Try & Hire: Generalprobe für Mitarbeitende

Try & Hire: Generalprobe für Mitarbeitende

4. Juni 2022 - Probieren und erst dann einstellen: ist Try & Hire ein Trend, der zurecht erfolgeich ist, oder ein Schlupfloch für entscheidungsschwache Vorgesetzte? René Cretin hat dazu eine klare Meinung.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/06
René Cretin (Quelle: Rent a Person Personalberatungs AG)
Sind wir mal ehrlich – wer kauft schon gerne die Katze im Sack? Ich nicht, ich bin eher der Typ «testen, reflektieren, entscheiden», vor allem wenn es um grössere und langfristige Investitionen geht. Man stolpert ja auch nicht in ein Autohaus und kauft sich einen nigelnagelneuen Flitzer, ohne eine Ausfahrt damit gemacht zu haben. Probieren und erst dann einstellen, nach diesem Prinzip funktioniert auch die Anstellungsform Try & Hire. Arbeitgeber können ihren Mitarbeitenden während einer Kennenlernphase auf den Zahn fühlen. Erst nach mehreren Monaten entscheiden sie, ob es zu einer festen Zusammenarbeit kommt. Das Konzept ist in der Schweiz ziemlich populär. Ist Try & Hire einfach eine verzögerte Entscheidungsfindung für Vorgesetzte, die nicht wissen, was sie wollen, oder ein Trend, der zu Recht so erfolgreich ist?

Try & Hire ist ein Mix zwischen Fest- und Temporäranstellung, so quasi eine Generalprobe mit qualifizierten Mitarbeitenden. Der Personaldienstleister fungiert dabei als Headhunter, schlägt geeignete Kandidaten vor und stellt die passende Person während der Probezeit an. Arbeitgebende entscheiden erst nach mehreren Monaten, ob sie zufrieden sind und langfristig mit der Person zusammenarbeiten möchten. Die Dauer des Kennenlernens kann dabei deutlich länger sein als die sonst übliche Probezeit. Nach dieser Testphase (try) kann der Mitarbeiter übernommen werden (hire) und der Zeitarbeitsvertrag geht direkt in eine Festanstellung über. Würde das Unternehmen den Kandidaten hingegen von Anfang an fest anstellen und nach einer Woche sehen, dass die Zusammenarbeit nicht funktioniert, hat es die hohen Rekrutierungskosten und den administrativen Aufwand umsonst gehabt. Bei Try & Hire liegt der Aufwand beim Zeitarbeits­unternehmen. Das Prinzip ist vor allem für Stellen geeignet, die komplex zu besetzen sind und besondere Anforderungen mit sich bringen. Ich denke dabei vor allem an die mittlere Führungsebene. Nicht selten ist bereits eine Fehlbesetzung oder eine ärgerliche Fehleinschätzung vorausgegangen, die nicht nur Nerven, sondern auch Zeit und Geld gekostet hat. Mit Try & Hire kann dieses Risiko reduziert werden.
Kritische Stimmen behaupten, Try & Hire sei der nette Ausdruck für Try & Fire und Stellensuchende sollen lieber die Finger davon lassen. Klar, auf den ersten Blick mag es zwiespältig erscheinen. Ich sehe jedoch auch für Arbeitnehmende klare Vorteile. Man kann den neuen Chef und die Teamkollegen in Ruhe kennenlernen und schauen, ob die Chemie und das Anforderungsprofil stimmen. Gefällt der neue Job nicht, ist man ruckzuck wieder raus. Try & Hire kann auch ein Sprungbrett für die Karriere sein. Komplexe Positionen werden leichter zugänglich, da die Bindung zunächst nur auf ein paar Monate angelegt ist. Weiter können Mitarbeitende prüfen, ob die versprochenen Vereinbarungen umgesetzt werden. So entsteht eine solide Grundlage für eine erfolgreiche und zielführende Zusammenarbeit.
 
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