Mehr Windows fürs iPad

Apple iPadOS 13 (Public Beta)

Mehr Windows fürs iPad

Artikel erschienen in IT Magazine 2019/07
Seite 2

Split View und Slide Over

Hat man sich erstmal an den neuen Startbildschirm gewöhnt, dürften wohl vor allem die verbesserten Multitasking-Funktionen von iPadOS auf- und gefallen. So hat Apple die Möglichkeiten, wie Fenster auf dem iPad-Bildschirm erstellt und organisiert werden können, erheblich verbessert.

Die grösste Verbesserung ist sicher die Option, mehrere Apps in der Slide-­Over-Ansicht zu haben. Dabei handelt es sich um eine Funktion, die Apps als kleine Fenster darstellt, die am rechten oder linken Bildschirmrand über der App schweben, die dahinter im Vollbild läuft. Eine dieser Slide Over Apps kann erstellt werden, indem eine App aus dem Dock nach oben und an den Rand gezogen wird.

Neu hierbei ist jedoch, dass mehrere Apps in Slide Over gestapelt werden können, anstatt dass wie bisher nur eine davon geöffnet werden konnte. Dabei kann schnell zwischen den Slide Over Apps hin und her geblättert werden, indem an der Leiste am unteren Rand des Fensters entlang gewischt wird. Slide Over Apps können geschlossen werden, indem man diese Leiste nach oben wischt.

Die Split-View-Funktion bleibt derweil zwar weiterhin auf zwei Fenster beschränkt, neu können aber zwei Fenster der gleichen App geöffnet werden. So können beispielsweise zwei Dokumente gleichzeitig bearbeitet oder, während auf der einen Seite eine Mail gelesen wird, auf der anderen eine Mail verfasst werden. Ebenfalls nützlich ist die neue Funktion App Exposé, die es durch das Antippen des entsprechenden App-Symbols im Dock erlaubt, alle geöffneten Instanzen dieser App in einer Übersicht zu sehen.

Das sind allesamt durchaus nützliche Neuerungen, diese hätte man auf einem Tablet wie dem iPad Pro aber schon vor Jahren erwartet. Apple macht hier zwar durchaus einen grossen Schritt nach vorne was das Multitasking betrifft, kommt aber nicht annähernd an die Funktionalität eines Windows Surface heran. Dazu fühlt sich das ganze Herumgetippe und Wischen respektive Ziehen von Icons in bestimmte Zonen auf dem Display noch viel zu umständlich und mühsam an. Hat man sich allerdings einmal an die einzelnen Gesten und Funktionen gewöhnt, beobachtet man schnell, wie die Nutzung des iPads dadurch bereichert wird und sicher auch eine produktivere Arbeitsweise möglich wird.

Desktop Safari

Apple will mit iPadOS auch das Surfen via Safari auf Desktop-Niveau heben. Aus technischer Sicht soll das durch zwei wesentliche Änderungen gelingen: So werden Webseiten auf dem iPad in Safari neu tatsächlich als Desktop-Seiten geladen. Bislang kamen Safari-Nutzer standardmässig in den zweifelhaften Genuss von mobilen Versionen von Webseiten. Zweitens heisst das aber auch, dass Apple eine Art Übersetzungsebene in Safari einbauen musste, da Desktop-Versionen von Websites typischerweise die Steuerung mittels Maus erwarten. Offiziell gibt es (noch) keinen Maus-Support, doch in den Bedienungshilfen lässt sich ein rudimentärer Maus-Cursor aktivieren, der mittels Bluetooth- oder Kabel-Maus (via Adapter) genutzt werden kann. In der Praxis sorgt das dafür, dass das Surfen auf dem iPad deutlich weniger einschränkend wirkt. So funktionieren Web-Anwendungen (etwa Google Docs) einiges besser als zuvor.

Änderungen gegenüber iOS gibt es in Safari aber auch in der Symbolleiste. So befindet sich links neben der URL neu zum Beispiel eine sehr nützliche Schaltfläche, um die Zoom-Stufe zu ändern, die mobile Version einer Webseite anzufordern oder Einstellungen spezifisch für eine Webseite zu optimieren, welche auch beim nächsten Besuch so angewendet werden. Viel spannender ist aber, dass Safari endlich einen echten Download Manager erhält. So können beliebige Dateien aus dem Netz heruntergeladen werden, nicht mehr nur Bilder. Diese werden in der Dateien-App gespeichert. Anzumerken ist, dass das auch mit Chrome und Firefox funktioniert. Safari-­Nutzer dürfen sich derweil über neue Keyboard-Shortcuts freuen, die jedoch eine externe Tastatur erfordern.
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