CIO-Interview: «Mir kommt oft die Rolle des Salomo zu»

CIO-Interview: «Mir kommt oft die Rolle des Salomo zu»

Artikel erschienen in IT Magazine 2012/10
Die Arbeit mit vielen kleineren Partnern kann auch eine Herausforderung sein, oder nicht?
Schwierig wird es vor allem dann, wenn ein Problem ansteht. In unserer IT-Infrastruktur kann ein Problem theoretisch auf so vielen unterschiedlichen Ebenen liegen, dass es schwierig wird, zu definieren, wer für seine Lösung zuständig ist. Wenn ich ein Problem und einen Full-Service-Provider habe, ist relativ klar, wer das Problem zu lösen hat. Bei vielen Partnern aber besteht die Gefahr, dass sich niemand für das Problem zuständig fühlt oder der Partner es auf einen Bereich abschiebt, für den er nicht zuständig ist. Und so kommt mir oft die Rolle des Salomo zu, der ein schwieriges Urteil fällen muss – da bedarf es dann einer gewissen Weisheit, Geschick und vor allem IT-Know-how, um fundierte Entscheidungen zu treffen.

Nach welchen Kriterien haben Sie denn die Partner ausgewählt?
Zum einen haben wir natürlich bestimmte Guidelines und Standard-Prozesse für die Wahl von Partnern. Dann aber haben wir für jedes IT-Projekt mit potentiellen Partnern Interviews geführt und geschaut, ob sie unsere Bedürfnisse und – für mich besonders wichtig – unsere internationale Kultur verstehen. Zudem wollten wir so herausfinden, ob die potentiellen Partner die speziellen Umstände bei uns verstehen. Bei uns hat jedes Problem höchste Priorität, weil sämtliche Prozesse eng miteinander verknüpft und voneinander abhängig sind. Wir haben also darauf geschaut, wie dynamisch und kreativ ein Partner ist und ob er unsere Komplexität wirklich versteht. Weiter ist auch das Personal des möglichen Partners sehr wichtig, da man schliesslich nicht nur mit der Firma, sondern auch mit den Technikern und Ingenieuren zusammen arbeiten wird. Deshalb ist es jeweils mein Ziel, mit sämtlichen Mitarbeitern zu sprechen, welche in den entsprechenden Auftrag involviert werden – angefangen vom First-Level-Supporter bis hin zum Account Manager.
Auffallend ist, dass Nord Stream – trotz der Internationalität des Projekts – IT-seitig häufig auch mit lokalen Partnern arbeitet. Geschieht das bewusst?
Sicher könnte ich auch Applikationen in Pakistan schreiben lassen. Doch wenn es möglich ist, versuche ich mit einem Partner in der Schweiz zu arbeiten. Der Grund dafür ist ganz einfach: Die Kommunikation mit einem lokalen Partner ist viel einfacher. Der Planungsaufwand mit einem Partner, der weiter weg ist, ist viel grösser. Sicher gibt es moderne Kommunikationsmittel, um Distanzen zu überbrücken, aber ich selbst schätze noch den persönlichen Kontakt, gerade bei einem solch dynamischen Projekt. Vielleicht bin ich diesbezüglich etwas altbacken (lacht…). Natürlich haben wir auch Partner im Ausland. So etwa für unsere Standorte in Deutschland und Russland, aber teilweise auch, weil wir die gleiche Dienstleistung im Ausland deutlich günstiger als in der Schweiz bekommen haben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine IT-Dienstleistung in der Schweiz gut und gerne drei Mal mehr kostet als im benachbarten Ausland, und manchmal rechtfertigt die geographische Nähe den höheren Preis einfach nicht.

Swissness spielt bei Ihren Überlegungen auch eine Rolle?
Auf jeden Fall. Ich bin begeistert von der Schweizer Mentalität und davon, wie der Schweizer arbeitet. Ich finde in der Schweiz höchste Qualität, und das passt zu uns als Unternehmen.

Sie haben vorher erwähnt, das Pipeline-Projekt gehe nun in die Operations-Phase über. Welche Projekte stehen denn bei Ihnen noch an?
Wie erwähnt wollen wir die ISO-27001-Zertifizierung über die Bühne bringen. Dann sind wir mit unserem Partner Connectis daran, unsere Standorte im Ausland mit verbesserter Infrastruktur etwa im Bereich VoIP oder mit besserer Redundanz auszubauen. Und letztlich geht es heute auch darum, unsere IT fit zu machen für den operationellen Betrieb. Viele Bereiche unserer IT-Infrastruktur mussten so rasch wie möglich in Betrieb genommen werden und erst jetzt haben wir die Zeit, die IT- und die damit zusammenhängenden Prozesse zu optimieren und zu verbessern.

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