Start-up Techdistrict: Mit türkischen IT-Teams gegen den Fachkräftemangel

Start-up Techdistrict: Mit türkischen IT-Teams gegen den Fachkräftemangel

29. Februar 2020 - Während in der Schweiz IT-Fachkräfte händeringend gesucht werden, finden sich in Schwellenländern gut ausgebildete Spezialisten, die nur zu gerne für ein Schweizer Unternehmen arbeiten würden. ­Techdistrict will diese Talente als Outstaffing-Anbieter mit Schweizer Firmen zusammenbringen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/03

Nicht nur mit Lohnkosten punkten

Ist ein Talent gefunden, kann der Kunde entscheiden, ob er es engagieren möchte oder nicht. Davor habe er selbstredend die Möglichkeit, seinen potenziellen neuen Mitarbeiter – der bis dahin nebst dem Screening mindestens bereits zwei Vorstellungsgespräche mit Techdistrict durchlaufen habe – via Google Hangout auch noch selbst kennenzulernen. Üblicherweise müsse der potenzielle neue Mitarbeiter für den Kunden auch ein Testprojekt abarbeiten, so dass es nach der Anstellung zu weniger Überraschungen kommt – für beide Seiten. Sagen Kunde und Talent danach ja, wird der neue Mitarbeiter wie erwähnt durch Techdistrict Türkei angestellt, und Techdistrict stellt dem Kunden im Rahmen eines Dienstleistungsertrags Rechnung. «Wichtig: Die Vermittlungsprovision wird erst nach 2 Monaten fällig», ergänzt Künzi. «Es gibt also so etwas wie eine Probezeit, und erst wenn der Kunde wirklich zufrieden ist, ist die Provision geschuldet.»

Angestellt ist der IT-Mitarbeiter gemäss türkischem Arbeitsrecht. Allerdings passt Techdistrict gewisse Bedingungen an die Schweiz an. Künzi: «Das bedeutet beispielsweise, dass wir die Kündigungsfrist, die nach türkischem Recht in den ersten zwei Jahren zwei Wochen beträgt, trotzdem auf 30 Tage ansetzen. Oder die Arbeitszeit, die in der Türkei bei 45 Stunden pro Woche liegt, wird auf 42 Stunden festgelegt – so haben wir bei erhöhtem Arbeitsaufkommen noch etwas Reserve.»

Zum Thema Lohn erklärt Levent Künzi, dass dieser stark von der gewünschten Qualifikation abhänge. «Spezialisten, die sehr schwer zu finden oder sehr stark gefragt sind, kennen auch in der Türkei ihren Wert und sind entsprechend teurer», erklärt Levent Künzi. Der Bruttomonatslohn für ein Talent beginne bei rund 1800 Franken und könne bis 6000 Franken hoch gehen. «Damit sind die Löhne in jedem Fall deutlich tiefer als in der Schweiz – bis zu 60 Prozent. Wir wollen aber nicht primär mit den tiefen Lohnkosten Schweizer Kunden gewinnen. Vielmehr geht es uns darum, dass wir Schweizer Kunden, die hierzulande schlicht keine Spezialisten finden oder Flexibilität suchen, eine Option abseits vom Outsourcing bieten. Denn Fakt ist, dass in der Schweiz über 20'000 IT-Jobs ausgeschrieben sind.»

Remote-Arbeit ist eine Herausforderung

Erste Kunden würden wenige Monate nach dem Start von Techdistrict bereits Mitarbeiter in der Türkei beschäftigen. Levent Künzi gibt allerdings offen zu, dass im Moment noch viel Überzeugungsarbeit nötig ist. «Zum einen, weil wir ein Start-up sind, dass sich erst noch beweisen muss. Zum anderen gibt es natürlich auch Vorbehalte, Mitarbeiter remote in der Türkei anzustellen. Unsere grösste Herausforderung aktuell ist, Vertrauen zu schaffen.» Künzi ist es dabei auch wichtig, mit Kunden offen zu kommunizieren. «Ich empfehle beispielsweise ganz klar, fürs erste mit einem Talent zu starten und zu schauen, wie sich das ganze entwickelt, und nicht auf einen Schlag ein ganzes Fünf-Mann-Team anzustellen. Man muss gewisse Erfahrungen sammeln.»

Bezüglich Kundengrösse gebe es weder nach oben noch nach unten Einschränkungen, allerdings empfehle es sich unbedingt, dass der Kunde bereits Erfahrung mit Remotearbeit hat und das Thema von der Geschäftsleitung unterstützt wird. Ebenfalls sei wichtig, dass im Unternehmen jemand beschäftigt ist, der sich um die Remote-Mitarbeiter kümmert. «Den Aufwand, ein Remote-Team aufzubauen, darf man nicht unterschätzen. Die Leute müssen gemanaged werden. Zudem sind oft gewisse Anpassungen an den eigenen Firmenstrukturen nötig. Merken wir, dass die Voraussetzungen bei einem potenziellen neuen Kunden nicht stimmen, dann sagen wir ihm das auch und raten davon ab, über uns einen Remote-Mitarbeiter anzustellen.»

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