Microsoft Hololens im Test: Wenn Realität und Fiktion verschmelzen

Microsoft Hololens im Test: Wenn Realität und Fiktion verschmelzen


Steuern mit dem Kopf und speziellen Gesten

Die Hololens bringt alles in allem fast 600 Gramm auf die Waage und fühlte sich während dem Kalibrieren, das ein paar Minuten dauerte und vor der ersten Nutzung zwingend notwendig ist, ziemlich schwer an. Als wir dann in die holografische Welt eintauchten, war das Gewicht aber schnell vergessen. Erst nach dem Test bemerkten wir, dass die Brille doch etwas stark auf die Nase drückte und einen ziemlichen Abdruck hinterliess. Offenbar sass sie nicht optimal, denn eine spezielle Halterung sollte eigentlich dafür sorgen, dass das Gewicht, das vor allem vorne liegt, von der Nase genommen wird.

Nach dem erfolgreichen Kalibrieren erkundeten wir die ersten Apps für Hololens und fanden uns überraschend schnell zurecht. Für jemanden, der etwas technikaffin ist und keine Berührungsängste hat, ist die Nutzung der Datenbrille von Microsoft ein Kinderspiel – wenn er vorgängig bei den Gestenerklärungen gut zugehört hat.
Was zu Beginn etwas Mühe bereitete, war, dass nicht die Hand den Cursor bewegt, sondern wie erwähnt der Kopf. Es nützt also nichts, wenn man die Hand in eine Ecke bewegt und dann dort einen Air Click macht, was wir immer wieder versuchten. Auch Augenbewegungen alleine genügen nicht, man muss wirklich den Kopf mit bewegen. Die Air Clicks und die Bloom-Geste hatten wir hingegen nach ein bisschen Übung ganz gut im Griff und das System reagierte, wie übrigens auch sonst, sehr akkurat und schnell auf unsere Bewegungen, was uns spätestens beim Spielen von Roboraid zu Gefallen wusste.

Für den First-Person-Shooter wird mit der Brille zuerst das ganze Büro abgescannt. Ähnliches ist vor der ersten Nutzung auch bei vielen anderen Anwendungen nötig und macht es möglich, dass Roboter sich dann beispielsweise durch die Bürowand schiessen und wir sie mit unserer Laserkanone vom Himmel holen oder selber Bürowände und Türen durchlöchern können. Wollten wir das nicht alle schon einmal? Links, rechts, unten, oben: Die Roboter griffen von überall an und wäre noch eine Büro-pflanze in der Ecke des Büros von IBV gestanden, dann hätten sie sich vermutlich auch noch dahinter versteckt.

Spiele wie Roboraid zeigen sehr eindrücklich das Potential, das in der Hololens steckt, obwohl Microsoft an seiner Entwicklerkonferenz Build im März betont hat, dass man mit der Datenbrille zuerst in Unternehmen Fuss fassen will und Gamer nicht im Vordergrund stehen. Schade, denn uns gefiel das Abschiessen der bösartigen Roboter eigentlich ganz gut, fast besser als das Basteln von eigenen Hologrammen, was mit der App Holostudio möglich ist.

Grafisch ist Roboraid verglichen mit aktuellen Konsolentiteln wie zum Beispiel "Uncharted 4: A Thief’s End" übrigens noch keine Offenbarung. Oder anders gesagt, die Entwickler haben noch Potential, falls die Hardware momentan überhaupt mehr zulässt.

Nach Peru, in den Weltraum und zurück

Nach Roboraid sind wir mit Holotour nach Südamerika gereist. Diese App ist etwas für Leute mit Fernweh, die gerne neue Länder und Kulturen virtuell kennenlernen möchten. So wanderten wir beispielsweise kurz in Peru herum. Boden und Wände, alles um uns herum, wurde von der Holoens verwandelt und man konnte sogar mit der Umgebung interagieren, sprich Elemente bewegen und Geschichten lauschen oder sich ganz einfach zurücklehnen und beobachten, was geschieht.

Auch bei Holotour ist grafisch sicher noch mehr möglich, sie könnte für unseren Geschmack noch etwas schärfer beziehungsweise realer werden. Zudem haben wir beim Nutzen dieser App das momentan doch noch recht eingeschränkte Sichtfeld, das bisher bereits von vielen Hololens-Testern bemängelt wurde, wahrgenommen. Gerade bei etwas schnelleren Kopfbewegungen ist man schnell aus dem rechteckigen Sichtfeld heraus und blickt nicht mehr auf eine tolle Inka-Ruinenstadt, sondern ins langweilige Büro. Daran muss Microsoft sicher noch arbeiten.

Die integrierten Lautsprecher wussten derweil zu überzeugen und die verschiedenen Anweisungen, Töne und andere Sounds waren auf unserem Kurztrip in Peru tiptop zu hören. Die Hololens bietet sogar einen Raumklang, das heisst man kann Hologramme überall im Raum hören, auch hinter einem. In unserem Test ist uns dies aber nicht speziell aufgefallen. Dafür haben wir festgestellt, dass es in der Umgebung nicht zu laut sein sollte, wenn man die Datenbrille gerade für Apps wie Holotour nutzt, wo viel gesprochen wird. Zusätzlich zur Brille könnte man aber auch noch Kopfhörer aufzusetzen, einen Anschluss dafür gibt es.

Noch etwas weiter als die App Holotour geht die Anwendung Holoportaiton, an der bei Microsoft Research derzeit gearbeitet wird. Dank einer neuartigen 3D-Auf- nahme-Technologie soll es damit in Zukunft möglich werden, qualitativ hochwertige, virtuelle 3D-Modelle von Menschen in Echtzeit an andere Orte auf der Welt zu schicken. Mixed-Reality-Geräte wie die Hololens sollen diese 3D-Modelle dann sichtbar machen und sogar eine Interaktion mit ihnen ermöglichen. Leider konnten wir diese Art des Reisens und Kommunizierens noch nicht testen.

Nach der Erkundungstour in Peru wagten wir uns mit der Galaxy Explorer App dafür in den Weltraum. Und erst als wir uns wie die Erde um die Sonne drehten, fiel uns auf, dass man die Hololens nicht nur in einem abgedunkelten Raum mit Wänden nutzen kann, sondern ganz normal in jedem Büro, auch in einem mit einer grossen Fensterfront. Die Brille passt die Helligkeit dank einem Umgebungslichtsensor automatisch an, zudem kann man sie, wie übrigens auch die Schärfe, manuell nachstellen. Bei direkter Sonneneinstrahlung, was wir aufgrund des miserablen Wetters an unserem Testnachmittag leider nicht simulieren konnten, dürfte aber auch die Hololens an ihre Grenzen stossen.

Zum Teil stellten wir während dem Test auch ein leichtes Flackern fest. Das kann aber damit zusammenhängen, dass wir ab und zu Fotos und kurze Videos aufgenommen haben – man will ja schliesslich ein Andenken an seine ersten Schritte in der holografischen Welt von Microsoft. Möglich sind solche Aufnahmen dank einer eingebauten Kamera sowie einer sogenannten Mixed-Reality-Capture-Technologie.

Kommentare

Mittwoch, 1. Juni 2016 SigismundRuestig
"Eine Life-App wacht über mein Leben. In Sicherheit soll ich mich wiegen. Macht mich gläsern fürs Gewinnstreben. Versicherungsprämien sind bald gestiegen...." Der Song "nur virtuell" bringt es auf den Punkt: http:/ / youtu.be/ WzvpF6JR1cE Viel Spaß beim Zuhören und: lasst Euch die Realität nicht vermiesen!

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