CIO-Interview: «Manchmal lohnt es sich, zu hinterfragen»

CIO-Interview: «Manchmal lohnt es sich, zu hinterfragen»

8. Juni 2013 - Raiffeisen-CIO Damir Bogdan erklärt im Interview, warum die Bank kein Outsourcing betreibt, warum er keine «Freestyle-IT» will und wie er mit unzufriedenen Bankleitern umgeht.
Artikel erschienen in IT Magazine 2013/06
Damir Bogdan (44) ist seit 2006 für Raiffeisen Schweiz tätig und war zuerst für die IT-Strategie und danach für die Erneuerung der Kernbankenplattform zuständig. (Quelle: Raiffeisen
Schweiz)
Swiss IT Magazine: Welchen Aspekt der Raiffeisen würden Sie aus Informatikersicht aktuell als am spannendsten bezeichnen?
Damir Bogdan:
Am spannendsten ist sicher das Kundengeschäft, denn da ist die Interaktion am höchsten. Die grösste Herausforderung liegt aktuell aber in der regulatorisch-politischen Ebene, mit den ganzen Veränderungen, die es momentan im Bankengeschäft gibt, und dem gesamten Schweizer Bankenmarkt, der sich verändert. Stichworte sind etwa der automatische Datenaustausch, die noch ungelösten Fragen im Zusammenhang mit den USA, das Thema Abgeltungssteuer und einiges mehr.

Ist das auch der Teil, der Ihnen am meisten Kopfzerbrechen bereitet?
Das ist sicher so, vor allem auch deshalb, weil die Dinge hier schwer vorhersehbar sind und entsprechend kaum budgetiert werden können. Wir versuchen jeweils, möglichst strukturiert und mit klar definierten Budgets ins Jahr zu gehen. Dann aber kommen regelmässig regulatorische Projekte, die Geld und Zeit verschlingen und die nicht vorhergesehen werden können.

Wie weit ist die IT denn von diesen regulatorischen Anforderungen jeweils betroffen?
Wir sind eine Bank, und in einer Bank ist die IT in jeden erdenklichen Business-Prozess involviert – gerade auch bei regulatorischen Fragen. Wenn es beispielsweise darum geht, wer wie viele Kunden aus welchem Land in welchem Zeitraum übernommen hat, ist das abwicklungstechnisch eine reine Informatikangelegenheit. Im besten Fall können Sie solche Daten vollautomatisiert ausgeben, im schlechtesten Fall ist aber viel Handarbeit gefordert.
Wie stark können Sie angesichts solcher Projekte noch Informatiker sein?
Solche Projekte laufen nicht in der Informatik, sondern mit der Informatik. Der Lead liegt in den jeweiligen Fachbereichen. Ich kann aber sehr wohl noch Informatiker sein, denn wir machen noch viele andere Dinge abseits von regulatorischen Bestimmungen. Sehen Sie, in jeder Informatik gibt es endogene und exogene Faktoren, welche die IT verändern. Exogene Faktoren sind solche neuen Regulatorien. Aber auch Updates, zu deren Roll-out ich aus Garantiegründen gezwungen bin, sind Faktoren, bei denen ich fremdgesteuert bin und mich anpassen muss. Dann gibt es endogene Faktoren. Zu denen zählt, dass wir unsere Infrastruktur auf einem aktuellen Stand halten müssen. Ein Beispiel: Unsere Systeme im Zahlungsverkehr sind heute auf eine Million Transaktionen pro Stunde ausgelegt. Ende April haben wir im E-Banking 15 Zahlungserfassungen pro Sekunde gemessen. Das schafft man nicht mit veralteter Infrastruktur. Es gibt also sehr viele Informatikaufgaben, nur schon um die Bank am Laufen zu halten. Und dabei habe ich noch keine einzige fachliche Erweiterung umgesetzt, noch keine Business-Idee unterstützt und dem Kunden noch nichts Neues geboten. Sie sehen – um auf Ihre Frage zurückzukommen – man kann noch immer viel bewegen in der IT, trotz immer neuer regulatorischer Bestimmungen.

Sie sehen also keine Gefahr, dass die fremdgesteuerten Faktoren überhand nehmen, und Sie nur noch am Reagieren statt am Agieren sind?
Ich sage es mal so: Manchmal lohnt es sich, ein wenig abzuwarten und zu hinterfragen, bevor man alles umsetzt. Vieles relativiert sich dann wieder. Vorauseilender, blinder Gehorsam ist nicht immer der beste Weg.
 
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