CIO-Interview: «Die Cloud hilft uns, neue Wege in der Produkt­entwicklung zu gehen»

CIO-Interview: «Die Cloud hilft uns, neue Wege in der Produkt­entwicklung zu gehen»

Artikel erschienen in IT Magazine 2021/12
Ich möchte auf das Thema Fachkräfte zu sprechen kommen – ein Thema, das Ihnen am Herzen liegt, schliesslich engagieren Sie sich bei ICT-Berufsbildung Zentralschweiz. Warum ist Ihnen das Thema Berufsbildung ein Anliegen?
Ganz einfach, weil wir auf Fachkräfte angewiesen sind, und wenn wir uns hier nicht engagieren, werden uns irgendwann in der Zukunft die Fachkräfte fehlen. Das gilt für uns als High-Tech-Betrieb, aber auch für den ganzen Standort Schweiz, der ohne Bodenschätze auskommen muss und entsprechend von Skills und Fähigkeiten lebt. Da stehen wir als Unternehmen in der Verantwortung, und deshalb bildet Maxon Lernende in ganz vielen Berufen aus, vom Software-Entwickler in der IT bis zur Kleinkindererzieherin in der eigenen Kinderkrippe.

Welche Bedeutung hat die Berufslehre in Ihren Augen im Kampf gegen den Fachkräftemangel in der IT?
Ich bin der Überzeugung, dass es einen gesunden Mix braucht. In diesem Mix sind die Lernenden genauso wichtig wie die Hochschulabsolventen – man muss auf allen Ebenen ansetzen. Die Berufslehre ist aber sicher ein wichtiger Einstieg in die ICT-Branche.

Wie schwierig ist es, am Hauptsitz in Sachseln abseits von den wirtschaftlichen Zentren der Schweiz Fachkräfte zu finden?
Maxon hat sich im angestammten Markt der Antriebstechnik einen guten Namen geschaffen, was beim Anwerben von Fachkräften hilft, auch wenn wir uns natürlich im Kampf mit Unternehmen aus Zentren wie Luzern, Zug und Zürich befinden. Dieser Kampf und der Mangel an Fachkräften war mitunter ein Grund, warum wir dazumal die Produktion und den Bereich R&D in Teilen internationalisiert haben. Gleichzeitig haben wir in jüngerer Vergangenheit Partnerschaften mit Hochschulen gestartet und betreiben an der EPFL sowie an der Hochschule Luzern ein Innovation Lab, wo Forschungsaufträge vergeben und neue Technologien entwickelt werden. Ein weiteres Innovation Lab befindet sich an der ETH in Zürich, wo wir vor gut zwei Jahren auch eine eigene Firma gegründet haben, deren Schwerpunkt beim Aufbau eines Kompetenzzentrums für Robotik liegt. Mit eine Rolle bei diesen Bestrebungen spielt nebst der Nähe zu den Hochschulen auch die Nähe zu personellen Ressourcen sowie zu anderen Unternehmen.
Haben Sie auch Bereiche der IT vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels internationalisiert?
Ja, wir haben vor einem halben Jahr begonnen, im Bereich Software-Entwicklung Ressourcen offshore in Asien aufzubauen. Der Mangel an Fachkräften war ein Grund dafür, ein zweiter waren auch Kostenüberlegungen. Die Schweiz ist nun mal einer der teuersten Standorte der Welt, und auch wenn wir gewisse Skills zwingend bei uns am Hauptsitz haben wollen, müssen wir auch global denken – und es lässt sich nicht verleugnen, dass wir in Asien hochqualifiziertes Personal zu einem Bruchteil der hiesigen Kosten finden. Entsprechend planen wir auch, diese Offshore-Entwicklung behutsam auszubauen.

Hat die Pandemie Entwicklungen wie diese auch befeuert?
Wir haben durch die Pandemie als Unternehmen mit Sicherheit gelernt, dass Mitarbeiter nicht zwingend physisch vor Ort sein müssen, um ihren Aufgaben genauso effizient nachzukommen. Ohne Corona würden wir wahrscheinlich noch nicht so flexibel mit dem Thema Remote Work umgeben – sei es im Rahmen von Offshore-­Projekten, aber auch von Home Office.

Projekte sind ein gutes Stichwort: Können Sie etwas zu aktuellen oder kürzlich abgeschlossenen IT-Projekten erzählen?
Die Migration von Microsoft Office in die Cloud habe ich bereits angesprochen – dieses Projekt ist gestartet und soll bis Ende des nächsten Jahres in einer ersten Phase abgeschlossen sein. Ein weiteres grosses Projekt ist die komplette Neugestaltung unserer E-Auftritts. Ich spreche dabei nicht von einem Redesign unserer Website und unseres Shops – vielmehr geht es darum, den gesamten Auftritt mit neuen Services anzureichern, eine Vereinfachung herbeizuführen und den Kunden verstärkt zu integrieren. Dazu haben wir Interviews mit unseren Kunden geführt, welche Services sie sich wünschen respektive von uns erwarten. Wir wollen den Kunden nicht nur für die Bestellung abholen, sondern schon viel früher im Prozess, bereits während des Designs seines Produkts oder gar der Ideen­suche. Denn zu dem Zeitpunkt, an dem der Kunde im Shop auftaucht, hat er bereits einen Entscheid gefällt – und landet dann auch nicht zwangsläufig bei uns. Deshalb wollen wir ihn viel früher abholen, früher Teil seiner Prozesse werden. Und dann auch im Nachgang mehr digitale Services bereitstellen.

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