cnt

Kolumne: Schafft Künstliche Intelligenz den Chef ab?

Christopher Grosse-Beilage über die Rolle von IT-Leitern in den Führungsetagen angesichts von KI.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2026/03

     

Sie kann Daten sammeln, aufbereiten und selbst zu analytischen Antworten kommen, viele Prozesse beschleunigen und vor allem administrative und nicht minder zeitaufwändige Arbeiten übernehmen. Sie ahnen es, die Rede ist von Künstlicher Intelligenz. Vor allem für Führungskräfte, deren Hauptaufgabe darin besteht, jeden Tag Entscheidungen zu treffen, die unmittelbaren Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens haben, scheint KI auf den ersten Blick wie eine echte Konkurrenz. Aber weit gefehlt: Denn Entscheidungen müssen heute nicht nur schnell, sondern auch datenbasiert getroffen werden. Wer sich allein auf seine Intuition verlässt, führt zunehmend blind. Das können sich Unternehmen im Wettbewerb nicht leisten.

Dies als Grundlage genommen, bedeutet das allerdings nicht, dass die Führungsriege von morgen ausschliesslich aus IT-Experten bestehen wird. Die Chance ist allerdings sehr hoch, dass Positionen wie der Chief AI Officer (CAIO) oder in einem umfassenderen Aufgabenprofil der CIO in ihren Rollen aufgewertet werden und künftig ein noch gewichtigeres Element in den Führungsetagen der Unternehmen sein werden.


Führungskräfte werden verstehen müssen, wie KI funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und wie sie verantwortungsvoll eingesetzt werden kann. Gleichzeitig bleibt Empathie zentral: Nur wer menschliche Werte mit datengetriebenen Entscheidungen verbindet, wird Vertrauen bei Mitarbeitern, Investoren und Kundinnen schaffen.
Die Studie «Towards The C-Suite 2035» zeigt, dass 84 Prozent der Entscheider in Europa KI als wichtigste Fähigkeit bis 2035 sehen, aber bislang fehlt noch ein systematischer Kompetenzaufbau, um dieses Ziel in zehn Jahren nachhaltig zu erreichen.

Gerade Routineentscheidungen und Analysen sollten von Entscheidern an Systeme delegiert werden. Im Umkehrschluss gewinnen die Firmenlenker neue Freiheiten, um etwa Visionen zu entwickeln, Transformation zu steuern, die Kultur im Haus zu prägen und Stakeholder umfänglich einzubinden.


Nicht zuletzt vor dem Hintergrund volatiler Marktbedingungen und neuer Wettbewerber, die mit neuen Lösungen auf den Markt drängen, braucht die Führungskraft 2035 die nötige Beinfreiheit. Wir sehen zudem, dass Tech-Experten, die heute vielleicht noch mit operativen Tätigkeitsfeldern aktiv und vor allem mit Umsetzungsaufgaben betraut sind, in wenigen Jahren zu denjenigen gehören, die Entscheidungen treffen. Ein Vergleichsbild an der Stelle: Im Automotive-Bereich war es viele Jahre so, dass einer der Ingenieure irgendwann im Verlauf der Karriere zum CEO aufgestiegen ist. Durch die neuen Technologien und ihren Einfluss auf Geschäftsmodelle könnten die Ingenieure von einst heute IT-Experten sein, die branchenübergreifend die CEOs von morgen werden.
Christopher Grosse-Beilage ist mit mehr als zehn Jahre Branchenerfahrung im Personalberatungsbereich ­tätig und verfügt über ein tiefes Marktverständnis. Der studierte ­Betriebswirt leitet den IT-Bereich Nord-West-Germany bei Robert Half.


Artikel kommentieren
Kommentare werden vor der Freischaltung durch die Redaktion geprüft.

Anti-Spam-Frage: Vor wem mussten die sieben Geisslein aufpassen?
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER