CIO-Interview: «Der Technik­glaube scheint mir oft ­ etwas hoch»

CIO-Interview: «Der Technik­glaube scheint mir oft ­ etwas hoch»

Artikel erschienen in IT Magazine 2020/12
Bei wie vielen der Sisag-Mitarbeitern handelt es sich letztlich um Informa­tiker?
Alles in allem sind in der Sisag-Holding wie erwähnt rund 150 Leute beschäftigt. Gut die Hälfte davon besitzt einen Abschluss im tertiären Bildungsbereich, und nochmals gut die Hälfte davon ist im IT-Umfeld tätig – wobei es nicht immer einfach ist, eine klare Linie zu ziehen zwischen Automation, Elektrotechnik und Informatik. Alles in allem beschäftigen wir also rund 50 Informatikingenieure. Bei diesen 50 Ingenieuren gibt es solche, die eher Hardware-nahe im Bereich Automation entwickeln, und solche, die klassisch als Software-Entwickler arbeiten. Zwischen diesen beiden Gruppen gibt es schon wesentliche Unterschiede – die klassischen Software-Entwickler bauen Anwendungen für den Desktop und die Cloud, während die Hardware-­nahen Entwickler auch im Feld tätig und bei der Inbetriebnahme der Anlagen mit dabei sind.

Ihr Unternehmen liegt im Kanton Uri, abseits der Ballungszentren, und Software-Entwickler sind grundsätzlich rar. Welchen Einfluss hat der Standort bei der Suche nach Mitarbeitern?
Einen sehr grossen Einfluss, wobei es zwei Aspekte zu erwähnen gibt. Ja, wir sind eine Randregion, unsere Löhne sind in der Tendenz tiefer als in den Wirtschaftszentren und es gibt keine Universität in der Nähe, wo die Leute ausgebildet werden. Entsprechend schwierig ist es, Spezialisten zu gewinnen. Aber: Wenn wir denn mal eine solche Person gefunden haben, die sich für unsere Region entschieden hat, dann bleibt sie in der Regel auch. Denn wir können sehr gute Jobs bieten und wer sich für ein Leben hier entscheidet, tut dies oft bewusst. Unsere Fluktuation ist darum sehr tief und wir beschäftigen viele Mitarbeiter, die schon zehn, zwanzig oder dreissig Jahre bei uns sind – wie ich auch, ich habe hier meine Lehre absolviert, und werde wenn nicht alles schief läuft vermutlich hier pensioniert.

Wenn Sie aber sagen, es sei enorm schwierig, Leute zu finden: Wie gehen Sie hier vor?
Es gibt nur ein Mittel: Wir müssen unsere Leute selbst ausbilden. Entsprechend ist unser Anteil an Lernenden in den Berufen, die wir brauchen – Automatiker, Elektroniker, Informatiker – überdurchschnittlich hoch. Aktuell beschäftigen wir 17 Lernende, was mehr als zehn Prozent unserer 150 Mitarbeitenden entspricht.
Doch kaum ein Lehrling bleibt nach der Lehre für immer bei seinem Lehrbetrieb.
Das ist richtig. Doch viele unserer ehemaligen Lehrlinge kommen nach dem Studium oder auch nachdem sie einige Jahre für einen anderen Arbeitgeber tätig waren, wieder zu uns zurück. Die Verbundenheit zum Unternehmen und zur Materie ist hoch, genauso wie die Lebensqualität in der Region. Wir fördern das auch, begleiten unsere ehemaligen Lehrlinge auf ihrem weiteren Weg und versuchen, in Kontakt zu bleiben – etwa mittels eines jährlichen Ehemaligen-­Lehrlings-Events, was unser bestes Rekrutierungs-Tool ist. So kommen wir heute auf einen enorm hohen Anteil von zirka 20 Prozent unserer 150 Mitarbeitenden, die ihre Lehre bei Sisag absolviert haben.

Zurück zu den Produkten, die Sie anbieten: Bauen Sie überhaupt noch Systeme, die ohne IT auskommen?
Nein, die gibt es praktisch nicht mehr. Allenfalls kann es in einem Umbauprojekt vorkommen, dass Leistungselektronik verbaut wird, die ohne IT-Schnittstelle auskommt. Ansonsten aber findet sich in jeder unserer Anlagen mindestens ein Netzwerkkabel – sei es für die interne Kommunikation der Systeme oder aber für die Fernwartung.

Und können Sie im Gegenzug ausführen, welche Ihrer Systeme bezüglich IT am komplexesten sind?
Mit zu den komplexesten Systemen gehört unser Cockpit für Destinationen, ein klassisches IoT-Projekt, in das nicht nur Daten aus unseren Anlagen, sondern aus sämtlichen Anlagen der Destination fliessen – von der Seilbahn über die Beschneiungsanlage und dem Pistenfahrzeug bis hin zu den Restaurants. Um die Daten aus den einzelnen Silos abzuholen, müssen wir unzählige Schnittstellen bereitstellen und in einer Cloud-Applikation abbilden, damit diese genutzt werden können. Das ist eine ziemlich komplexe Geschichte, vor allem aufgrund der Schnittstellen, zu der immer zwei Parteien gehören. Das braucht oft viel Zeit und ist nicht zuletzt aus Security-Sicht herausfordernd.

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