Google für die chemische Industrie

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Google für die chemische Industrie

(Quelle: Chemberry)
Artikel erschienen in IT Magazine 2019/11
Seite 1
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9. November 2019 -  Chemberry will als Matchmaker von chemischen Inhaltsstoffen die Digitalisierung der ­chemischen Industrie vorantreiben.
"Wir wollen Google für die chemische Industrie sein", so Susanna Groth von Chemberry. Das Basler Start-up hat eine Plattform geschaffen, die als Schnittstelle zwischen Herstellern und Verarbeitern chemischer Inhaltsstoffe dienen soll.

"Zurzeit ist die chemische Branche noch von der vordigitalen Welt geprägt", so Groth. Einkäufer und Hersteller treffen sich häufig auf Messen, persönliche Kontakte sind zentral. Doch die Zeichen stehen auf Veränderung. In der Branche möchte man auf keinen Fall, dass sich Firmen wie Amazon und Alibaba als Vermittler positionieren.

Kein Wunder hat Chemberry seinen Ursprung bei Clariant: Um die Bedürfnislage zu klären, wurden 2018 Interviews mit Branchenvertretern geführt. Dabei kam heraus, dass die digitalen Alternativen zur bisherigen Kontaktherstellung mangelhaft waren. "Sucht man auf Google kosmetische Inhaltstoffe wie Aloe Vera oder Active Ingredients, wird es aus Industrieperspektive ab Seite 12, 18 oder 24 interessant", so Groth.

Anti-Aging oder Anti-Wrinkle

Dies auch, da die Hersteller ihre Produkte im Web schlecht dokumentieren. Chemberry investierte deswegen viel Zeit in die Entwicklung von Wörterbüchern und relevanten Suchkriterien. "Anti-Aging wird gern mal unterschiedlich geschrieben. Manche verwenden auch Synonyme wie Anti-Wrinkle", erklärt Groth.

Genauso relevant waren die Suchkriterien. Je nach Anwendung ist Inhaltsstoff nicht gleich Inhaltsstoff. Beispiel wieder Aloe Vera: Soll es ein reines Pflanzenextrakt sein oder ein Wirkstoff, der schon die Hautstruktur verändern kann? Verbinden sich damit Attribute wie feuchtigkeitsspendend oder hautberuhigend? Ist er nachhaltig? Gibt es Zertifikate? Soll er in ein Shampoo oder eine Sonnencreme? Ist der Zulieferer gross genug, um die gewünschten Mengen liefern zu können? Zugriff auf diese Informationen bietet Chemberry mit ein paar Klicks. Die Kunden können ausserdem Shortlists anlegen und einzelne Produkte vergleichen. Zurzeit finden sich über 30’000 Inhaltsstoffe von über 500 Unternehmen auf der Plattform.

Chemberry sammelt die nötigen Daten via Crawler. "Händisch würden wir nie fertig", erklärt Groth. Ihr Team ist für die Auswahl der relevanten Webseiten zuständig. Leider fehlen immer wieder wichtige Informationen zu einzelnen Inhaltsstoffen. Dies auch, da sie einfach nicht im Web stehen. Deswegen gibt Chemberry Herstellern mittlerweile die Möglichkeit, die eigenen Informa­tionen zu editieren. "Anfangs haben wir das bewusst vermieden. Es sollte nicht aussehen, als ob wir die Arbeit an unsere Kunden auslagern", betont Susanna
Groth.
 
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