Virtualisierung als Chance und Risiko

Virtualisierung als Chance und Risiko

22. Mai 2009 - Sowohl Desktop- als auch Applikationsvirtualisierung befinden sich auf dem Vormarsch. Bei der Automatisierung und dem integrierten Management hapert es allerdings.
Artikel erschienen in IT Magazine 2009/06

Krise bedeutet nicht für alle etwas Negatives. Es gibt auch Produkte, die von den Turbulenzen profitieren oder gar solche, die vor der Krise gut liefen und jetzt noch etwas besser. Die Anbieter von Virtualisierungs-Software können sich jedenfalls nicht beklagen. Wie das Marktforschungsunternehmen Gartner zu wissen glaubt, soll das Marktvolumen im Jahr 2009 allein in der Region Euro-pa, Afrika und Naher Osten (Emea) auf 512 Millionen Euro ansteigen. Das entspräche einem satten Plus von 55 Prozent, verglichen mit den 330 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr. Dabei spielt der westeuropäische Raum klar die Rolle des Zugpferdes: Insgesamt entfallen 2009 451 Millionen Euro des Emea-Umsatzes auf das «alte» Europa. Osteuropa und Afrika tragen lediglich 33 respektive 28 Millionen Euro bei. In Anbetracht ihrer Grösse verwundert es nicht, dass die Märkte von England, Deutschland und Frankreich den Löwenanteil zum Gesamtumsatz beisteuern, interessant ist jedoch, dass die Schweiz gemessen an der Bevölkerungszahl mit einem Anteil von vier Prozent weit vorne mitmischt.


Krise bringt den Markt voran

Der Virtualisierungsmarkt profitiert nicht zuletzt auch davon, dass sich die Vorteile der Technologie je nach Wetterlage mit unterschiedlichen Argumenten vermarkten lassen. Vor der Wirtschaftskrise wirkten zwar die rasant steigenden Energiepreise als Treiber für den Markt, doch beworben wurde die Effizienzsteigerung durch Virtualisierung aufgrund des Aufkommens des Modewortes «Green IT» oft hauptsächlich mit Umweltschutz-Argumenten. Die Krise hat jetzt dazu geführt, dass die finanziellen Aspekte in den Vordergrund gerückt sind. Heinz Waller, Specialist Sales für Virtualisierung beim Dienstleister PC-Ware Systems drückt es folgendermassen aus: «Mehr Leistung für weniger Aufwand und weniger Kos-ten ist eine Rechnung, die sich immer fantastisch anhört. Vor allem in schwierigen Zeiten ist dies ein unschlagbares Argument.» Auch bei T-Systems Schweiz erwartet man von der gegenwärtigen Wirtschaftslage positive Auswirkungen auf den Virtualisierungsmarkt. Nicht nur deshalb, weil die Technologie an sich beim Kostensenken hilft, sondern auch, weil sie Dienstleistern ermöglicht, den Kunden dynamische Services anzubieten und auf einfache Art und Weise Ressourcen je nach aktuellem Bedarf bereitzustellen. Damit bezahle der Kunde nur die Ressourcen, die er auch tatsächlich braucht, so Barbara Melzl, PR-Managerin bei T-Systems Schweiz.


Wichtig für das Fortschreiten des Marktes ist aber auch die mittlerweile weite Verbreitung der Virtualisierungstechnologie, zumindest in Teilbereichen. «Momentan sind die Begriffe ‹Cloud Computing›, ‹Software-Virtualisierung› und ‹Desktop-Virtualiserung› noch weitest-gehend unbekannt. Die Server-Virtualisierung ist bekannter, da es diese Technologie schon länger gibt und sie grossflächiger im Einsatz ist», sagt Rico Rogantini von Rotronic. Dass das Wissen vieler Kunden vor allem auf dem Inhalt von Marketing-Unterlagen basiert, bestätigt auch Rolf Weber, Geschäftsleitungsmitglied des Dienstleisters Up-Great. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass der Kenntnisstand und der Grad der Umsetzung oft auch mit der Grösse des Unternehmens zusammenhängt. So kommt beispielsweise eine Studie des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens Sieber & Partners zum Schluss, dass die Servervirtualisierung bei rund 70 Prozent der Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden bereits eingesetzt werde. An zweiter Stelle folgt die Speichervirtualisierung mit einem Anteil von etwa 45 Prozent und die Netzwerkvirtualisierung mit gut 35 Prozent.

Kein Wunder, dass gerade die Desktop-Virtualisierung als eines der grossen Trend-Themen im laufenden Jahr gehandelt wird. Gartner rechnet in diesem Bereich in der Emea-Region mit einer Umsatzsteigerung von 336 Prozent, wobei dieser Markt 2008 auch erst ein Volumen von 12 Millionen Euro erreichte und in diesem Jahr auf etwas mehr als 56 Millionen Euro zu liegen kommen soll. In ähnlichem Masse erst am Anfang steht auch die Applikationsvirtualisierung. Hier bestehen oft noch Kompatibilitätsprobleme mit der bestehenden Softwarelandschaft. «In heterogenen Umgebungen können meist nur rund 70 Prozent aller Applikationen virtualisiert werden», weiss Rolf Weber. Wer auf die «Leading Partner» VMware und Citrix setze, müsse bedenken, dass die heutzutage gelieferte Technologie erst rund 80 Prozent der Bedürfnisse abdecke. «Für viele spezielle Applikationen sind noch immer Nischenanbieter oder Eigenentwicklungen notwendig.»

 
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