vorgänge in externen Repräsentationen nieder. Dies ist aus didaktischer Sicht wertvoll. Fehlvorstellungen werden unmittelbar sichtbar, können erkannt und analysiert werden und ermöglichen eine Selbstkontrolle. Dank dem sehr grossen Anteil an Eigenaktivität und geeigneten Aufgabenstellungen können alle Kinder auf ihrem Niveau ansetzen und einen individuellen Lernzuwachs erzielen. Somit arbeiten alle Kinder am gleichen Gegenstand und werden zugleich individuell gefördert.


Programmieren hat Verwandtschaften mit Mathematik und kann einen Beitrag zur mathematischen Förderung leisten. Die Lernenden schreiben in Worten und mithilfe von Arithmetik, was sich auf der Zeichenfläche grafisch niederschlägt. Durch den engen Zusammenhang zwischen Sprache, Arithmetik und Geometrie können die Schülerinnen und Schüler nachhaltige mathematische Einsichten gewinnen. Da Programmieren mit Logo vor allem auf dem Erzeugen von und Operieren mit geometrischen Figuren beruht, machen die Lernenden wichtige geometrische Grunderfahrungen.


Bislang eher statisch erfasste Zusammenhänge und Definitionen werden durch den dynamischen Aspekt für die Lernenden einsichtiger und nachhaltiger verfügbar. Somit fördert das Programmieren das funktionale Denken und das räumliche Vorstellungsvermögen. Versuche in Deutschland haben gezeigt, dass Kinder mit einer Rechenschwäche, insbesondere beim Typ „sprachenstark/rechenschwach“, durch Programmieren gefördert werden können.


Die Verwandtschaft mit der Mathematik manifestiert sich auch in der umgekehrten Richtung. Die streng logische Denkweise der Mathematik leistet einen wichtigen Beitrag zur Programmierkompetenz. Programmieren kann zum Aufbau von vernetztem Wissen und zum Erwerb von nachhaltigen Fähigkeiten beitragen. Die Fortsetzung des Projekts soll in dieser Hinsicht weitere Erfahrungen und Erkenntnisse ermöglichen.

Bernhard Matter (Quelle: Vogel.de)
Juraj Hromkovic führt in die Programmierung ein. (Quelle: Vogel.de)
Die Schülerinnen und Schüler sind interessiert bei der Sache. (Quelle: Vogel.de)
Hohe Konzentration bei der Lösung von Informatikproblemen. (Quelle: Vogel.de)

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