CIO-Interview: «Für kleinere KMU herrscht ein Vakuum an pas­senden Lösungen»

CIO-Interview: «Für kleinere KMU herrscht ein Vakuum an pas­senden Lösungen»

5. September 2020 - Florian Schröder hat als CIO des aufstrebenden, in einer Nische tätigen Start-ups Wildbiene + Partner manchmal Mühe, die passenden Lösungen für seine Anforderungen zu finden. Nicht zuletzt deshalb wird einiges selbst entwickelt.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/09
Wie respektive mit wem verschickt man eigentlich Bienen?
In der Schweiz mit der Post, und zwar in robusten Kartonröhrchen, in denen sich die Mauerbienenkokons befinden. Diese sind resistent gegen Erschütterungen, darum kann man sie mittels Standard-Logistikpartnern versenden.

Sie haben es eingangs erwähnt – zu Beginn waren Sie allein für die IT-Verantwortlich. Wie sieht Ihr Team heute aus?
Heute beschäftigen wir zwei IT-Spezialistinnen bei uns intern, die vor allem Management-Funktionen wahrnehmen, aber auch selbst entwickeln und an der Software-Architektur mitarbeiten. Dazu kommen drei Software-Entwickler, die extern im Ausland für uns tätig sind – zwei in Südafrika und einer in der Ukraine.

Warum setzen Sie auf dieses Outsourcing, und warum Südafrika?
Südafrika hat sich durch eine Bekanntschaft eines der Gründer ergeben, und die Zusammenarbeit funktioniert einfach sehr gut. Wir haben auch schon mit anderen Agenturen zusammengearbeitet, dabei fehlte aber jeweils ein wenig das Herzblut für die Sache. Bei unseren jetzigen externen Mitarbeitern ist das anders – extern ist hier relativ, sie arbeiten schon sehr lange und hauptsächlich für uns, und waren auch schon vor Ort in Zürich. Ich würde sie eher als interne externe Mitarbeiter bezeichnen.

Was hat den mit der Agentur nicht wie gewünscht funktioniert?
Wir haben ein gewisses Mass an Enthusiasmus vermisst, was uns sehr wichtig ist. Wir brauchen Leute, die in der Sache mitdenken und selbst Ideen einbringen, und nicht solche, die einfach eine Aufgabe nach Vorgabe ausführen. Das ist bei Externen, die auf Stundenbasis Arbeiten für verschiedene Kunden erledigen, manchmal schwierig.

Inwieweit muss man denn Idealist sein, um für Wildbiene + Partner zu arbeiten?
Eine gute Frage. Ein gewisser Idealismus gehört sicherlich dazu, allein schon aus monetären Gründen. Wichtiger als Idealismus scheint mir aber eine Affinität für Nachhaltigkeits- und Biodiversitäts-­themen, die unsere Mitarbeitenden mitbringen sollten. Denn diese Themen sind für uns zentral. Gleichzeitig vertreten wir klar den Standpunkt, dass sich Nachhaltigkeit wirtschaftlich rechnen muss. Wir wollen auch in zehn Jahren noch tun, was wir tun, darum verfolgen wir ein Modell, das sowohl ökonomisch wie ökologisch Sinn macht.

Welchen Einfluss hat die Firmenphilosophie bei der Suche nach IT-Spezialisten?
Ich bin überzeugt, dass die Sinnhaftigkeit einer Arbeit für immer mehr Arbeitnehmende ein wichtiges Kriterium ist. Das können wir bieten, und das präsentieren wir auch so in unseren Stelleninseraten. Insofern denke ich, dass unsere Tätigkeit nebst anderen Benefits wie Flexibilität bezüglich Arbeitsgestaltung und Arbeitsort bei der Suche nach Mitarbeitenden einen Vorteil darstellt. Auf der anderen Seite haben wir inzwischen eine Grösse erreicht, in der wir Profile suchen, für die wir mit anderen attraktiven Arbeitgebern konkurrenzieren. Auch für uns ist es nicht einfach, die passenden Spezialisten zu finden.

Ich möchte nochmals auf die interne IT-Infrastruktur zurückkommen, wo Sie auf Google setzen und eine konsequente BYOD-Strategie fahren. Gibt es weitere Besonderheiten?
Da gibt es einige. Wir kommen bis auf die Endgeräte ja komplett ohne Hardware aus – diese Strategie sind wir von Beginn an gefahren. Ich wollte nie einen Server betreiben, weil ich wusste, dass das nur Probleme schafft. Mit BYOD konnten wir zum einen ohne grosse Hardware-Investitionen auskommen, zum anderen die Leute mit den Geräten arbeiten lassen, mit denen sie sich wohlfühlen. Beim ERP setzen wir mit Bexio auf eine Schweizer Lösung, weil Bexio damals der einzige echte SaaS-Anbieter in dem Bereich und ausserdem sehr günstig war. Heute ist die Situation allerdings so, dass wir Bexio langsam, aber sicher entwachsen – nicht zuletzt aufgrund unserer Internationalisierung, während Bexio auf die Schweiz fokussiert. Darum steht über kurz oder lang wohl ein ERP-Projekt an. Im Bereich der Eigenentwicklungen bewegen wir uns von klassischen Backend-PHP-Lösungen mit einem Frontend hin zu einer serviceorientieren Architektur. Wir wollen unsere Services – sprich den Statistik-Service für die Endkunden, den Logistik-Service rund um den Versand an die Obstbauern und den Bienen-Management-Service – technisch stärker modularisieren. Im Zuge dessen ist die Frage aufgetaucht, ob wir in der Cloud auch serverless werden können. Die Challenge ist, dass Modularität schnell dazu führt, dass man recht viele Server betreiben muss, einen pro Service und Umgebung – Entwicklung, Staging und Produktion. Also überlegen wir uns, anstelle eines Servers nur noch Maschinenzeit zu mieten – so wie Google das anbietet. Das Ziel ist, dass die Umgebungen nur dann bereitstehen, wenn wir sie benötigen.

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Was für Schuhe trug der gestiefelte Kater?
Antwort
Name
E-Mail
SPONSOREN & PARTNER