Kann man bis zur Pensionierung im ICT-Beruf bleiben?

Kann man bis zur Pensionierung im ICT-Beruf bleiben?

7. Dezember 2014 - Interviews: Marcel Gamma

Drei führende Vertreter von Migros, Telecom Liechtenstein und Netcetera über die Informatiker-Generation «50+» aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmersicht.
Artikel erschienen in IT Magazine 2014/12
Wie schätzen Sie die Branchenstimmung ein: Sind in der sehr dynamischen ICT speziell viele Arbeitgeber altersscheu?
Andrej Vckovski, Netcetera (AV):
Ich denke, dass beim Einstellen für die meisten Arbeitgeber das Alter per se keine grosse Rolle spielt. Lohnforderungen und Kompetenzen hingegen schon.
Martin Haas, Migros (MH): Eine Gesamtbeurteilung möchte ich nicht wagen. Ich könnte mir vorstellen, dass junge IT-Firmen eher in der jüngeren Altersklasse IT-Spezialisten suchen und auch finden. In der Migros IT-Services zeigt die Verteilung etwa folgende Grössenordnungen: 20% der Mitarbeitenden sind unter 35; dann die Hälfte im Alterssegment 35 bis 50 und 30% im Segment 50 plus. Massgebend sind wahrscheinlich auch die Aufgaben einer Informatik-Abteilung: Entwicklung, Betrieb etc.
Hanspeter Graf, Telecom Liechtenstein (HPG): Ob die Branche altersscheu ist, möchte ich gar nicht bewerten. Wenn es so wäre, täte sie sich selbst keinen Gefallen. Nur ein Aspekt: Der Kunde mit seinen Anforderungen und Bedürfnissen sollte im Mittelpunkt des Handelns einer Unternehmung im ICT-Umfeld stehen. Aufgrund der demographischen Entwicklung steigt die Zahl der älteren Kunden stetig. Diese sogenannten jungen Alten sind heute weitaus fitter in solchen Dingen als noch vor fünf oder zehn Jahren, aber gerade ICT-Mitarbeiter aus der gleichen Generation sind hier sicherlich bei Fragen und in Sachen Wissenstransfer vielfach näher bei dieser Zielgruppe.
In den Kommentarspalten von Online-Medien heisst es oft, die Branche bevorzuge jüngere, billigere Arbeitskräfte. Was halten Sie davon?
AV:
Wenn man die Wahl zwischen zwei genau gleich qualifizierten und erfahrenen Personen hat, ist verständlich, dass die günstigere eingestellt wird. Das Problem in der Realität ist, dass man nie vor solch einer Wahl steht. Es gibt immer Unterschiede, und die gilt es zu bewerten. Ist die Erfahrung mehr wert als ein tiefer Einstiegslohn? Ich glaube nicht, dass man solche Fragen allgemein beantworten kann.
MH: Ob teuer oder günstiger scheint mir nicht die richtige Fragestellung zu sein. Man müsste umgekehrt den Wert von gut ausgebildeten und erfahrenen IT-Fachkräften herausstreichen. Zudem denke ich, dass hier die Branche nicht als Ganzes sich so oder anders verhält, sondern abhängig von den Bedürfnissen in der IT-Einheit Fachkräfte gesucht werden.
HPG: Für uns sind nicht das Alter, sondern die Fähigkeiten des Einzelnen für eine zu besetzende Position entscheidend. Dementsprechend trifft dies für uns nicht zu und ist für uns auch nicht nachvollziehbar.
 
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