Adieu Brief und Fax

Adieu Brief und Fax

Artikel erschienen in IT Magazine 2013/03

Externer Dienstleister oder eigene EDI-Lösung?

Ist der grundsätzliche Entscheid für den elektronischen Datenaustausch gefallen, muss eine passende Lösung ausgewählt werden. Dabei lassen sich prinzipiell zwei Varianten unterscheiden. Zum einen ist es möglich, den Austausch von Dokumenten über die Plattform eines externen Dienstleisters abzuwickeln. In diesem Fall wird das eigene ERP-, Logistik- oder Produktionssystem mit der existierenden Schnittstellentechnologie über eine abgesicherte Standleitung an die Plattform des Anbieters angebunden. Dieser nimmt die Daten 1:1 entgegen und stellt sie in einem Format bereit, dass das System verarbeiten kann. Comarch oder Crossgate (zwischenzeitlich von SAP aufgekauft) bieten zum Beispiel Netzwerke an, über die schon zahlreiche B2B-Unternehmen angebunden sind. Dadurch lassen sich Beziehungen zu Geschäftspartnern sehr schnell aufbauen und Dokumente sehr einfach austauschen. Der Nachteil: Sind nur wenige der eigenen Geschäftspartner bei den Plattformen angemeldet, müssen diese in einem Initialisierungsprojekt zunächst angebunden werden, was mit einem grösseren Aufwand und einer gewissen Laufzeit verbunden ist.
Sollten beim elektronischen Datenaustausch viele individuelle Modifikationen und spezielle Formate gefordert sein, kann ein Dienstleister interessant werden, der speziell darauf ausgelegt ist und neben den Formatmappings – bei denen die systemspezifische Nachricht in die EDI-Struktur gebracht und an die Vorgaben angepasst wird – auch den organisatorischen Anbindungsprozess mit dem Geschäftspartner übernimmt. Das leistet beispielsweise der Anbieter Axway, der international aufgestellt ist und so individuelle Verbindungen samt passender Mappings zwischen Geschäftspartnern in nahezu allen Ländern herstellen kann.
Zum anderen kann in die bestehende Systemlandschaft eine eigene und exakt auf den spezifischen Bedarf zugeschnittene EDI-Lösung integriert werden. Am Markt etabliert haben sich vor allem der Business Integration Server von Seeburger (Seeburger BIS) und der Tradesync Integration Manager von Axway (Axway TSIM). Während der Implementierung einer dieser Lösungen müssen auf der einen Seite sämtliche Systeme des Unternehmens angebunden werden, die Dokumente erzeugen oder verarbeiten sollen – also auf jeden Fall das ERP-System, je nach Situation auch das Logistik-, Produktions- oder das Finanz­system. Auf der anderen Seite müssen Verbindungen zu den EDI-Systemen der einzelnen Geschäftspartner hergestellt werden. Das alles ist zwar anfangs deutlich aufwendiger als die Plattform eines externen Dienstleisters zu nutzen. Die Austauschprozesse können dafür aber weitgehend an den eigenen Bedarf angepasst werden. Hilfreich ist das beispielsweise, wenn beim Transport von Waren spezielle Verpackungsvorschriften beachtet werden sollen.
Statt einer spezialisierten EDI-Lösung kann auch eine bestehende Integrationsplattform für den Datenaustausch verwendet werden. Denn bestand in der Vergangenheit eine strikte Trennung von unternehmensinterner und unternehmensübergreifender Integration, so haben die Hersteller mittlerweile ihre meist als EAI-Plattformen bezeichneten Lösungen um EDI-Fähigkeiten ergänzt. Nach dem Erwerb der Kommunikationsadapter von Itelligence bietet nun etwa SAP mit SAP Netweaver Process Integration (SAP PI) eine vollwertige und umfassende Datendrehscheibe an. Vorteilhaft ist die Nutzung einer solchen Integrationsplattform, weil auf bereits erworbenes Know-how aufgebaut werden kann.

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