CIO-Interview- «Ich hatte noch nie eine so geringe Budgetkompetenz»

CIO-Interview- «Ich hatte noch nie eine so geringe Budgetkompetenz»

Artikel erschienen in IT Magazine 2014/06
Das tönt kreativ.
Das ist kreativ. Man denkt bei IT zwar immer an Nullen und Einsen, aber Informatik ist überaus kreativ. Ein weiteres Beispiel dafür ist auch folgendes Projekt: Bei den Helikoptern sind wir heute praktisch in allen Bereichen an der Grenze des Möglichen angelangt, sowohl was die Geschwindigkeit wie auch die Leistungsfähigkeit angeht. Das einzige, was uns noch fehlt, ist die Allwettertauglichkeit. Bessere Wetterinformationen bei der Einsatzvorbereitung im Büro bis hin ins Cockpit würden Rettungsflüge ermöglichen, die wir heute nicht durchführen können. Und hier kommt die IT ins Spiel. Wir müssen es schaffen, so viele lokale Wetterinformationen wie möglich so aufzubereiten, dass diese dem Piloten möglichst jederzeit und überall zur Verfügung stehen. Er muss letztlich beurteilen können, ob er fliegen kann oder nicht. In dem Projekt, das wir nun lanciert haben, geht es vereinfacht ausgedrückt darum, den Piloten Korridore aufzuzeigen, durch die sie auf Sichtdistanz fliegen und zu den Spitälern gelangen können. Dazu nutzen wir unter anderem auch Daten von Webcams. Mittels automatischer Bilderkennung wollen wir es schaffen, die Sichtdistanz auszulesen und in das Datenmaterial für den Piloten mit ein-
fliessen zu lassen. Mit solchen und ähnlichen Informationen wollen wir letztlich erreichen, dass wir dem Piloten im Cockpit eine Art Tunnel aufzeigen können, durch den er auf Sichtdistanz von A nach B fliegen kann. Die Idee haben wir in der Basis von den Römern und ihren Römertürmen entlehnt. Melden wir dem Helikopter quasi Sichtkontakt von einem Turm zum nächsten, dann kann er durchfliegen. Und diese Informationen könnten dann auch Dritten zugänglich gemacht werden.

Die Entwicklung solcher Lösungen ist sicher nicht ganz billig. Müssen Sie sich als CIO einer gemeinnützigen Organisation für solche Projekte stärker rechtfertigen, als dass Sie dies bei einem herkömmlichen Unternehmen müssten?
Ich muss mich für jedes Projekt rechtfertigen, und das ist auch richtig so, denn die Rega steht nun mal im Fokus. Aber die Situation ist schon etwas speziell. Ich hatte noch bei keiner Station meiner beruflichen Laufbahn eine so geringe Budgetkompetenz. Das Budget, über das ich selbst bestimmen kann, liegt im tiefen vierstelligen Bereich. Für Beträge darüber braucht es eine zweite Unterschrift, je nachdem von meinem Stellvertreter, meinem Vorgesetzten oder gar zusätzlich dem CEO. Am Anfang habe ich mich recht schwer getan mit dieser Situation, inzwischen schätze ich dieses Vier-Augen-Prinzip aber.
Mit welchem Gesamtbudget operieren Sie?
Mit rund 5 Millionen Franken, wobei dies stark abhängig ist von laufenden Projekten.

Was reizt Sie an Ihrem Job am meisten?
Dass das, was wir hier bei der Rega zugunsten der Gönner und Patienten machen, sinnhaft ist. Es gab bis jetzt hier noch keine Aufgabe, die für mich keinen Sinn machte. Es kommt ab und zu vor, dass Personen, die gerettet wurden, das Bedürfnis haben, uns zu besuchen. Bei solchen Begegnungen wird einem bewusst, was wir auslösen können. Natürlich machen wir IT, eine an sich trockene Materie, aber unsere Projekte können letztlich mithelfen, Menschen zu retten.

Und wo liegt die grösste Herausforderung als Rega-CIO?
Ein Projektbewusstsein in der Firma zu verstärken und zu festigen. Bei der Rega arbeiten Mitarbeiter unterschiedlichster beruflicher Herkunft, die eine unterschiedliche Arbeitskultur mitbringen. Wir in der IT sind angewiesen auf methodisches, zielgerichtetes Vorgehen mit einer auf Langfristigkeit ausgelegten Optik. In der Einsatzzentrale beispielsweise arbeiten Menschen, die auf teils unklaren Angaben basierend sehr schnell reagieren und rasch entscheiden müssen. Also weniger im Sinne eines Planers, sondern vielmehr als Problemlöser. Diese beiden Arbeitskulturen arbeiten in Projekten zusammen, und hier einen gemeinsamen Nenner zu finden, ist hochspannend und manchmal eine ziemliche Herausforderung. (mw)
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