CIO-Interview: «Wir hatten auf einmal zwei Rechenzentren»

CIO-Interview: «Wir hatten auf einmal zwei Rechenzentren»

2. Oktober 2011 - Thomas Gisler hat mit seiner sechsköpfigen IT-Abteilung in den letzten drei Jahren die IT der je zirka 200 Mitarbeiter starken Firmen Hug und Wernli zusammengeführt.
Artikel erschienen in IT Magazine 2011/10
(Quelle: Hug)
Swiss IT Magazine: Herr Gisler, Sie arbeiten bereits seit über zehn Jahren als IT-Leiter bei Hug. Wie hat sich die IT des Unternehmens in dieser Zeit verändert?
Thomas Gisler:
Als ich im Jahr 2000 zu Hug gestossen bin, hatten wir ein ERP, Abacus und Microsoft Office im Einsatz. Sonst gab es noch nicht viel IT im Unternehmen. Das Internet beispielsweise war damals praktisch noch in-existent und wir verfügten nur gerade über zwei E-Mail-Adressen. Wir führten deshalb auch noch keine eigene, interne IT-Abteilung, sondern wurden durch einen externen IT-Supporter unterstützt. In den letzten zehn Jahren kam dann vieles hinzu: Ein Personalinformationssystem, eine Instandhaltungs-Software, ein Data Warehouse für Artikeldaten, eine Bilddatenbank, ein Aussendienstrapportierungssystem, diverse Schutzsysteme, eine EDI-Software für den elektronischen Datenaustausch mit Partnern und Kunden, ein Dokumentenmanagementsystem, ein Intranet, ein Zeiterfassungs- und Eintrittssystem, eine VoIP-Telefonielösung und einiges mehr.

Betreuen Sie Ihre mittlerweile sehr komplex gewordene IT komplett selber oder haben Sie Teile davon an externe Partner ausgelagert?
Wir machen alles selber. Ein Outsourcing kam und kommt für uns derzeit nicht in Frage. Wobei das natürlich stark mit der Personalsituation und damit, was für Leute einem zur Verfügung stehen, zusammenhängt. Aktuell habe ich das Privileg zwei schlagkräftige Teams à je drei Personen zu haben: Ein Hardware-Netzwerk-Team und ein Software-Prozess-Team. Diese sechs Spezialisten betreuen die ganze IT an den drei Standorten Malters, Willisau und Trimbach und das bewährt sich sehr gut.
Eigentlich sind wir ja eine Bäckerei und unsere Kernkompetenz ist das Backen. Aber auch IT-mässig sind wir aktuell so fit, müssen so viel beherrschen, so viele Systeme verstehen, dass wir eigentlich auch in diesem Bereich ein High-Tech-Betrieb sind.
Wie viele PCs gibt es heute bei Hug?
Insgesamt betreut die IT-Abteilung zurzeit rund 200 Clients, also PCs, Laptops und Produktionsterminals. Fast die Hälfte dieser Clients stehen bei der Firma Wernli in Trimbach, die wir vor drei Jahren übernommen haben. Deshalb ist auch ein IT-Mitarbeiter des Hardware-Netzwerk-Teams fix bei Wernli stationiert. Im Bereich Software-Prozesse wird das Unternehmen vom Hauptsitz in Malters aus betreut.

Sie sprechen die Übernahme von Wernli an. Welche Auswirkungen hat sie auf die IT der beiden Unternehmen gehabt?
Die Übernahme erfolgte im Mai 2008 und hat unsere Arbeit seitdem sehr stark geprägt. Von einem Tag auf den anderen hat sich alles verdoppelt, waren die beiden Unternehmen doch hinsichtlich Mitarbeiterzahl und Umsatzvolumen fast gleich gross. In der Folge gab es diverse kleinere und grössere Probleme zu lösen. Eine Schwierigkeit war beispielsweise, dass Wernli erst auf Anfang 2008 ein neues ERP (GUS) eingeführt und SAP abgelöst hat. Nun musste GUS, inklusive einiger Baustellen die es noch gab, bereits nach wenigen Monaten erneut abgelöst werden, und zwar durch unser ERP-System. Viel Aufwand und Energie für die GUS-Einführung waren quasi für nichts gewesen. Dies bekamen wir besonders in der Umsetzungsphase zu spüren, da sich die Begeisterung der Mitarbeiter verständlicherweise in Grenzen hielt. Trotzdem konnten wir im Mai 2010 in Trimbach wie geplant unser ERP CSB in Betrieb nehmen. Im Mai 2008 standen wir ausserdem vor der Herausforderung, dass wir auf einmal zwei Rechenzentren hatten, eines in Malters und eines in Trimbach, das erst gerade neu gebaut worden war. Wir benötigten aber nur ein grosses RZ und für uns war klar, dass dieses in Malters stehen sollte, zumal die Mehrzahl der Prozesse von Malters aus gesteuert wird und hier auch die ganze Verwaltung sowie die ganze Logistik stationiert sind. Der Grossteil an Kundenbestellungen gehen ebenfalls in Malters ein. Dies hat sich so bewährt. Unsere Absicht bestätigten schliesslich zwei Workshops mit zwei unabhängigen Partnern, die wir bei Hug und Wernli durchführten. In der Folge haben wir dann das RZ in Trimbach auf ein Minimum reduziert und es an das RZ in Malters angebunden. Weiter haben wir die Telefonanlagen und die Zeiterfassung harmonisiert. Hinzu kommen das ganze Zusammenfügen der Mail-Systeme oder das Anpassen der Berechtigungen.Ich bin ehrlich gesagt froh, dass der Umbau nun durch ist. Das hat uns die letzten drei Jahre wirklich sehr intensiv beschäftigt und teilweise an den Anschlag gebracht.

 
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