Wilfried Platten: In welcher Phase der Cloud-Nutzung befinden wir uns aktuell? Stehen wir ganz am Anfang?
Dennis Zimmer: Man muss klar unterscheiden zwischen den privaten und den geschäftlichen Anwendern. Im privaten Umfeld kann man schon von einem Siegeszug der Cloud-Anwendungen sprechen, da alleine Cloud-Storage-Produkte wie eine Dropbox, Google Drive oder Microsoft Skydrive von Millionen Anwendern genutzt werden. Hier stehen wir definitiv nicht ganz am Anfang. Aber dennoch ist noch viel Luft nach oben, was neue Ideen und Möglichkeiten angeht. Durch IaaS- und PaaS-Plattformen, wie sie von Amazon, Google oder Microsoft angeboten werden, können auch zunehmend kleine Software-Häuser ausfallsichere und skalierbare Lösungen für Kunden anbieten.
Im geschäftlichen Umfeld finden sich die Cloud-Arten Public, Private und Hybrid, welche eine Mischumgebung zwischen privater und öffentlicher Cloud darstellt. Bezüglich Public-Cloud-Anwendungen stehen wir definitiv noch ganz am Anfang, da die Skepsis der Unternehmen sehr gross ist und nur ungern Daten oder Prozesse aus dem eigenen Rechenzentrum rausgegeben werden. Hier sieht man eher einzelne Anwendungen wie Salesforce.com, die punktuell genutzt werden, das heisst für spezifische Geschäftsprozesse. In einigen Unternehmen haben sich auch Angebote für Fileserver oder Mailserver als Public-Cloud-Angebot durchgesetzt, zum Beispiel Microsoft Office 365 oder Google Apps. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Man hört und sieht immer wieder clevere Anwendungen in Unternehmen, welche auf grosse Public-Cloud-Anbieter setzen, um zeitlimitiert aber hochperformant Auswertungen oder Berechnungen vorzunehmen, welche inhouse nicht oder nur mit sehr hohen Kosten möglich wären.
Private-Cloud-Möglichkeiten, welche das eigene Rechenzentrum dynamischer und besser skalierbar und abrechenbar machen, stossen auf grosses Interesse. Die Umsetzung stellt aber viele Unternehmen vor Herausforderungen. Hier sind definitiv Vmware und Microsoft als führende Hersteller zu nennen. Daher kann man im geschäftlichen Bereich schon noch von einer Findungsphase sprechen, ein Durchbruch ist definitiv noch nicht in Sicht.
Welche Faktoren treiben diese Entwicklung?
Flexibilität, Skalierbarkeit, Kosten und Standardisierung der IT sind die Treiber. Die interne IT soll kein undurchschaubares Kostengrab mehr sein, wie es von vielen Führungsebenen bezeichnet wird, sondern transparent und kalkulierbar.
Welche Hürden gibt es, die nach wie vor eine breitere Nutzung von Cloud Computing Services behindern?
Die grössten Hürden würde ich nicht in den technischen Möglichkeiten suchen, sondern eher in den Köpfen der Nutzer und Entscheider. Diese müssen Vertrauen in die neuen Möglichkeiten erhalten und mit realen Beispielen und Referenzen eigene Vorteile erkennen können. Neben rechtlichen Hürden sind daher auch die Vertrauenshürden zu nehmen, was nicht mit Marketing möglich ist. Weiterhin müssen mehr Möglichkeiten geschaffen werden, Cloud- und Nicht-Cloud-Infrastrukturen nebeneinander zu betreiben, was genormte Schnittstellen und Datenmigrationen in und aus der Cloud ins eigene Rechenzentrum bedeuten.
Vita Dennis Zimmer
Dennis Zimmer hat mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Informationstechnologie. In den letzten Jahren hat er sich auf das Thema Virtualisierung in Datacentern spezialisiert. Er gehört zu den führenden Meinungsbildnern in der europäischen Virtualisierungs-Community. Ausserdem hat er weltweit eine gute Reputation, wenn es um technische Visionen geht. Seine Bücher, Videotrainings und sein Blog www.vmachine.de werden von vielen Herstellern und grossen Organisationen gelesen und geschätzt. Dennis Zimmer ist ein weltweit bekannter Virtualisierungsexperte mit ausgezeichneten Kontakten zu Herstellern und der Community. Weiterhin ist er, im vierten Jahr in Folge, einer von 300 Personen, denen Vmware den Vexpert Status verliehen hat. Sein Unternehmen Opvizor betreibt eine Cloud-Anwendung, welche virtuelle Infrastrukturen analysiert und vorausschauend auf Probleme hinweist, bevor sie sich auf die virtuelle Infrastruktur auswirken, und hilft den IT-Verantwortlichen, die Probleme präventiv zu lösen.