Der Schweizer Onlinehändler Offerz ist Opfer eines Cyberangriffs geworden, bei dem Unbekannte Zugriff auf Bestelldaten von rund 115'000 Kunden erhielten. Wie das Unternehmen mitteilt, sind seine Systeme seit Anfang Oktober wiederholt Ziel von Angriffsversuchen. In der Nacht des 7. Oktober gelang es Angreifern, auf eine Testumgebung zuzugreifen, in der eine Datei mit Bestelldaten vom Januar 2026 zugänglich war. Entdeckt wurde der Vorfall erst am Morgen des 9. Oktober. Als Grund für die Verzögerung nennt Offerz in einer Mitteilung die weniger umfassende Überwachung der Testumgebung im Vergleich zu den produktiven Systemen.
Die betroffene Datei war im Rahmen technischer Arbeiten am produktiven Onlineshop erstellt und vorübergehend in einem Cloud-Speicher abgelegt worden. Auf diesen hatten sowohl das Produktivsystem als auch die Testumgebung Zugriff. Nach Abschluss der Arbeiten hätte die Datei gelöscht werden müssen, was jedoch unterblieb. Die Kundendaten seien zu keinem Zeitpunkt für Test- oder Entwicklungszwecke verwendet worden, betont
Offerz. Der eigentliche Onlineshop und die Zahlungsabwicklung seien nach aktuellem Kenntnisstand nicht betroffen.
Für den Betrieb der Serverinfrastruktur und die Programmierung sei ein externer IT-Dienstleister zuständig. Die fehlerhafte Zugänglichkeit der Daten sei im Rahmen dieser technischen Betreuung entstanden. Offerz hält jedoch fest, dass die Verantwortung gegenüber Kunden und Behörden beim Unternehmen selbst liege. Geschäftsführer Dominik Megert erklärt dazu gegenüber "Swiss IT Magazine": "Dieser Vorfall tut mir aufrichtig leid. Unsere Kundinnen und Kunden durften erwarten, dass ihre Daten bei uns sicher sind, und wir haben diese Erwartung nicht erfüllt."
Betroffen sind Bestellnummern, Namen, Adressen, E-Mail-Adressen, Mobilnummern, IP-Adressen sowie Angaben zur Art des verwendeten Zahlungsmittels. Passwörter sowie Karten- und Kontodaten waren nicht in der Datei enthalten. Ob tatsächlich Daten entwendet wurden, ist weiterhin unklar. Da während des Angriffs erhöhter Datenverkehr festgestellt wurde, geht
Offerz vorsorglich von einem Datenabfluss aus. Die betroffene Testumgebung wurde am 9. Oktober vollständig deaktiviert. Weitere Überprüfungen von Quellcode, Dateiuploads und Zugriffsprotokollen sowie Virenscans hätten keine Hinweise auf zusätzliche Zugriffe oder Manipulationen ergeben. Am 13. Oktober beauftragte Offerz den Schweizer Cybersecurity-Spezialisten Infoguard mit einer forensischen Untersuchung. Diese ist noch nicht abgeschlossen.
Als Konsequenz hat Offerz die Zugriffsberechtigungen und die Überwachung seiner Test- und Entwicklungsumgebungen überprüft und angepasst. Personendaten würden dort inzwischen nicht mehr abgelegt. Die betroffenen Kunden wurden per E-Mail informiert und müssen vorsorglich ihre Passwörter zurücksetzen. Der Vorfall wurde dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb) sowie dem Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) gemeldet. Zudem kündigt Offerz eine Strafanzeige an.
Auf Anfrage von "Swiss IT Magazine" zu einem möglichen Zusammenhang mit den jüngsten Cyberangriffen
auf Ricardo und den Softwareanbieter der
Pensionskasse des Bundes erklärt Megert, dazu lägen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Zwar habe sich ein Kunde gemeldet, der eine vergleichbare Nachricht über einen Datenabfluss von einer weiteren Schweizer Plattform erhalten habe. Dies sei allerdings nicht verifiziert. Die Beurteilung möglicher Zusammenhänge überlasse man den Behörden.
(mw)