"Informatik sollte unsere fünfte Landessprache werden"

Serie Digitalisierung

"Informatik sollte unsere fünfte Landessprache werden"

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/10
Seite 1
1. Oktober 2017 -  Interview: Fridel Rickenbacher

Lino Guzzella, Präsident der ETH Zürich, sieht Chancen in der digitalen Zukunft der Schweiz. In den "ETH News" sagte er kürzlich, dass die Voraussetzungen bestünden, mit der ICT eine ähnlich leistungsfähige Industrie aufzubauen, wie die Pharma es heute sei. Das swissICT Magazin hat nachgefragt.
Serie Digitalisierung
In den letzten Jahren wurden einige wichtige Gesetzesvernehmlassungen, Bundesvorstösse und Standortbestimmungen für neue oder überarbeitete Gesetze wie das EPDG, DSG oder die E-ID in Angriff genommen. Diese stellen grundlegende Weichen für die Digitalisierung des Wirtschaftsstandortes Schweiz und von Fachbereichen wie dem Datenschutz, dem Schweizer Gesundheitswesen (E-Health) und der elektronischen Identität. Das swissICT Magazin beleuchtet diese Entwicklungen in einer Serie aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Die ETH scheint in der Spitzenforschung und Lehre eine Impulsgeberin und zugleich auch Mitgestalterin der fortschreitenden Digitalisierung zu sein. In welchen Bereichen kann der Vergleich zum "Silicon Valley" gewagt werden?
Lino Guzzella: Die ETH hat eine starke Tradition in den Grundlagenwissenschaften, Mathematik, Naturwissenschaften und Ingenieurwesen, besonders im heute so wichtigen Bereich der Informatik. Unser Informatik-Departement ist verglichen mit anderen Spitzenuniversitäten zwar klein, gehört aber zu den besten weltweit. In diversen anderen Departementen werden ebenfalls ICT-relevante Forschungsgebiete (Robotik, Automatik etc.) erfolgreich erforscht und gelehrt. Die wissenschaftliche Basis ist somit vorhanden, um die Vernetzung und weitere Digitalisierung der Schweiz voranzutreiben, ähnlich wie vor rund 160 Jahren, als es darum ging, für den jungen Bundesstaat Brücken, Tunnels und Eisenbahnen zu bauen und Ingenieure für das Land auszubilden. Und an diese Tradition müssen wir auch anknüpfen, wenn es um die Digitalisierung geht, deshalb ist es ganz wichtig, nicht das Silicon Valley zu kopieren, sondern unseren eigenen Weg zu gehen.
Als begeisterter Teilnehmer von Veranstaltungsreihen wie "Science City", Podiumsdiskussionen, Panels nehme ich die ETH als aktive Impulsgeberin wahr – auch für die Jüngsten. Braucht es eine frühe "Aufklärung 4.0" für die Öffentlichkeit und künftige Studierende für die "Industrie 4.0"?
Eine offene Diskussion über Chancen und Risiken des digitalen Wandels ist wichtig. Das Thema hat endlich in der Breite die ihm gebührende Bedeutung erreicht. Ich fände es beispielsweise wichtig, dass das "Programmieren" – also das Denken in Algorithmen – an allen unseren Schulen fest in die Lehrpläne aufgenommen würde. Informatik sollte unsere fünfte Landessprache werden. Zudem suchen wir als technische Hochschule das Gespräch mit der Gesellschaft zu diesen Themen, zum Beispiel an Veranstaltungen wie Treffpunkt Science City oder die gemeinsam mit der Universität Zürich organisierte Scientifica, die zwischen dem 1. und 3. September zum Thema "Was Daten verraten" stattgefunden hat.

Das duale Bildungssystem gilt als Trumpf der Schweiz. Werden in künftigen erfolgreichen Teams entsprechend die Erfahrung, Interdisziplinarität der Bildung und die Kombination von Lehr- und Studienabgängern wichtiger werden für die Herausforderungen der Digitalisierung?
Das duale Bildungssystem, welches je nach Interesse und Neigung unterschiedliche Ausbildungswege mit je eigenen Profilen bietet, ist eine der Stärken der Schweiz. Wir müssen schauen, dass wir diese Unterschiede nicht verwässern. Globalisierung und digitaler Wandel verschärfen den Wettbewerb und zwingen uns, uns zu verbessern und beweglich zu bleiben. Zur Beweglichkeit gehört, dass man auch in zunehmend heterogenen Teams funktioniert und mit Leuten aus unterschiedlichen Disziplinen und Kulturen auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten kann.
 
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