CIO-Interview: «Wir entwickeln und betreuen unser ERP selbst»

CIO-Interview: «Wir entwickeln und betreuen unser ERP selbst»

3. Juni 2012 - Peter Hagen, Leiter Informatik bei Planzer, arbeitet mit einem selbst entwickelten ERP und setzt auf Quereinsteiger – am liebsten auf solche aus dem eigenen Unternehmen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2012/06
CIO-Interview: «Wir entwickeln und betreuen unser ERP selbst»
Peter Hagen (48) ist seit 15 Jahren Leiter IT beim Logistikunternehmen Planzer. Zuvor war er während zehn Jahren als Entwickler und Projektleiter in einem kleinen Software-Haus in Luzern tätig. Das Familienunternehmen Planzer ist ein namhafter Logistiker der Schweiz mit rund 3700 Mitarbeitern, knapp 1000 eigenen Fahrzeugen und rund 50 Filialen. (Quelle: Pflanzer)
Swiss IT Magazine: Wie viel IT findet man bei einem Logistikunternehmen wie Planzer?
Peter Hagen:
Ein Logistikbetrieb benötigt sehr viel IT, ansonsten macht er etwas falsch, weil eine ausgeklügelte IT-Infrastruktur direkt mit dem Erfolg des Unternehmens verknüpft ist. Planzer hat rund 50 Standorte in der Schweiz, die alle vernetzt sind. Für die Arbeitsplätze setzen wir auf die klassischen IT-Komponenten, die es für eine Client-/Server-Infrastruktur braucht. Zusätzlich sind alle unsere Lastwagen mit der Zentrale vernetzt. Und wir besitzen insgesamt zehn Hochregallager, die ebenfalls durch die IT gesteuert werden, genauso wie Behälterlager, Förder- und Paketanlagen und die Kommissionierung. Letztlich ist der gesamte Prozess der Lagerung, des Co-Packing und des Transports automatisiert und IT-gesteuert. Ausserdem kümmern wir uns um die Telefonie, den Internetauftritt inklusive Track&Trace, die mobilen Clients, spezielle IT-Tools für unsere Kunden, damit sie Aufträge erfassen oder Lagerbestände abfragen können, und natürlich um die ganzen Software-Lösungen. Wir haben also relativ viel IT im Haus, und wir versuchen auch, jeden Prozess und jeden neuen, grösseren Kunden schnellstmöglich IT-mässig zu optimieren.
Wie gross ist Ihr Team, mit dem Sie diese Aufgaben erledigen?
Hier in der Zentrale in Dietikon arbeiten 30 Leute in der IT – inklusive Lehrlinge. Unsere Hauptapplikationen für Transport sowie Lager und Mehrwertdienstleistungen – unser ERP-System also – entwickeln und betreuen wir selber. In gewissen Bereichen, etwa bei der Fahrzeugkommunikation oder den ganzen Internet-Tools, die am ERP hängen, arbeiten wir mit Partnern zusammen. Die Konzeption für diese Lösungen, die übrigens alle individuell entwickelt werden, machen dabei aber ebenfalls wir – unter anderem deshalb, weil diese Komponenten stark in unser ERP integriert sind. Bei Applikationen wie Buchhaltung oder Personalverwaltung – bei allem, was nicht zum Kerngeschäft gehört – arbeiten wir derweil mit Standardlösungen. Von meinen 30 Mitarbeitern arbeiten rund zehn in der Entwicklung und zehn weitere in der Infrastruktur. Ausserdem haben wir vier Projektleiter, und der Rest verteilt sich auf Lernende und Administration.

Weshalb entwickelt man in der heutigen Zeit noch selbst ein ERP?
Die Lösung, die wir heute nutzen, wurde im Jahr 2000 eingeführt. Damals haben wir intensiv nach einem Standardprodukt gesucht – leider erfolglos. Es gab auf dem Markt keine Lösung, die gepasst hat. Die Herausforderung in unserem Geschäft liegt darin, dass wir kein Produzent sind, und uns entsprechend sämtliche Stammdaten fehlen. Unsere Kunden kommen aus allen möglichen Branchen, und wir liefern alle Arten von Waren. Jede Standard-Software hingegen ist irgendwo spezialisiert auf einen bestimmten Bereich. Ein Logistiker müsste dieses Produkt also für viel Geld so umbauen, dass es die ganze Palette abdeckt. Eine Eigenentwicklung macht da in unseren Augen viel mehr Sinn. Ausserdem ergeben sich durch die Eigenentwicklung viele Vorteile für uns. Wir können schnell reagieren, beispielsweise auf neue Kunden mit neuen Anforderungen. Ausserdem können wir individueller auf unsere Kunden eingehen. Wir haben dank dieser Vorteile auch schon Kunden gewonnen, die wir sonst vielleicht nicht hätten gewinnen können. Sicher ist eine Eigenentwicklung keine günstige Lösung, sie ist aber auch nicht teurer als ein aufwendig angepasstes Standardprodukt.
 
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