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Firmengründer müssen als Person überzeugen

Firmengründer müssen als Person überzeugen

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/10

Dramatisierte Firmenpleiten

Die gleichen eklatanten Unterschiede gibt es in Bezug auf die Anzahl der Konkurse von Unternehmen, welche die Medien jeweils genüsslich publizieren. Gemäss dem Bundesamt für Statistik mussten letztes Jahr 1500 Firmen ihre Geschäftstätigkeit wegen Organisationsmängeln aufgeben. Sie wurden gemäss dem Konkursverfahren aufgelöst, obwohl sie nicht zahlungsunfähig waren. In der gleichen Zeit wurde gegen 13’000 Firmen offiziell ein Konkurs eröffnet. Viel harmloser präsentiert sich die Konkursstatistik von Bisnode D&B für das gleiche Jahr. Gemäss dieser verschwanden rund 1600 Firmen aufgrund von Organisationsmängeln und 4400 Firmen schlitterten in ein Insolvenzverfahren. In Bezug auf die Konkurszahlen vom Vorjahr bescherte dies den Medien die Schlagzeile «Firmenpleiten nahmen um 7 Prozent zu».

Fähige Neugründer und Neugründerinnen sollten deswegen ihre Businesspläne nicht gleich begraben – das Risiko eines möglichen Misserfolges aber auch nicht gänzlich ignorieren oder verdrängen. Denn die Überlebenschancen von neu gegründeten Unternehmen sind über alles gesehen tatsächlich nicht rosig: Ein Jahr nach der Gründung ist schon ein Fünftel der Unternehmen wieder vom Markt verschwunden. Drei Jahre nach der Gründung existieren nur noch zwei Drittel – und fünf Jahre nach der Gründung gerade noch die Hälfte. Das zeigt eine schon vor Jahren vom Bundesamt für Statistik durchgeführte Untersuchung, die wohl auch heute noch gültig sein dürfte (siehe Tabelle auf dieser Seite). In der Realität machen jährlich aber mehr Firmen dicht als jede Statistik ausweist – ganz regulär, ohne Konkursverfahren. Sie schliessen meist still und leise ihre Türen: etwa aus Altersgründen, brutalem Konkurrenzdruck, weil sie nicht länger zahlungsunfähigen Kunden nachrennen oder als Working Poor ihr Leben fristen wollen. Oder einfach, weil die Firmeninhaber (zu spät) merken, nicht als Unternehmer geboren worden zu sein.

IT-Dienstleister erfolgsverwöhnt

Die Erfolgschancen von Neuunternehmen hängen natürlich auch von der Branche ab: Befindet sich diese in einem tiefgreifenden Strukturwandel, kämpft sie mit Überkapazitäten und ist einem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt, können neue Unternehmen oft nur schwer im Markt Fuss fassen. Zu den schwierigen Branchen gehören mit Blick auf die Konkursstatistik seit Jahren das Bau- und Gastgewerbe und generell Handwerksbetriebe. Weit unterdurchschnittlich Pleite gehen dagegen Informatikdienstleister (siehe Zahlen in der Bildstrecke auf Seite 1).

Aber selbst in Problembranchen ist es möglich, ein erfolgreiches Business aufzubauen. Das zeigen viele Positivbeispiele. Dies gelingt, wenn sich Neugründer und -gründerinnen vor dem Firmenstart seriös mit den erkannten Erfolgsfaktoren für ein prosperierendes Business auseinandersetzen. Dazu gehören idealerweise ein Hineinwachsen in den Unternehmeralltag im Rahmen einer Teilzeitselbständigkeit, fundierte Marktanalysen mit Worst-Case-Szenarien und der Fokus auf die wahren Bedürfnisse der Zielkunden.

Dieser Hinweis ist eigentlich höchst banal. Doch etliche Personen auf dem Weg in die berufliche Selbständigkeit kümmern sich in der Planungsphase zu stark um irrelevante Dinge. Sie beschäftigen sich mit Nebensächlichkeiten. Etwa mit der Gestaltung des Flyers zur Firmeneröffnung, den Leasing-Konditionen für den Geschäftswagen, der Suche nach der günstigsten Rechtschutzversicherung. Auch das ist wichtig – für den Start einer selbständigen Erwerbstätigkeit aber nicht erfolgsentscheidend.

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