Nach der Entlassung: Flexibel sein und netzwerken

Nach der Entlassung: Flexibel sein und netzwerken

12. Juni 2009 - Immer häufiger sind in der heutigen Zeit auch Fach- und Führungskräfte von Entlassungen betroffen. Bei der Suche nach einem neuen Job ist in erster Linie Flexibilität gefragt.
Artikel erschienen in IT Magazine 2009/07

Es war ein äusserst aufschlussreiches Gespräch, welches ich neulich mit dem Leiter eines Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) geführt habe. Gemäss seinen Erläuterungen ist die Zahl der hochqualifizierten Fach- und Führungskräfte, welche ihren Job verloren haben, seit Anfang April wieder sprunghaft angestiegen. Diese Aussagen decken sich auch mit meinen eigenen Beobachtungen. Waren es bis vor kurzem hauptsächlich noch die Low-Performer, welche Ende letzten Jahres als Erste entlassen wurden, so trifft es heute auch wieder die guten Mitarbeiter. Insbesondere Stabsfunktionen, aber auch Positionen im unteren und mittleren Management stehen heute wieder auf dem Prüfstand.


Sich von unliebsamen Strukturen und Mitarbeitern zu trennen, geht aktuell mit wesentlich weniger Getöse über die Bühne als in Zeiten, wo Firmen noch prallvolle Auftragsbücher vorweisen konnten. Dann der Bevölkerung und den Medien zu erklären, warum Stellen abgebaut werden sollen, ist nicht so einfach wie jetzt. Dass viele der jetzt entlassenen Fachkräfte in ein paar Jahren allerdings wieder händeringend gesucht werden, ist ein anderes Thema, worüber sich einige quartalsgetriebene Unternehmen im Zuge von Kosteneinsparungsmassnahmen keine Gedanken zu machen scheinen.

Was darum vor einem Jahr noch niemand für möglich gehalten hat, ist mittlerweile wieder Realität geworden: Wer momentan ohne Job dasteht, hat es wieder bedeutend schwerer, eine feste Anstellung zu finden. Denn nun sagt der Arbeitgeber wo’s langgeht. Und so gehören unanständig hohe Lohnforderungen genauso der Vergangenheit an wie die Mitfinanzierung einer Zusatzausbildung, mit der Unternehmen noch bis vor kurzem versuchten, potentielle Kandidaten zu ködern.


Zwar gibt es auch jetzt Lichtblicke: Nach wie vor hat es Firmen, welche händeringend nach neuen Mitarbeitern Ausschau halten. Doch sind auch diese Unternehmen wesentlich wählerischer geworden, wen sie einstellen. Einerseits können sie aus einer Vielzahl von Bewerbern die Besten herauspicken. Zudem wollen es sich auch diese Betriebe nicht leisten, die Position mit der falschen Person zu besetzen. Die Folge: Quereinsteiger, Dünnbrettbohrer und ewige Job-Hopper ohne Leistungsausweis haben zurzeit so gut wie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Doch auch jene, die am Ende eingestellt werden, müssen sich auf einen langwierigen Bewerbungsprozess einstellen, der sich locker über ein paar Wochen, ja sogar Monate hinzieht.


Dass Firmen bei der Mitarbeiterauswahl wesentlich vorsichtiger geworden sind und im Zweifelsfall am Ende die Stelle schon mal gar nicht besetzen, deckt sich auch mit einer im Mai dieses Jahres in der IT-Zeitschrift «Computerworld» veröffentlichten Studie. Darin geben 43 Prozent von 173 befragten Schweizer IT-Betriebe an, dass sie momentan keine neuen Angestellten suchen und 13 Prozent der Befragten wollen sogar Arbeitsplätze abbauen.


Diese neuen Marktgegebenheiten erfordern gerade von Bewerbern, denen die Stelle gekündigt wurde, neue Strategien. Was also gilt es zu beachten, damit man im Falle eines Job-Verlustes schnell wieder in den Arbeitsprozess integriert werden kann? Dazu die folgenden Tips:


Eigenes Netzwerk hochfahren

Gerade Führungskräfte versuchen nach meinen Erfahrungen häufig zu vertuschen, dass ihnen gekündigt wurde. Selbst Freunde und Bekannte werden nicht informiert, und wenn die Presse Wind von ihrem Abgang bekommt, wird schon mal mit dem Anwalt gedroht, damit auch ja nichts in die Öffentlichkeit gelangt. Die Gründe für ein solches Verhalten mögen einerseits darin zu suchen sein, dass viele glauben, sie hätten bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, wenn ihr potentiell neuer Arbeitgeber glaubt, sie seien immer noch in Amt und Würden.


Oft sind die Gründe aber auch wesentlich vielschichtiger: Es geht um Themen wie Gesichtsverlust, Scham und Machtentzug. Viele Betroffene ziehen sich darum immer mehr zurück, wollen sie doch nicht mit unangenehmen Fragen konfrontiert werden. Doch eine solche Verhaltensweise ist völlig falsch. Studien belegen nämlich, dass Positionen für Fach- und Führungskräfte oft unter der Hand vergeben werden. Wer zu anderen auf Distanz geht, nabelt sich von all den informellen Informationen ab, die überall auf dem Latrinenweg herumschwirren. Offen kommunizieren, dass man auf Job-Suche ist, muss darum die Devise lauten.

Doch auch das fällt vielen nicht einfach: Gerade Führungskräfte, die es bis anhin gewohnt waren, dass die anderen auf sie zukommen, müssen zuerst wieder lernen, dass sie jetzt selber als Bittsteller dastehen. Sich gut zu verkaufen fängt nicht erst bei der professionell erstellten Bewerbungsmappe an, sondern beginnt bereits viel früher. Auch wenn manche Leute so ihre liebe Mühe haben, sich und ihre Fähigkeiten selber anzupreisen, so ist dies doch meist die erste und wichtigste Hürde auf dem Weg zur neuen Arbeitsstelle.


 
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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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