Prof. Niklaus Wirth fordert Programmierunterricht an Gymnasien

Prof. Niklaus Wirth fordert Programmierunterricht an Gymnasien

2. April 2011 - Am zweiten Schweizer Tag für den Informatikunterricht wurde Informatikpionier Prof. Niklaus Wirth vom Ausbildungs- und Beratungszentrum (ABZ) der ETH Zürich für seine langjährigen Verdienste in der Informatikausbildung mit der Goldplatinmedaille ausgezeichnet. In seiner hier wiedergegebenen Rede fordert Wirth die Einführung des Programmierunterrichts an unseren Gymnasien.
Artikel erschienen in IT Magazine 2011/04

Warum ist Programmieren wichtig?

Ob Informatik in diesem grundlegenden Sinn an Primarschulen vermittelt werden soll? Ich bin davon nicht so recht überzeugt. Wichtig erscheint mir jedoch die Einführung vor allem an den Gymnasien. Entscheidend ist dabei der konstruktive Teil, das Programmieren. Warum?
Programmieren ist gleichsam Konstruieren in Reinkultur. Wir bauen, erstellen Maschinen, abstrakte Maschinen zwar, die jedoch durch Computer „als erste Unterlage“ zum Funktionieren gebracht werden (oder auch nicht!). Dieses Konstruieren ist die Essenz jedes Ingenieurberufs und manch anderer Berufe auch. Es erzieht zu sehr genauem Planen und exaktem Denken, auch zu Bescheidenheit in der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten dazu. All dies scheint mir heutzutage unabdingbar zur viel gepriesenen Allgemeinbildung zu gehören, welche unsere Gymnasien zu vermitteln beabsichtigen. Es ist bekannt, dass deren Lehrpläne stark, allzu stark auf Sprachen und analytisches Denken ausgerichtet sind, wobei heute auch Naturwissenschaften sehr stiefmütterlich behandelt werden. Konstruktives Denken– verkörpert durch das Programmieren – fehlt gänzlich.
Die Fähigkeit, konstruktiv zu arbeiten, neue Dinge zu entwerfen und zu realisieren, ist für eine moderne Industriegesellschaft essentiell. Damit geht auch ein Verstehen der Prinzipien einher, die unsere reale Welt bewegen. Die aktuelle Vernachlässigung von Naturwissenschaften und Technik, eingeschlossen Informatik, führt unweigerlich zu einer Generation, die ihre Welt nicht mehr versteht, und die damit zusehends abhängig und beeinflussbar wird.
Es ist Zeit, dieser unheimlichen Entwicklung Einhalt zu gebieten. Den Anfang müssen unsere Schulen machen.»
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