Interview mit Dr. med. Bettina Schlagenhauff

"Mögen die digitalisierenden Geister, die wir riefen, uns wohlgesinnt sein"

"Mögen die digitalisierenden Geister, die wir riefen, uns wohlgesinnt sein"

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/04
Wo stehen Sie zur Thematik «dynamische Technologie versus starre Regulierung»?
Viele neue Themen und auch regelrechte ­Hypes wie zum Beispiel die Digitalisierung in E-Health, Industrie 4.0, künstliche Intelligenz, Blockchain, nächste Generation von Telemedizin scheinen adaptierbarer zu werden und sollten nicht durch zu starre Regulierung behindert oder gar verhindert werden.

Wo sehen Sie spezielle praktische, technische oder organisatorische Heraus­forderungen in betroffenen oder Ihren eigenen Praxisbetrieben in Themen von E-Health, EPDG beziehungsweise übergeordnet bei der Digitalisierung?
Wichtig ist es, die folgende Unterscheidung zu machen: 1. Die elektronische Krankenakte (eKG) mit ihren Anbindungen an externe Laboratorien und Geräte, mit der wir bereits seit über 15 Jahren in unserer Praxis arbeiten und die eine grosse Erleichterung in der Patientenbetreuung mit sich brachte. Sie ist nicht mehr wegzudenken. 2. Das elektronische Patientendossier EPD ist etwas ganz anderes, es dient dem Informationsaustausch zwischen verschiedenen Akteuren, bestimmt durch vom Patienten selbst definierte Zugriffsrechte. Vermieden werden muss nun, dass Ärzte die Daten ihrer Patienten doppelt erfassen müssen, in der eKG und im EPD. Das klingt banal, ist aber eine nicht unerhebliche technische Herausforderung. Weitere Befürchtungen sind natürlich hohe Kosten und hoher Zeitaufwand für die Realisierung der E-Health-Projekte. Das ist Zeit, die für die Betreuung unserer Patienten fehlt.
Was macht die unermüdliche Arbeit in einem so wichtigen, generationsübergreifenden Thema interessant und motivierend?
Als Ärztin ist man in erster Linie dem Patienten verpflichtet. Darauf haben wir uns in der Ausbildung konzentriert. Wir möchten mit unserer Arbeit Patienten, Mitarbeiter und nicht zuletzt uns selbst zufrieden machen, unserem Leben und der praktizierenden Arbeit einen Sinn geben. Die neuen Technologien sollen also dazu dienen, eine Erleichterung der administrativen Arbeiten zu ermöglichen, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens zu verbessern und damit den Patienten effizienter und unproblematischer helfen zu können. Praktisch heisst das: schneller Informationsfluss, Vermeidung von Doppelspurigkeit bei Diagnostik und Therapie und auch schliesslich – ganz wichtig – Vermeiden von Missverständnissen in der Kommunikation.
Das ist unsere Motivation, mit der wir bestrebt sind, uns ständig zielstrebig weiterzuentwickeln, uns fortzubilden und offen für Neues zu sein, beispielsweise in der aktuellen Thematik vom EPDG. Wir arbeiten (zunehmend) vernetzt mit anderen kompetenten Institutionen, um unseren Patienten und Kunden eine vielseitige und individuelle Leistung anbieten zu können.
Schliesslich versuchen wir unsere Praxen als stabile, gesunde Unternehmen zu führen. Denn nur auf diese Weise können wir Investitionen in Innovationen – und speziell auch solche eher disruptiven Entwicklungen im E-Health- / Digitalisierungs-Thema – für unsere Patienten und Kunden sowie die Förderung unserer Mitarbeiter garantieren.

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Wie hiess im Märchen die Schwester von Hänsel?
Antwort
Name
E-Mail
SPONSOREN & PARTNER