Das grösste Bundes-IT-Projekt aller Zeiten

Das grösste Bundes-IT-Projekt aller Zeiten

27. Februar 2020 - Der Aufbau der SAP-S/4HANA-Instanz im Rahmen der ERP-Projekte SUPERB und V/ar ist mit 920 Millionen das bisher grösste IT-Vorhaben des Bundes. Der Auftraggeber und der Programmleiter von SUPERB zu den Details des Mammut-Projekts.
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/03
Wie viele Unternehmen in der Privatwirtschaft steht auch der Schweizer Bundesapparat vor einer beachtlichen Aufgabe: Die SAP-Instanz muss bis spätestens 2027 auf den neuen Standard SAP S/4HANA aufdatiert respektive neu konzipiert werden, denn dann dreht der Hersteller der Vorgängerversion den Update-Hahn zu. Das wäre zum einen sicherheitstechnisch nicht vertretbar, zum anderen will und muss man auch beim Bund Innovation vorantreiben und von der neuen Cloud-Architektur profitieren, die mit dem SAP-Update Einzug hält. Damit geht es für Bundesbern derzeit um den Aufbau einer Cloud- und zweier SAP-Instanzen, die allerspätestens ab 2027 zur Verfügung stehen müssen: Eine für die zivile Bundesverwaltung mit dem Programmnamen SUPERB und eine für die kritischen Infrastrukturen der Armee unter dem Namen ERP-Systeme V/ar. Die Kosten sind hoch und haben im Vorfeld für erhebliches Aufsehen gesorgt: 320 und 240 Millionen Franken wurden für die externen Ressourcen vom Parlament gesprochen. Inklusive Eigenleistungen der Bundesverwaltung rechnet man mit 420 respektive 360 Millionen Franken für SUPERB und ERP-Systeme V/ar. Die Vorleistungen eingerechnet kommt man gar auf 485 und 435 Millionen und damit zu einem Total der Programmkosten von 920 Millionen Franken.

Die beiden obersten Programmverantwortlichen von SUPERB – Pierre Broye, Direktor des Bundesamts für Bauten und Logistik, als Auftraggeber des Programms sowie Patrik Riesen, Principal Consultant und Programm-Manager, in seiner Rolle als operativer Programmleiter – standen «Swiss IT Magazine» Rede und Antwort zum grössten IT-Vorhaben, das der Schweizer Staatsapparat jemals umgesetzt hat.
Pierre Broye, Direktor des Bundesamts für Bauten und Logistik (Quelle: Bund)
Patrik Riesen, Principal Consultant und Programm-Manager (Quelle: Bund)


SAP – seit mehr als 20 Jahren

Broye zeigt zu Beginn des Gesprächs einen Bundesratsbeschluss mit dem Titel «Einsatz der Standard-Software SAP in der Bundeverwaltung» – es stammt aus dem Jahr 1997 und ist damit der Startschuss für den Einsatz von SAP beim Bund. «Das ist unsere Ausgangslage. Der Bundesrat traf damals diese Entscheidungen und heute kann man die Ähnlichkeiten zum nun vorliegenden Programm gut sehen: Das ist zum einen die Einführung und der Einsatz von SAP für die Support-Prozesse der gesamten Bundesverwaltung, aber auch der Grundsatz zur verbindlichen Einhaltung von Standardisierung», so Broye. Ebenfalls Teil des Beschlusses ist die Entscheidung, die Einsatz- und Logistikprozesse des Verteidigungsdepartements in einer separaten Instanz abzubilden.

In den vergangenen rund 20 Jahren ist das System sukzessive gewachsen, heute erledigen mehr als 1000 auf das SAP-System gebaute Fachapplikationen zentrale Aufgaben für knapp 80 Verwaltungseinheiten in sieben sehr unterschiedlichen Departementen und der Bundeskanzlei. Broye präsentiert ein paar Kennzahlen zur Landschaft, mit der man es zu tun hat: Pro Jahr werden 600’000 Rechnungen bezahlt, 1,2 Millionen Transaktionen (bis zu 50’000 pro Tag) abgewickelt, 450’000 Lohnabrechnungen ausgestellt und 100’000 Bewerbungsdossiers gesichtet. Der ganze Bundeshaushalt von rund 70 Milliarden Franken wird über dieses System verarbeitet. «Das zeigt die Komplexität, mit der wir uns heute auseinandersetzen müssen», so Broye.
 
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