Interview: "Digitalisierung und Automatisierung sind keine Schreckgespenster"

Interview: "Digitalisierung und Automatisierung sind keine Schreckgespenster"

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/12
Kommende, für die weitere Digitalisierung prägende Regulationen in Bereichen wie dem Datenschutz (CH-DSG, EU-DSGVO / GDPR) haben speziell auch Auswirkungen für die Schweizerische Post als grossen Datenverarbeiter?
Der Datenschutz ist für uns als vertrauenswürdige Mittlerin von Informationen, Geld und Gütern höchstes Gebot – heute und auch in Zukunft. Wir beziehen mit ein, was diesbezüglich auf europäischer Ebene gefordert ist. Die Post hat hier eine klare Strategie, die einerseits den Schutz der Daten, andererseits aber auch deren Verwendung regelt. Hier haben die staatsnahen schweizerischen Unternehmen einen potenziellen Vorteil gegenüber der internationalen Konkurrenz, die beim Datenschutz andere Massstäbe anwendet.

In der dynamischen Bedrohungslage bei Cyber Security ist speziell der elektronische Informationsaustausch beispielsweise per E-Mail ein Fokusthema. Wie kann man sich das vereinfacht im "analogen" Brief- und Paketverkehr der Post vorstellen? Was tun Sie bezüglich Präventionen bei Informationssicherheit, Fälschung, Identitätsmissbrauch, Phishing, gefährlichem Inhalt, Spam und Massenmails und Verschlüsselung?
Die "analoge Welt" ist mitnichten besser gefeit gegen Missbrauch, aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten ist es jedoch schwieriger, Missbrauch im grossen Stil zu betreiben. Als Betrüger kann ich innerhalb von Minuten Millionen von E-Mails verschicken, ohne dass für mich wesentliche Kosten entstehen. Die Post bietet deshalb auch in der digitalen Welt seit geraumer Zeit sichere Lösungen an: beispielsweise den verschlüsselten E-Mail-Dienst IncaMail oder die elektronische Identität SwissID, die wir in Zusammenarbeit mit den SBB entwickeln. Damit legen wir das Fundament für sichere, eindeutige Identifikation von Bürgern im digitalen Raum – und damit die Voraussetzung für eine sichere Abwicklung von elektronischen Prozessen mit Behörden und der Wirtschaft. Beispielsweise im Bereich E-Government.
Wie weit ist und geht die Schweizerische Post in Zukunftstechnologien wie Data Science, künstliche Intelligenz (KI / AI), IoT, autonome Systeme (Drohnen, Robotik), 3D-Druck und Apps / Bots (elektronischer Postschalter), welche auch die Logistik-Industrie nachhaltig ändern werden?
Wir wollen am Puls dieser neuen Entwicklungen sein. Deshalb verfolgt die Post aktiv die neusten Entwicklungen der Forschung und Technologie. Wir betreiben dazu sowohl ein Start-up-Monitoring bis ins Silicon Valley als auch eigene Initiativen, in denen wir uns mit solchen potenziell disruptiven Technologien auseinandersetzen. Das Ziel ist hier immer, das Potenzial zu erkennen und daraus ableiten zu können, welche Auswirkungen und Möglichkeiten sich daraus für unser Kerngeschäft ergeben. Wir wollen mit klarem Fokus Geschäftsmodelle mit einem Mehrwert für unsere Kunden identifizieren, ihre Akzeptanz am Markt testen und sie bei Erfolg einführen.

Die Herausforderungen der Schweizerischen Post gehen schon länger über den reinen Wettbewerb hinaus in die Richtung von neuen Technologien. Sind "neue Geschäftsmodelle" überhaupt noch möglich ohne neueste Technologien, Digitalisierung und Fokussierung auf auch flexible, mobile und zeitunabhängige Dienstleistungen?
Gänzlich neue Geschäftsmodelle sind heute fast immer an eine neue Technologie gebunden – auch bei der Post. Es gibt aber immer noch grosses Potenzial, Dienstleistungen intelligenter miteinander zu verknüpfen und den Kunden das Leben so zu vereinfachen. Das ist ein Feld, in welches wir viel Zeit investieren. Nicht immer sind Prozesse, die aus einer Innensicht heraus sinnvoll erscheinen, extern dann auch nachvollziehbar. Durch konsequenteres Kundenerfahrungsmanagement (Customer Experience Management) sind wir dabei, solche Widersprüche aufzudecken und unser Angebot entsprechend anzupassen. Dazu braucht es keine neuen Technologien, sondern eine neue Denkhaltung.

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