CIO-Interview: «Weil es gut für die Sache ist und nicht nur, weil es sich rechnet»

CIO-Interview: «Weil es gut für die Sache ist und nicht nur, weil es sich rechnet»

Artikel erschienen in IT Magazine 2022/07
Und registrieren Sie regelmässig Cyber-­Vorfälle?
Das passiert durchaus. Unser Ziel ist, den grossen Schaden verhindern zu können. Wenn wir ein befallenes Gerät haben, wird es umgehend aus dem Verkehr gezogen und neu aufgesetzt. Wichtig ist natürlich, dass es ein gutes Backup gibt. Ein Stückweit muss man ein gewisses Rest-Risiko wohl in Kauf nehmen.

Einen grösseren Vorfall, der über einen einzelnen Client hinausgewachsen ist, gab es bisher also noch nicht? Es gäbe mit all den Forschungsergebnissen und potenziell zukünftigen Patenten ja durchaus etwas zu holen.
Bisher nicht – zum Glück! Es gab dieses Jahr ja bereits mehrere Angriffe auf Hochschulen. Uns ist also bewusst, dass das Risiko hoch ist. Man sagt in der Security gerne, dass sich nicht die Frage stellt ob, sondern wann man einen grösseren Vorfall hat. Unser Ziel ist es, das möglichst hinauszuzögern und es den Angreifern so schwer wie möglich zu machen.

Nun gibt es seit 2020 mit der Pandemie eine Herausforderung, die viele Branchen stark getroffen und verändert hat. Im Bildungsbereich war es unter anderem besonders anspruchsvoll. Wie lief die Umstellung für die FHNW-IT im Frühjahr 2020?
Anfang des Lockdowns haben wir den Campus geschlossen und eine Woche lang keinen Unterricht angeboten, um die Umstellung auf den Fernunterricht vorzunehmen.

Das ist wenig Zeit für eine solch grosse Umstellung.
Im Prinzip haben wir von einem Tag auf den anderen 3000 Mitarbeitende nach Hause geschickt. Dafür brauchen sie ihr Equipment, eine stabile Bandbreite sowie die entsprechende Software. Rund zwei bis drei Wochen war es etwas holprig – die Videokonferenzlösungen waren beispielsweise völlig am Anschlag und das VPN musste nachgerüstet werden. Aber nach drei Wochen hat technisch alles geklappt und der Unterricht konnte weitgehend reibungslos weitergehen. Zur Unterrichtsqualität kann ich nicht viel sagen, aber die Prüfungsergebnisse waren generell nicht schlechter als in vergangenen Jahren.
Waren Sie technologisch gut vorbereitet auf ein solches Ereignis?
Wir hatten in der Tat etwas Glück: Die meisten arbeiteten schon davor mit Laptops und wir verfolgten schon länger das Ziel, dass unsere Infrastruktur Zeit-, Ort- und Geräte-unabhängig funktioniert. Ausserdem war das Projekt für unsere Videokonferenzlösung Webex kurz vor dem Rollout. Dies konnten wir dann ohne grösseren Aufwand per Knopfdruck allen Mitarbeitenden, aber auch allen unseren über 13’000 Studierenden zur Verfügung stellen.

Also läuft der komplette Fernunterricht über Webex?
Im Moment ja, aber wir werden auf Teams umsteigen. Wir sind allgemein recht Microsoft-lastig und migrieren aktuell auf Microsoft 365. Teams ist damit bereits im Einsatz und soll auch bald für die Videokonferenzen und für die Telefonie eingesetzt werden.

Ist dieses M365- und Kommunikationsprojekt mit der Teams-Migration derzeit ihr wichtigstes Vorhaben?
Das ist grade sehr aktuell, ja. Im Moment wird noch Sharepoint mit unserem ganzen Intranet migriert, die Groups aus Share­point werden in Teams überführt und wir halten die entsprechenden Schulungen ab. Ende Jahr soll alles abgeschlossen sein.

Gibt es weitere Projekte, an denen Sie aktuell arbeiten?
Da gibt es einige. Nicht spektakulär aber derzeit sehr aktuell ist der Wechsel auf SAP S/4HANA. Weiter gibt es einige Vorhaben im Bereich Prozessautomatisierung. Interessant ist unter anderem auch das Projekt Hochschullehre 2025 – man will die Hochschullehre im Zeitalter der digitalen Welt weiter­entwickeln.

Wie will man das umsetzen?
Die Hochschulen der FHNW wollen guten, modernen Unterricht bieten und voneinander lernen, da gibt es viel Austausch. So etwa zum Thema Hybrid-Unterricht, wo es auch um Themen wie Raumausstattung geht, die sich wegbewegt von der klassischen Bestuhlung. Weiter geht es um Daten- und Business-Intelligence-Themen, in denen man versucht, die anfallenden Daten besser zu nutzen und die Studierenden damit zu unterstützen. Das sind zwar übergreifende, businessgetriebene Themen, die IT spielt hier aber natürlich eine wichtige Rolle.

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Vor wem mussten die sieben Geisslein aufpassen?
Antwort
Name
E-Mail
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER