Fit für den Markt von morgen

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Artikel erschienen in IT Magazine 2018/10

Was lähmt Innovation?

Angst und nochmals Angst – dabei gilt es, zwischen psychologischen, organisationalen und kulturellen Barrieren zu unterscheiden.

Psychologische Barrieren: Am grössten ist wohl die Angst, zu versagen. Wer Neues wagt und scheitert, wird in unserer Gesellschaft schnell als "Versager" gebrandmarkt. Das hält viele Personen und Organisationen davon ab, radikal Neues zu denken und neue Wege zu beschreiten. Ein weiterer Faktor ist die Angst vor Kontroll- und Effizienzverlust. Innovationsprozesse lassen sich (von oben) nicht so leicht steuern wie etablierte Geschäftsprozesse. Sie sind stets mit Unwägbarkeiten verknüpft. Ausserdem sinkt bei ihnen zwischenzeitlich oft der Output. Das veranlasst viele Personen und Organisationen, lieber das Bestehende zu optimieren, weil sie diese Prozesse beherrschen und unter Kontrolle haben.
Die letzte Hürde ist die Angst vor Macht- und Kompetenzverlust. Innovation bedeutet, Neuland zu betreten. Das heisst: Denk- und Verhaltensmuster müssen hinterfragt und teilweise über Bord geworfen werden. Das bedeutet auch: Denk- und Verhaltensroutinen, die Sicherheit vermitteln, werden obsolet. Und das Erfahrungswissen der "alten Hasen" (auch in der Unternehmensführung)? Es verliert an Wert. Das macht vielen Angst.
Organisationale Barrieren: Organisationale Hindernisse sind Materialisierungen der genannten psychologischen Barrieren. Sie manifestieren sich in Unternehmen zum Beispiel in komplexen Genehmigungsverfahren (Angst vor Kontrollverlust) und in rigiden Plan- und Budgetvorgaben (Angst vor Versagen). Auch das Kompetenzgerangel, das oft in Zusammenhang mit Innovationsprozessen entsteht, ist Ausdruck einer psychologischen Barriere: der Angst vor Macht- beziehungsweise Einflussverlust.

Kulturelle Barrieren: Eine Voraussetzung für Innovation ist eine Kultur, die Fehlversuche erlaubt. In der Organisation muss ein Geist herrschen, wie er sich in folgender Anekdote über Edison manifestiert, der fast 9000 Versuche unternahm, bis die Glühbirne marktreif war. Als ein Mitarbeiter nach dem tausendsten Versuch zu Edison sagte "Wir sind gescheitert", erwiderte er: "Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine Glühbirne baut." Mit schwerfälligen Innovationsprozessen mit definierten Abläufen, Schnittstellen und klaren Regeln lassen sich nur Verbesserungen erzielen. "Echte" Innovationen erfordern andere Managementkonzepte.

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