Leider getrübte Goldgräberfreuden

Leider getrübte Goldgräberfreuden

22. Mai 2009 - Die restriktive API-Politik und das undurchsichtige Vertriebsmonopol von Apple schränken die Möglichkeitenfür die Entwickler von iPhone-Anwendungen stark ein.
Artikel erschienen in IT Magazine 2009/06

Der Hype um das iPhone hält an: 10 Millionen Stück dürfte Apple 2008 verkauft haben, bis zu 50 Millionen sollen es bis Ende 2009 sein. Während die Design-Ikone anfänglich nur Technik-Freaks zu Begeisterungsstürmen hinriss, erobert das iPhone jetzt allmählich auch die Firmenwelt: Bei den mobilen Geräteplattformen im Unternehmenseinsatz hat das Apple-Smartphone gemäss einer Studie des Münchner Softwareherstellers Ubitexx im Jahr 2008 auf Anhieb einen Anteil von 14 Prozent erreicht und ist damit der Senkrechtstarter des Jahres. In Grossunternehmen mit mehr als 500 Handhelds ist den Autoren zufolge gar schon jedes vierte Gerät ein iPhone. Entwickler kommen also künftig nicht mehr darum herum, sich mit den Möglichkeiten und Limitationen dieser Plattform zu beschäftigen.



Seit dem Release des iPhone OS 2.0 können auch Drittanbieter Software für die iPhone-Plattform entwickeln. Die erste Beta-Version des iPhone SDK (Software Development Kit) wurde im März 2008 veröffentlicht. Im Juli letzten Jahres hat der App Store mit 500 Applikationen seine Pforten geöffnet. Weniger als zwölf Monate später verzeichnete er bei einem Angebot von 35’000 verschiedenen Programmen schon eine Milliarde Downloads (Stand Ende April 2009). Die Applikationen werden in den Sprachen Objective-C, C oder C++ geschrieben. Da eine Vielzahl bekannter APIs wie beispielsweise Cocoa, Quartz oder OpenGL ES auf dem iPhone zur Verfügung stehen, finden sich sowohl Mac- wie auch Unix-Programmierer relativ schnell zurecht. Interessante Perspektiven für mobile Applikationen bietet die Plattform jedoch vor allem dank dem Multi-touch-Bildschirm, dem Accelerometer (Gravitationsmessung, «Schüttel-Funktion») und GPS (Global Positioning System). Multi-touch und Accelerometer kommen oft bei Spielen oder Multimedia-Anwendungen zum Einsatz, während GPS die Entwicklung von Diensten erlaubt, die den Standort des Anwenders miteinbeziehen.




SDK mit gravierenden Restriktionen

Für eine Entwicklerlizenz von 99 Dollar bietet das Integrated Development Environment Xcode des iPhone SDK eine moderne Entwicklungsumgebung. Die Möglichkeiten des Geräts sind heute sehr gut dokumentiert und im Internet gibt es eine grosse Community mit diversen Foren und Messageboards. Ein Grossteil der Funktionen lässt sich auf dem zum SDK gehörenden iPhone Simulator emulieren. Wer sich für Objective-C entscheidet, profitiert von einer einfach zu erlernenden, objektorientierten Programmiersprache. Allerdings stehen zur Unbill vieler Entwickler wichtige Teile des SDK wie der Zugriff auf das Adressbuch nur im komplexeren C zur Verfügung.



Sorgen bereitet Entwicklern jedoch vor allem die restriktive API-Politik des Herstellers, denn es können und dürfen explizit nur diejenigen Funktionen genutzt werden, die Apple zur Verfügung stellt. Jede Applikation läuft abgekapselt für sich in einer Sandbox – einer Art Gefängnis – abgeschottet vom restlichen Sys­tem, während gleichzeitig der Grundsatz «one app at a time» gilt. Hintergrundprozesse oder Multitasking sind somit nicht möglich. So klingelt beispielsweise Skype nur dann, wenn die Applikation als einzige im Vordergrund läuft. Während ein Benutzer also im Web surft, ist er über Skype nicht mehr erreichbar. Auch Applikationen, die zu einer bestimmten Zeit eine Aktion auslösen – beispielsweise ein Programm, welches das iPhone abends ab 10 Uhr stummschaltet – können so nicht realisiert werden. Weil der Zugriff auf das Dateisystem des iPhone aus der Sandbox heraus nicht möglich ist, kann eine Applikation nicht auf eine Datei zugreifen, die mit einem anderen Programm erstellt wurde. Auch das Verwenden der iPod-MP3-Bibliothek des Benutzers, etwa für ein Musik-Quiz oder als Hintergrundmusik für ein Spiel, ist nicht möglich.



Eine vor allem in der Geschäftswelt als störend empfundene Einschränkung ist der fehlende Zugriff auf die Kalenderdaten. Dieser wäre aber gerade für viele Business-Applikationen unabdingbar. Die Open-Source-Plattformen Android und Symbian bieten diese Funktionalität denn auch an. Ebenso verunmöglicht werden Bluetooth-Verbindungen zu anderen Geräten, weshalb keine Visitenkarten oder Daten mit anderen Benutzern in der Umgebung ausgetauscht werden können. Das iPhone verwendet Bluetooth in der jetzigen Version nur für die Kommunikation mit dem eigenen Headset. Vielen Entwicklern ist auch ein Dorn im Auge, dass Apple den Zugriff auf gewisse Telefonfunktionen beschränkt. Eine Applikation kann eine E-Mail oder einen Anruf initiieren, jedoch nicht auf die Call History zugreifen und auch keine SMS verschicken. So lässt sich beispielsweise keine Software entwickeln, die in einem Online-Telefonbuch nach den Namen zu den Nummern verpasster Anrufe sucht und diese anzeigt.


 
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