Von der Kunst, Nein zu sagen

Von der Kunst, Nein zu sagen

23. April 2010 - Wer immer und überall Ja sagt, wird von anderen fremdbestimmt. Das ist auf Dauer wenig karrierefördernd und macht sich in Stress und Unzufriedenheit bemerkbar.
Artikel erschienen in IT Magazine 2010/05
(Quelle: Vogel.de)

Wie soll man sich verhalten, wenn einem die netten Nachbarn zum Brunch einladen, obwohl man im Grunde genommen an einem Sonntag lieber ausschlafen würde? Was ist zu tun, wenn der Kollege einem innerhalb kurzer Zeit bereits zum dritten Mal fragt, ob man ihn nach Hause fährt, da er den Bus verpasst hat? Wie erklärt man seinem Sohn, der mit einem Fussball spielen möchte, dass man dafür keine Zeit hat? Und wie stiehlt man sich am elegantesten aus der Affäre, wenn jemand gebraucht wird, der an der Generalversammlung des Vereins Getränke und Lose verkauft?


Nur zu oft lassen wir uns zu solchen Aktivitäten überreden, obwohl wir dazu – wenn wir ehrlich sind – gar keine Lust haben. Wir sagen zu etwas Ja, obwohl wir eigentlich Nein meinen. «Wer nicht Nein sagen kann, kommt im Leben ganz einfach zu kurz, übergeht sich und seine Bedürfnisse, tut unter Umständen aus Gewohnheit, falscher Loyalität oder Bravheit Dinge, die ihm schaden und die er nachträglich bereut.» So lässt sich der Entwicklungspsychologe Professor Jürg Frick in einem Artikel der «Basler Zeitung» von vergangenem November mit dem Titel «Ja-Sager haben es schwerer» zitieren und bringt damit auf den Punkt, worüber wir uns selbst insgeheim oft selber ärgern – nämlich, dass wir viel zu oft nicht Nein sagen.



Nein sagen ist schwierig

Weshalb fällt dies vielen Menschen eigentlich so schwer? Dafür lohnt es sich, in der eigenen Lebensgeschichte zurückzugehen. Die ersten Begegnungen mit dem Wörtchen Nein machten wir nämlich in der Gestalt unserer Eltern. Sie sagten uns als Baby Nein, wenn wir mit dem Essen spielten oder am Abend nicht ins Bett gehen wollten. Mit drei oder vier Jahren haben wir dann im Trotzalter die Wirkung des Wörtchens Nein selbst ausgetestet. Häufige Reaktionen der Eltern auf unser Trotzen waren dann Aussprüche wie: «Wenn du das nicht machst, habe ich dich nicht mehr lieb!» Oder: «Wenn du jetzt nicht kommst, dann bin ich ganz fest traurig.» In dieser frühkindlichen Prägungsphase lernen wir, dass ein Nein oft mit negativen Konsequenzen wie Liebesentzug, Wut oder Ärger verbunden ist. Ein tadelloses Verhalten jedoch führt zu Lob und Zuspruch.

Und so spielt uns dann das «Kind in uns» auch im Erwachsenenalter immer mal wieder ein Streich und veranlasst uns, Dingen zuzustimmen, die wir so eigentlich gar nicht wollten, weil wir in unserer frühen Kindheit gelernt haben, die negativen Konsequenzen und die damit verbundenen Gefühle eines Neins tunlichst zu vermeiden.


Gerade im beruflichen Umfeld kann eine solche Verhaltensweise jedoch karrierehindernd und gar gesundheitsschädigend sein. Der Schreibtisch der Ja-Sager ist nämlich immer zum Bersten voll, wodurch diese Personen permanent gestresst sind. Darüber hinaus treten solche Gutmenschen oft auf der Stelle und kommen beruflich nicht so schnell vorwärts, da ihnen wenig Zeit für das Eigenmarketing bleibt. Dauernde Ja-Sager bringen sich vielmehr selbst schnell in einen Teufelskreis: Ihnen wird immer mehr Arbeit zugeschoben, weil Kollegen und Chefs genau wissen, dass sie hier auf wenig Widerstand stossen. Die schwierigeren Mitarbeiter, die gelernt haben, selbstbewusst Nein zu sagen, werden hingegen immer mehr in Ruhe gelassen.

Und so kann es am Schluss sogar sein, dass selbst jene Arbeit liegen bleibt, für die man eigentlich angestellt wurde. Chronische Ja-Sager, sind darum meistens überlastet, weil ein effektives Zeitmanagement mit einer solchen Verhaltensweise gar nicht mehr möglich ist.


Sinnvoll wäre es für solche Menschen wohl, wenn sie sich das nach Dwight Eisenhower konzipierte «Eisenhower Prinzip» zu Herzen nehmen würden. Dieses teilt die Aufgaben und Ziele nach zwei Kriterien ein nämlich: Wichtig oder unwichtig und dringend oder nicht dringend. So gilt es nach dem Eisenhower-Modell, die A-Aufgaben sofort selber zu erledigen, die B-Aufgaben zu terminieren und die C-Aufgaben zu delegieren. Die P-Aufgaben jedoch soll man getrost in den Papierkorb werfen oder ablehnen.

 
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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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