CIO-Interview: «Weil es gut für die Sache ist und nicht nur, weil es sich rechnet»

CIO-Interview: «Weil es gut für die Sache ist und nicht nur, weil es sich rechnet»

9. Juli 2022 - Dominik Hof, der Informatikleiter der FHNW, legt Wert darauf, dass seiner Arbeit erkennbarer Sinn zugrunde liegt. Seine Motivation ist die permanente Vorwärtsbewegung.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/07
CIO-Interview: «Weil es gut für die Sache ist und nicht nur, weil es sich rechnet»
Dominik Hof, Head of Corporate IT bei der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). (Quelle: FHNW)
Swiss IT Magazine: Herr Hof, Sie sind nun schon seit Anfang 2014 bei der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) als Head Corporate IT tätig und waren zuvor bei Credit Suisse und Axa. War der Wechsel vom Banking- und Insurance-­Geschäft in den Bildungsbereich damals ein grosser Kulturschock?
Dominik Hof:
Das war er definitiv. Zunächst ist man dort unter mehr als 5000 IT-Mitarbeitenden ein kleines Zahnrad im ganzen Konstrukt und übernimmt eine sehr spezialisierte Rolle. In meinem heutigen Job überblicke ich hingegen die ganze IT und damit die ganze Breite, das ist deutlich vielseitiger. Das gefiel mir im Zuge des Wechsels besonders gut.

Und wie war das aus kultureller Sicht?
Der kulturelle Unterschied zwischen einer Bank und einer Fachhochschule ist natürlich ebenfalls sehr gross. Das betrifft die Führungsstrukturen, aber auch den Antrieb: In einem Finanzinstitut wird jedes Vorhaben von einem Business Case und den damit verbundenen Kosten und Aufwänden getrieben. Und man biegt sich das auch mal zurecht, während man Powerpoint-Schlachten durch sieben verschiedene Gremien führt, um eine Genehmigung zu bekommen (lacht). In einer Fachhochschule hat man hingegen viel mehr Eigenverantwortung und Entscheidungskompetenzen. Man setzt auch Vorhaben um, weil es gut für die Sache ist und nicht nur, weil es sich rechnet.

Wie wirkt sich dieser wertorientierte Ansatz auf die Arbeit aus?
Statt sich an der individuellen Performance zu orientieren, will man hier etwas Gutes tun. Und das spürt man bei der Arbeit. Wenn jemand hier die Verantwortung für einen Service trägt, steckt Herzblut drin. Die Leute setzen sich dafür ein, dass ihre Projekte laufen, weil sich darin ein Sinn erkennen lässt.

Warum haben Sie sich damals zu diesem Schritt entschieden?
Das hatte unterschiedliche Gründe. Zum einen war es nach mehreren Jahren einfach Zeit für etwas anderes. Aber ich habe mich auch an der Strategie der Bank gestossen: Nach der Finanzkrise war die IT nur noch ein Kostenblock und wurde dem Finanzchef unterstellt. Über die Zeit hat das die Kultur geprägt und auch dazu geführt, dass der Job für mich an Attraktivität verloren hat. Ich hatte die Vision vermisst.

Und wie ist das bei ihrem heutigen Job – wo ist Ihr CIO-Posten im Unternehmen angesiedelt?
Wir haben eine Direktion, zusammengesetzt aus dem Direktionspräsidium und den Direktorinnen und Direktoren der neun Hochschulen, vergleichbar mit Departementen an anderen Hochschulen. Weiter sitzt auch der Leiter Services – mein direkter Chef und Vizepräsident – in diesem Board. Unter ihm liegen die Bereiche IT, Finanzen, Immobilien, Infrastruktur und Personal. Das ist ein gängiges Modell für Hochschulen.
Wo verorten Sie aus Sicht der IT die wichtigsten Eigenheiten des Bildungswesens im Vergleich zum Rest der Wirtschaft?
Wichtig ist sicher, dass im Bildungswesen ein vergleichsweise offenes, flexibles System gewünscht wird. Unsere rund 3000 Mitarbeitenden arbeiten in sehr unterschiedlichen Fachgebieten. Manche forschen beispielsweise im Bereich Life Science – das ist sehr Chemie- und Physik-lastige Forschung mit Einflüssen aus der Medizinaltechnik. Dann gibt es die technische Informatik und die Wirtschaftsinformatik, wo etwa im Bereich Cybersecurity geforscht und doziert wird. Die Fachbereiche reichen hin bis zu der Musik oder der Sozialen Arbeit – letztere machen beispielsweise grosse Umfragen mit besonders schützenswerten Personendaten.

Das klingt aus IT-Sicht nach einer grossen Herausforderung.
Die Studierenden und die Mitarbeitenden müssen auf ihren Geräten alles machen können, was für ihre Arbeit und Forschung nötig ist. Die Gestaltung dieses Handlungsspielraums ist an einer Hochschule ein wesentlicher Punkt. Gleichzeitig sind wir aber auch eine Firma mit fast einer halben Milliarde Franken Umsatz, daher muss die IT ordnungsgemäss betrieben werden. Das ist ein stückweit ein Spannungsfeld und macht unseren Bereich sehr breit.

Mit wie vielen IT-Mitarbeitenden setzen Sie das um?
Wir sind zentral organisiert und haben rund 100 Mitarbeitende. Aber natürlich sind wir auch lokal an den verschiedenen Standorten vertreten.

Wie ist das Team aufgeteilt?
Der grösste Teil ist der Service Desk, diese Leute sind wie eben angesprochen auf die verschiedenen Standorte verteilt. Dass man bei uns mit einem IT-Problem persönlich auf einen Mitarbeiter zugehen oder ihn anrufen kann, wird sehr geschätzt. Weiter haben wir zwei Teams für das Workplace Engineering von MacOS- und Windows-Geräten und weitere Teams für Multimedia Communications, Applikationen, Infrastruktur sowie Strategie und Projektmanagement.

 
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