Home Office

Kolumne

Home Office

Artikel erschienen in IT Magazine 2019/10
5. Oktober 2019 -  Fabian Dütschler über die Vorteile und die Tücken, die Home ­Office mit sich bringt.
Home Office
Fabian Dütschler ist Geschäftsführer von One Agency, einer führenden IT-Personaldienstleistungsagentur mit Hauptsitz an der Bahnhofstrasse in Zürich. In seiner Kolumne im "Swiss IT Magazine" beschäftigt sich Dütschler mit den Herausforderungen, die sich rund um die Personalsuche und die Karriereplanung ergeben. fd@oneagency.ch (Quelle: One Agency)
Mein Büro ist überall auf der Welt – nämlich dort, wo ich gerade Internet habe: in einem gemütlichen Restaurant, am Strand oder am Pool, mindestens jedoch zu Hause. Diese Vorstellung ist für viele Leute sehr attraktiv. Aber ist sie auch realistisch? Als Arbeitgeber ist es wichtig, auf die neuen Generationen und deren Wünsche einzugehen. Es genügt nicht mehr, einfach eine Kaffeemaschine in die Ecke zu stellen, um bei seinen Mitarbeitern gut anzukommen. Heutzutage sind Freiheiten und flexibles Arbeiten viel wichtiger. Es gibt Unternehmen, wie beispielsweise Microsoft, die bestimmte Stellen mit einem 100-Prozent-Home-Office-­Pensum anbieten. Daneben gibt es weitere Konzerne, wie Dell oder UBS, die ihre Mitarbeiter wenigstens teilweise von zu Hause arbeiten lassen.

Auf der Mitarbeiterseite sprechen sicherlich die Freiheit und Flexibilität, wann und wo die Arbeit erledigt werden kann, für die Home-­Office-Variante. Einerseits verliert man keine Zeit für das Hin- und Herpendeln zum Office und andererseits kann man mit konzentriertem und fokussiertem Arbeiten Berge versetzen. Die Ablenkung durch Arbeitskollegen gibt es zuhause nicht, denn es kommt kaum jemand wie im Grossraumbüro vorbei und fragt, ob man eine Minute Zeit für deren Probleme hat. Konzentriertes Arbeiten zu Hause ist jedoch nicht für jedermann, denn es braucht eine enorme Selbstdisziplin. Wer dieses konsequente Selbstmanagement nicht aufbringen kann, hat keine Chance, im Home Office produktiv zu sein. Vielmehr wird er den vielen Ablenkungen und Verlockungen, die uns das tägliche Leben bietet, zum Opfer fallen. Des Weiteren zeigen Studien, dass viele Personen im Home Office stärker gestresst sind, da sie Mühe haben abzuschalten und Arbeit und Freizeit zu trennen.
Für Unternehmen hingegen ist die Home-Office-­Variante eine Chance, um Kosten zu senken, da man keinen teuren Arbeitsplatz zur Verfügung stellen muss. Demgegenüber stehen meiner Ansicht nach zwei Hauptproblematiken: Kommunikation im Team und Misstrauen gegenüber Mitarbeitern. Die Teamkommunikation ist eine Herausforderung, der sich ein Unternehmen stellen muss. Es ist wichtig, dass virtuelle Alternativen zum einfachen Gedankenaustausch, zu kollektiven Meetings und Brainstormings im Konferenzraum sowie vertraulichen Feedbackgesprächen geschaffen werden. Meiner Meinung nach müssen die Unternehmensstrukturen so gebaut sein, dass die Teammitglieder im Daily Business trotzdem harmonisch zusammenarbeiten können. Dies sollte mit den heutigen Kommunikationsmitteln nicht mehr so schwierig sein wie früher: Mit einfachen E-Mails bis hin zu komplexen Cloud-Lösungen ist der Datenaustausch uneingeschränkt möglich.

Der zweite Grund, wieso sich viele Arbeitgeber gegen die Home-Office-Variante entscheiden, ist sicherlich die Angst, dass die anfallende Arbeit nicht oder zu wenig gut erledigt wird. Viele Arbeitgeber vertrauen der Selbstdisziplin ihrer Mitarbeiter dann doch nicht so, dass man sie gerne alleine zu Hause arbeiten lassen würde. Ob der Mitarbeiter wirklich sieben bis acht Stunden fokussiert an seinem PC sitzt oder ob er ausschläft und die meiste Zeit anderen Sachen nachgeht, sei mal dahingestellt. Ich habe bereits beides erlebt. Es gab Personen, von denen ich wusste, dass sie gut von zu Hause aus arbeiten, und daneben gab es Personen, die jede Woche einen Tag Home Office gemacht haben, jedoch nicht einmal einen korrekt funktionierenden PC zu Hause hatten.

Ich sehe den Lösungsansatz darin, dass man mit dem Mitarbeiter konkrete Ziele definiert und allenfalls gemeinsam einen Zeitplan zusammenstellt. Darüber hinaus gibt es auch Softwarelösungen, die die Aktivität der Mitarbeiter überwachen und ihnen auf die Finger schauen. Ich bin jedoch kein Fan solcher Lösungen, denn vielmehr Misstrauen kann man als Arbeitgeber wohl nicht ausdrücken.
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